Mit wachsender Solar- und Windleistung geraten klassische Power Purchase Agreements (PPAs) unter Druck – negative Preise und Kannibalisierungseffekte machen die Planung komplexer. Batteriespeichersysteme (BESS) verändern dieses Bild gerade grundlegend: Sie geben PPAs neue Spielräume, zusätzliche Erlösquellen und mehr Risikokontrolle.
Allein 2024 wurden in Europa fast 19 Gigawatt erneuerbare Leistung über PPAs neu kontrahiert, vor allem aus Solar- und Windkraft. Rund 70 Prozent dieser Verträge waren Corporate PPAs, vor allem mit IT-Unternehmen und Rechenzentren als Abnehmern.
Gleichzeitig sorgt der Kannibalisierungseffekt dafür, dass in vielen Märkten die Capture Prices sinken. Wenn zur Mittagszeit große Mengen Solarstrom gleichzeitig eingespeist werden, fallen die Großhandelspreise – in manchen Stunden sogar in den negativen Bereich. Für PPAs bedeutet das: Langfristige Fixpreise müssen stärker absichern, was an den Börsen jedoch immer volatiler wird. Viele Abnehmer wollen eben heute nicht mehr einfach nur nachhaltige Stromlösungen, sondern vor allem langfristige ökonomische Planbarkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
BESS als Standard
Parallel dazu wächst der Batteriespeichermarkt rasant. In Europa wurden 2024 rund 21,9 Gigawattstunden (GWh) neuer BESS-Kapazität installiert. Gesamt stieg diese damit auf 61,1 GWh. Prognosen gehen bis 2029 von einer Versechsfachung der jährlichen Installationen auf knapp 120 GWh aus. Auch aus Leistungsperspektive zeigt sich der Trend: Europas Batterie-Portfolio liegt heute bei etwa 10–11 GW, soll aber bis 2030 auf über 50 GW anwachsen – mit Investitionen von rund 80 Milliarden Euro.
Besonders dynamisch ist der CEE-Raum. In Ländern wie Österreich, Ungarn und Rumänien ist die Solarleistung seit 2019 um rund 460 Prozent gestiegen, die Batteriekapazitäten legten allein zwischen 2022 und 2025 um mehr als 470 Prozent zu. Solar- und Speicherprojekte gehen hier zunehmend Hand in Hand – ein Umfeld, in dem Entwickler wie Enery bereits erste große BESS-Anlagen mit PV-Parks kombiniert haben.
Grünstrom wird „PPA-tauglicher“
Die zentrale Funktion von BESS im PPA-Kontext ist Flexibilität. Strom muss nicht mehr zwingend dann verkauft werden, wenn er produziert wird. Batterien verschieben Erzeugung aus Stunden mit niedrigen oder negativen Preisen in Phasen mit hoher Nachfrage und besseren Preisen.
Je näher die Einspeiseprofile an den tatsächlichen Verbrauch rücken, desto höher die Zahlungsbereitschaft der Abnehmer. So zeigt eine Analyse, dass ein Solarpark, der mit BESS kombiniert und aktiv optimiert wird, seine Erlöse im Vergleich zu einem reinen PV-Projekt um bis zu 25 Prozent steigern kann.
Umfassende Absicherung
Mit der wachsenden Zahl an Stunden mit Null- oder Negativpreisen – in Großbritannien waren es 2024 bereits 176 Stunden, in Deutschland dürften es bis 2026 über 900 Stunden jährlich sein – werden flexible Assets zum strategischen Muss.
Batterien können in solchen Stunden Strom aufnehmen, statt ihn billig oder sogar mit Strafzahlung ins Netz zu drücken. Mit Hybrid-PPAs sinkt damit nicht nur das Risiko für den Erzeuger, sondern auch für den Abnehmer:
- Geringere Imbalance-Kosten: Co-located BESS glätten Einspeiseprofile und reduzieren Abweichungen zwischen Prognose und tatsächlicher Lieferung.
- Mehr Erlösquellen: Neben der physischen Lieferung an den PPA-Kunden können Batterien zusätzliche Einnahmen erzielen.
- Bessere Bankability: Stabilere Cashflows und zusätzliche Erlösstränge erleichtern die Finanzierung – ein Grund, warum Speicher bei Transaktionen im CEE-Renewables-Sektor zu einem wichtigen Werttreiber geworden sind.
Kurz: Ein PPA ohne Speicher kann zwar vor Preissprüngen schützen, ein PPA mit Speicher hilft jedoch zusätzlich, von ihnen zu profitieren
Die Richtung stimmt
Trotz des Booms steckt die Kombination aus PPAs und Batteriespeichern noch in den Anfängen. Wood Mackenzie schätzt, dass heute nur etwa 10 Prozent der europäischen Utility-Scale-Speicher direkt mit Erneuerbaren gekoppelt sind. Gleichzeitig ist die Richtung klar. Für energieintensive Abnehmer – von der Brauerei bis zum Rechenzentrum – werden künftig vor allem jene Angebote attraktiv sein, die verlässlichen Grünstrom mit Flexibilität verbinden: ein langfristiger PPA, hinter dem ein intelligentes Speicherkonzept steht.
Enery hat diesen Weg schon vor geraumer Zeit eingeschlagen. Projekte wie jene im estnischen Rummu oder mit Teva Pharmaceutical Industries belegen die Vorreiterrolle des Unternehmens im Bereich BESS und PPA.