E-volution des Flugverkehrs

Zuverlässig, leichter und vor allem umweltfreundlich – so sollte das Flugzeug von morgen unterwegs sein. Daran gearbeitet wird bereits heute. Im Südosten von England geht jetzt etwa Europas erste solarbetriebene Ladestation für Elektroflugzeuge in Betrieb.
Elektroflugzeuge

Flugzeuge befördern zuverlässig Passagier*innen und Fracht von A nach B – Tag für Tag. Allein hierzulande starteten im Jahr 2019, also noch vor der Coronakrise und dem damit einhergehenden Rückgang der Flugreisen, rund 160.000 Flugzeuge auf den sechs Verkehrsflughäfen im Land. Doch ein boomender Flugverkehr wirkt sich freilich auch auf die Umwelt aus. Schließlich zählt das Flugzeug zu den energieintensivsten Fortbewegungsmitteln überhaupt und seine Abgase haben die stärksten Klimaeffekte – vom Lärm und Flächenverbrauch im Umfeld von Flughäfen reden wir erst gleich gar nicht. Zusammengerechnet emittiert ein Hin- und Rückflug von Wien nach New York beispielsweise 2,2 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person. Das CO2-Jahresbudget eines Menschen liegt aber nur bei 1,5 Tonnen. Sprich: So viel darf eine Person höchstens verursachen, damit sich die Erde in Zukunft nicht um mehr als die angepeilten 1,5 Grad erwärmt.

Viele stellen sich also die Frage: Ist Fliegen mit weniger Schadstoffen und ohne schlechtes Gewissen dann überhaupt möglich? Forscherinnen und Forscher arbeiten derzeit jedenfalls fleißig an verschiedenen Lösungen, um den Flugverkehr schon bald nachhaltiger zu gestalten. Eine davon: Elektroflugzeuge. Diese werden elektrisch betrieben, sodass sie eben kein klimaschädliches Kerosin mehr benötigen. Dadurch stoßen sie während des Flugs weder CO2 noch Stickoxide, Wasserdampf oder Ruß aus. Nettes Zusatzfeature: Elektroflugzeuge sollen deutlich leiser als gewöhnliche Flieger fliegen. Größere Flieger für mehr als 15 Personen sind bislang allerdings noch auf eine zweite Energiequelle angewiesen – sie fliegen also mit einem Hybridmotor. Aber: Kleinere Modelle fliegen bereits jetzt schon völlig sauber durch die Lüfte. In England wurde für genau solche elektrischen Kleinflugzeuge nun die erste solarbetriebene Ladestation in Betrieb genommen.

Vorreiter England

Auf dem Old Buckenham Airfield im Osten Englands können elektrische Leichtflugzeuge nun Solarstrom laden. Die Anlage wurde vom Energieunternehmen Renenergy installiert, die Solarmodule stammen von Q Cells. Montiert wurden die 33 Module auf einem von Renenergy entwickelten Gestell, das auf den ersten Blick den Systemen für Parkplatzphotovoltaikanlagen ähnelt. Die erreichte Leistung der Module beläuft sich auf rund 14 Kilowatt. Der Wirkungsgrad liegt laut Hersteller bei bis zu 20,3 Prozent.

Elektroflugzeuge

Nach Angaben von Nuncats, der Organisation hinter diesem Projekt, handelt es sich bei der E-Ladestation für Flugzeuge um die erste Anlage dieser Art europaweit. An dieser Tankstelle halten soll ein speziell angepasstes Leichtflugzeug vom Typ Zenith 750-Flugzeug, der sogenannte „elektrische Sky Jeep“. Dieser Flugzeugprototyp verfügt über eine 30-Kilowattstunden-Batterie, sodass der Flieger rund 30 Minuten lang fliegen kann, bevor der Tank wieder neu befüllt werden muss. Für die Anlage auf dem Old Buckenham Airfield wird derzeit ein einphasiges Ladegerät mit fünf Kilowatt verwendet. Den Entwickler*innen zufolge kann die Ladeinfrastruktur aber durchaus an die jeweiligen Bedingungen der eingesetzten Fluggeräte angepasst werden.

Mit Solarstrom durch die Luft

Ziel der Kombination von Photovoltaik und Leichtflugzeuge ist es, einige der entlegensten Gemeinden der Welt mit solargeladenen elektrischen Leichtflugzeugen zuverlässig zu versorgen. So zumindest beschreibt Nuncats das Vorhaben der besonderen Tankstelle. „In den Industrieländern geht es bei den Vorteilen von Elektroflugzeugen vor allem um die Reduzierung von CO2– und Lärmemissionen“, erklärt Tim Bridge, Mitbegründer von Nuncats. Und weiter: „Für den Rest der Welt besteht ein großer, bisher ungenutzter Vorteil darin, dass Elektroflugzeuge eine robuste, wartungsarme Alternative darstellen, die nicht von den Versorgungsketten fossiler Brennstoffe abhängig ist.“ Der erfolgreiche Einsatz vom Solarflugzeug Sky Jeep bei Flügen über Region East Anglia zeigten bereits in der Vergangenheit das große Potenzial von nachhaltig betriebenen Luftfahrzeugen. Bisher waren Tankmöglichkeiten allerdings rar. Tim Bridge hofft nun, dass die Anlage zu einer Startrampe für die weitere Elektrifizierung des Luftraums wird. Und dann werden vielleicht auch Flugreisen grün – oder wenigstens grüner!

✅ TEXT: Sandra Rainer
✅ FOTOS: UNSPLASH/Etienne Jong ; Q-Cells
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