Solarfarm in Afrika: grüner Strom für Wildtierfarm

Auf der Thaba Tholo-Wildfarm in Südafrika sind nicht nur die Big Five des Tierreichs zu Hause. Inmitten des idyllischen Reservats sorgt ein 750-Kilowatt-Solapark für sauberen Naturstrom.

Wie viele verschiedene Tierarten gibt es auf unserem Planeten? Selbst für Naturwissenschafter*innen eine schwierige und eigentlich nicht zu beantwortende Frage.  Denn viele Gattungen sterben aus, noch bevor sie überhaupt entdeckt werden. Tragisch. Die genaue Zahl der vorkommenden Arten kennt daher niemand. Schätzungen zufolge krabbeln, fliegen, schwimmen und spazieren zwischen fünf und fünfzig Millionen verschiedene Spezies über den Globus.

Ein echter Hotspot für biologische Vielfalt und ihre Erforschung liegt zweifellos in Afrika. Vor allem der Süden des Landes ist für seine gigantische Fülle an einzigartigen Tier- und Pflanzenarten bekannt. Diese ist aufgrund der menschlichen Ausbreitung jedoch immer stärker bedroht. Genau deshalb suchen Expert*innen fleißig nach Strategien, um den rasanten Schwund der Biodiversität zu stoppen. Genau hier kommt die Thaba Tholo-Wildfarm in der südafrikanischen Provinz Limpopo ins Spiel. Dort setzt man sich nicht nur für den Erhalt gefährdeter Arten ein, sondern realisiert mithilfe einer bereits installierten Solarfarm eine nachhaltige Energieversorgung.

Unglaubliches Sonnenpotenzial

Der Kontinent ist aber nicht nur für seine tierisch wilden Bewohnerinnen und Bewohner bekannt. Vor allem das tropische Klima mit vielen Sonnenstunden zieht Menschen aus aller Welt an. Logisch, dass das Potenzial der Sonnenenergie dort immens ist. Schließlich scheint nirgends auf der Welt die Sonne so stark und verlässlich wie in Afrika. Wir halten fest: Sonne gibt’s zwar satt – doch kaum Solaranlagen. Der Sonnenkontinent hängt schlichtweg noch am Tropf der fossilen Energiequellen. Südafrika jedoch setzt vermehrt auf saubere Stromerzeuger. Im Land am Kap wird bis 2030 ein Anteil des Sonnenstroms von zumindest 40 Prozent der Gesamtkapazität in Afrika erwartet.

Strahlendes Vorzeigebeispiel: die 36.000 Hektar große Wildfarm Thaba Tholo. Hier wird bereits heute fleißig Sonnenenergie getankt. Die Farm wurde in den späten 1980er-Jahren durch die Zusammenlegung mehrerer Farmen gegründet. Ein professionelles Team von Wildhüter*innen, Zuchtexpert*innen und Agraringenieur*innen setzt sich für die Wiederansiedlung der Big Five und anderer seltener Arten ein. Das gesteckte Ziel: eine artenreiche Fauna und Flora für die kommenden Generationen zu hinterlassen. Dafür setzt Thaba Tholo auf grüne Energie und Nachhaltigkeit in allen Bereichen.

Die Solarfarm in Afrika

Der Bau einer Solarfarm inmitten eines Reservats in Afrika entpuppte sich dabei jedoch als schwieriges Unterfangen. Schließlich sind Lastwagen und andere sonst übliche Gerätschaften hier verboten. Man muss viel kleinteiliger denken. Der südafrikanische Energieprojektierer Telenetix hat jedoch unter herausfordernden Bedingungen im Jahr 2016 eine besondere Lösung gefunden: Das Unternehmen installierte einen 750-Kilowatt-Solapark mit einem zusätzlichen Micro-Grid. Sprich: Die Anlage ist kein einzelnes großes Feld, sondern Bestandteil eines eigens für die Farm aufgebauten Inselnetzes. Mithilfe der Solarfarm soll in Afrika eine lückenlose Stromversorgung garantiert und der ökologische Fußabdruck der Farm möglichst klein gehalten werden. Gleichzeitig wird eine Verringerung der Strom- und Betriebskosten angepeilt.

Das Besondere: Sämtliches Equipment für die Verwaltung und den Betrieb der Thaba Tholo-Anlage befindet sich in speziell umgebauten, gekühlten Schiffscontainern. Diese stehen direkt neben dem Grünstromerzeuger auf dem Gelände der Wildtierfarm. Die kühle Umgebung soll laut Betreiber die Lebensdauer einzelner Anlagenkomponenten verlängern und die Sicherheit vor Ort gewährleisten. Zur Info: Werden etwa Wechselrichter zu heiß, kann dies zur Folge haben, dass sie ihre Leistung deutlich abregeln – also ihre Leistung vermindert oder sogar die komplette Anlage abgestellt wird.

Sonnenstrom für Bewässerung

Zur Stärkung der biologischen Vielfalt produziert die Thaba Tholo-Farm den größten Teil des benötigen Futters selbst. Erst vor Kurzem wurden die landwirtschaftlichen Aktivitäten etwa durch den Anbau von Feldfrüchten zusehends erweitert. Dass es sich im Süden Afrikas um ein extrem trockenes Gebiet mit wenig Niederschlag handelt, ist gewiss den meisten bekannt. Schließlich hat es in der Gegend seit knapp vier Jahren kaum geregnet.

Ein eigenes Bewässerungssystem ist die logische Antwort auf dieses Problem – dieses wird mithilfe des erzeugten Grünstroms betrieben. Und so funktioniert’s: Das Wasser wird aus dem Fluss in Bewässerungsdämme gepumpt und von dort über zentrale Drehzapfen zu den Pflanzen geleitet. Pumpen und Zapfstellen werden dabei ausschließlich mit Grünstrom betrieben. Der saubere Strom wird zusätzlich für die Beleuchtung der Gebäude und Werkstätten genutzt.

Volle Energie für Mensch und Umwelt

Wir halten fest: Mit der Installation des Solarparks will die Thaba Tholo-Farm nicht nur die heimische Tierwelt, sondern auch das Klima schützen. Darüber hinaus gibt es auf der Wildtierfarm eine Vielzahl von sozialen Projekten sowie Hilfs- und Gesundheitsangeboten. Diese sollen sowohl den Mitarbeiter*innen als auch der heimischen Bevölkerung zugutekommen. Thaba Tholo-Geschäftsführer Rubin Els bringt es auf den Punkt: „Wir bei Thaba Tholo glauben, dass der Schatz der afrikanischen Tierwelt von allen geteilt werden sollte, die auf diesem Kontinent leben.“ Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

✅ TEXT: SANDRA RAINER
✅ FOTOS: UNSPLASH / HU CHEN
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