12. September 2023
E-Control-Aktionsplan fordert rascheren Anschluss von PV-Anlagen

Die E-Control hat im „Aktionsplan Netzanschluss“ Maßnahmen für eine raschere Umsetzung von Netzanschlüssen erarbeitet. Einmal mehr zeigt sich: Der Ausbau von Netzkapazitäten in Österreich ist das Gebot der Stunde.

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Aktuelle Debatten rund um Österreichs Abhängigkeit von russischem Gas machen es deutlich: Es braucht rasch innovative Lösungen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Die heimischen Klimaziele geben vor, bis 2030 die Photovoltaik-Stromproduktion um insgesamt 11 TWh zu erhöhen. Klar ist: Die Reduktion von fossilen Emissionen bedeutet einen deutlich höheren Stromverbrauch. Und dieser verlangt nach einem massiven Ausbau der Infrastruktur.

Große Hürden in Österreich

Die österreichische Energieregulierungsbehörde E-Control fordert daher schon lange einen Netzausbau, um die Versorgungssicherheit auch künftig gewährleisten zu können. So müsse es zur Erreichung der Klimaziele eine Verdoppelung der bereits bestehenden 380-kV-Leitungslänge geben, wie E-Control-Vorstand Alfons Haber erst im Juni gegenüber dem ORF erklärte.

„Der Ausbau beginnt bei den einzelnen Haushalten und regionalen Verteilernetzen und reicht bis zu den überregionalen Stromleitungen samt notwendiger Transformatoren, Leitungen, Umspannwerke und so weiter“, so Haber. Die E-Control weist allerdings auch auf ein weiteres Manko hin. Bei Netzanschlüssen von Photovoltaik-Anlagen gäbe es nach wie vor große Hürden, wie beispielsweise lange Bearbeitungsdauer der Netzbetreiber, verzögerte Reaktionszeiten auf Anträge zum Netzzugang, Begrenzung der Einspeiseleistung oder fehlende Transparenz bei Netzkapazitäten.

Alfons Haber, E-ControlAlfons Haber, Vorstand E-Control (Foto: E-Control, Georg Wilke)

Effizienz und Nachhaltigkeit verbessern

Nun hat man einen eigenen „Aktionsplan Netzanschluss“ erarbeitet, der eine Reihe von Maßnahmen für eine raschere Umsetzung von Netzanschlüssen vorsieht. Eine dieser Maßnahmen: Der Ausbau der Digitalisierungsmaßnahmen bei den Netzbetreibern, „um die Effizienz, die Zuverlässigkeit und die Nachhaltigkeit des Stromnetzes stetig zu verbessern“, wie es im Plan heißt. „Die E-Control wird den Fortschritt bei der Digitalisierung künftig genau monitoren.“

Auch die Veröffentlichung von Netzentwicklungsplänen für Verteilernetze sieht der Aktionsplan vor. „Verteilernetzbetreiber ab einer gewissen Größe werden künftig verpflichtet sein, alle zwei Jahre einen Netzentwicklungsplan zu erstellen, in dem die für die nächsten fünf bis zehn Jahr geplanten Netzinvestitionen dargelegt werden und Transparenz hinsichtlich der geplanten Projekte, des voraussichtlichen Bedarfs und der geplanten Beschaffung von Flexibilitätsleistungen, wie z.B. von flexiblen Verbrauchern, Stromerzeugungsanlagen oder Speichern, geschaffen wird.“ Diese Pläne sollen künftig einheitlich veröffentlicht werden, dafür werde die E-Control einen Leitfaden erstellen.

Umsetzung der Erneuerbaren-Ziele

Weiters heißt es: „Die Verteilernetzbetreiber sind verpflichtet, die verfügbaren Netzkapazitäten je Umspannwerk – Netzebene 4 – zu veröffentlichen und quartalsweise zu aktualisieren. Eine übersichtliche Darstellung dieser Informationen fehlt bisher allerdings.“

Die Mehrzahl der Maßnahmen im Aktionsplan beziehen sich zwar auf private PV-Anlagen. Dennoch ist das Fazit der Regulierungsbehörde klar: „Der E-Control ist es wichtig, die rasche Umsetzung der Erneuerbaren-Ziele zu unterstützen.“ Durch die umfassenden Maßnahmen im ‚Aktionsplan Netzanschluss‘ sollen effizientere und zügige Netzanschlüsse gewährleistet werden, „um den Ausbau Erneuerbarer Stromerzeugungsanlagen voranzutreiben.“

✅ TEXT: MICHI REICHELT
✅ FOTOS: ENERY, E-CONTROL