„Auf meinem Feld wird bald Sonnenstrom geerntet!“

Vor 20 Jahren war Georg Haider einer der ersten, die in Österreich auf Windenergie gesetzt haben. Nun soll zu seinen drei Windrädern eine Photovoltaik-Freiflächenanlage hinzukommen. Auf einem seiner wenig Ertrag bringenden Felder wird der burgenländische Landwirt auf 14 Hektar Sonnenstrom ernten.
Georg Haider

Man kann Georg Haider getrost als Pionier in Sachen Grünstrom bezeichnen. Denn der ehemalige Winzer und heutige Landwirt hat schon vor zwei Jahrzehnten verstanden, dass wir grünen Strom brauchen, damit unser Planet blau bleibt. „Besonders markant war für mich die Katastrophe in Tschernobyl. Spätestens damit war für mich klar, dass ich meinen Beitrag leisten möchte“, erinnert sich der 63-Jährige. Im ersten Schritt setzte der Burgenländer auf Windenergie. Drei Windräder stehen heute auf seinen Grundstücken und erzeugen sauberen Strom. Nun ist er gerade dabei, mit Enery eine der ersten privaten Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Österreich zu entwickeln. Wir haben Georg Haider dort besucht, wo er bald Sonnenstrom ernten wird.

Wir stehen hier zwischen Schottergruben und der Bahn im Burgenland. Dort, wo Sie in Zukunft Sonnenstrom ernten möchten. Was macht diesen Ort für dieses Unterfangen so ideal?

Das ist eines meiner Grundstücke, das im Idealfall nur kostendeckende Erträge liefert. Schließlich befinden wir uns hier mitten im Schotterabbaugebiet auf der Parndorfer Platte. Umgeben ist die Fläche von Güterwegen, über die nur LKW der umliegenden Schottergruben hinwegdonnern, und einer Zugstrecke. Wir sind somit weit weg von einem Naherholungsgebiet. Zudem liegen diese 14 Hektar nur 300 Meter von einem Umspannwerk entfernt. Man kann Strom also sehr einfach ins Netz einspeisen.

Bleiben wir kurz bei der Sache mit der Bodenqualität. Ist es für Sie wirklich sinnvoller, Sonnenstrom zu ernten als Getreide?

Die Ackerflächen hier sind fast alle von geringer Bodenqualität. Unsere Projektfläche etwa hat die Bodenklimazahl 30 von maximal 100, ist also offiziell ein Grenzertragsboden. Und genau diese Erfahrung habe ich hier als Landwirt auch gemacht. Und wenn man jetzt meint, es würde hier durch eine PV-Anlage noch mehr Boden versiegelt, dann muss ich sagen: Das stimmt nicht! Die Paneele werden mit Eisenstehern ohne Betonfundament befestigt und lassen sich ohne Rückstände abbauen. Sämtliche Niederschläge versickern im Erdreich. Zudem wird die gesamte Fläche so begrünt werden, dass nicht nur Bodenerosion verhindert wird, sondern vor allem viele Tiere, wie Schmetterlinge oder Bienen, ein Paradies vorfinden werden.

Georg Haider
Ferdinand Trauttenberg und Friedrich Neubrand von Enery mit Grundstücksbesitzer Georg Haider (Mitte).

Ergibt für Sie die Sache finanziell Sinn?

Dieses Projekt macht auf vielen Ebenen Sinn für mich. Vor allem, weil nach dem Aufbau und der Verkabelung der Anlage ohne weiteres Verkehrsaufkommen Strom geliefert wird. Das bedeutet, es wird grüner Strom produziert und gleichzeitig werden weniger fossile Kraftstoffe verbrannt, weil keine LKW unterwegs sein müssen, um fossilen Brennstoff von A nach B zu liefern. Außerdem rechnet sich die Sache ganz klar: Wenn ich hier Getreide anbauen würde und dieses zu Bioethanol verarbeitet wird, erhalte ich um das 100-fache weniger Energie als mittels PV-Anlage. Das muss man sich einmal vorstellen!

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Vorteile der Photovoltaik?

Wo solche Anlagen errichtet werden, entsteht ein Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere, die sich unter den Modulen ansiedeln. Hier finden sämtliche Lebewesen einen idealen Lebensraum. Durch die Beschattung der Paneele gedeiht ein Biotop, das abgesehen von Waldflächen die beste Form des Bodenschutzes darstellt.

Sehen Sie auch Nachteile?

Die noch nicht optimale Speicherfähigkeit des überschüssigen Stroms. Die Produktion von Wasserstoff in größeren Anlagen durch Sonnenenergie ist noch nicht ausgereift. Aber das wird bald der Fall sein. Davon bin ich überzeugt.

✅ INTERVIEW: Johannes Stühlinger
✅ FOTOS: UND Kommunikation
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