Die Feldstudie „Artenvielfalt im Solarpark“ belegt eindrucksvoll: Photovoltaik-Freiflächenanlagen erhöhen die Biodiversität deutlich. Unternehmen wie Enery sorgen also mit Solarparks für ökologischen Nutzen in mehrfacher Hinsicht.
Mit der Studie „Artenvielfalt im Solarpark – Eine bundesweite Feldstudie“ hat der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) im heurigen Jahr eine der bisher umfassendsten Untersuchungen zu Biodiversität in PV-Freiflächenanlagen vor. 30 Solarparks in zehn deutschen Bundesländern sowie eine nachgeführte Anlage in Dänemark wurden 2024 dafür systematisch untersucht.
Die Biologen Tim und Rolf Peschel erfassten gemeinsam mit Gutachterbüros acht Artengruppen: Pflanzen, Vögel, Tagfalter, Heuschrecken, Fledermäuse, Reptilien, Amphibien und Libellen. Insgesamt flossen über 100 Einzeluntersuchungen und rund 40 detaillierte Berichte in die Auswertung ein.
Fehlende Vielfalt auf Agrarflächen
Im Fokus standen Solarparks, die überwiegend auf ehemaligen Agrarflächen errichtet wurden. Also dort, wo zuvor oft intensiv bewirtschaftete Äcker lagen. Ausgangspunkt ist ein Befund, über den in der Fachwelt weitgehend Einigkeit herrscht: In der Agrarlandschaft hat die Vielfalt geeigneter Lebensräume für viele Arten massiv abgenommen – durch monotone Fruchtfolgen, dichten Düngereinsatz und den Rückgang von Hecken, Brachen oder Kleingewässern.
Genau in diesem Umfeld setzen die Solarparks an. Die Studie zeigt, dass die Anlagen – trotz ihrer technischen Struktur – über Jahrzehnte störungsarme Bereiche inmitten intensiver Landwirtschaft schaffen können. Sie ähneln in vielen Eigenschaften sogenannten „High Nature Value“-Flächen, also landwirtschaftlichen Standorten mit hohem Naturwert, auch wenn sie formell keine Agrarflächen mehr sind. „Die zentrale Erkenntnis besteht darin, dass gut geplante Solarparks auf ehemaligen Agrarflächen einen echten Mehrwert für die Artenvielfalt im Vergleich zur Vorher-Situation darstellen“, so Studienleiter Tim Peschel.
Neue Bewohner
Das Ergebnis ist beeindruckend. In den untersuchten Parks wurden 385 verschiedene Pflanzenarten, darunter mehrere gefährdete Arten, nachgewiesen. Dazu kommen 30 Heuschreckenarten, 36 Tagfalter- und Widderchenarten, drei Reptilienarten, 32 Brutvogelarten sowie 63 Vogelarten, die die Flächen als Nahrungsgebiete nutzen. Ergänzt wird die Liste durch 13 Fledermausarten, 13 Libellen- und acht Amphibienarten. Besonders auffällig ist die Rolle der Feldlerche. Die Art, die auf intensiv genutzten Äckern vielerorts unter Druck geraten ist, findet in vielen Solarparks wieder geeignete Brutflächen.
Auch für Fledermäuse entfalten die Anlagen Wirkung über die eigentliche Zaunlinie hinaus. Die Studie und weitere Auswertungen zeigen, dass vormals wenig attraktive Ackerflächen zu Jagdrevieren werden – Annahmen, Solarparks würden Fledermäuse generell verdrängen, konnten in den untersuchten Parks nicht bestätigt werden. „PV-Freiflächenanlagen bieten in der strukturarmen Agrarlandschaft für viele Arten ein Mosaik neuer, offensichtlich geeigneter Lebensräume“, fasst Peschel zusammen.
Eigenständige Nutzungskategorie
Die Autoren ordnen die untersuchten Flächen in Kategorien des sogenannten High Nature Value Farmland ein – also vergleichbar mit extensiv bewirtschafteten, strukturreichen Agrarflächen. Damit öffnet die Studie den Blick für eine andere Rolle von Solarparks: weg vom reinen Energieinfrastrukturprojekt, hin zu einem Baustein einer strategischen Landschaftsplanung. Mehrere Fachleute sehen darin eine Chance, die Debatte um Flächenkonkurrenz zu entschärfen: Wenn die Bewirtschaftung explizit auf Artenvielfalt ausgerichtet ist, könnten Solarparks langfristig als eigenständige Nutzungskategorie mit Naturschutzfunktion anerkannt werden – ähnlich wie Agri-PV.
Die Forschenden betonen allerdings, dass PV-Freiflächenanlagen nicht automatisch Hotspots der Biodiversität sind. Entscheidend sind Bauweise und Pflege. „Eine wesentliche Voraussetzung für Biodiversität ist eine Vielfalt an Lebensräumen, ihrer Strukturen sowie eine standörtliche Vielgestaltigkeit“, schreiben Peschel und Peschel.
Biodiversität in der Praxis
Für Projektentwickler und Betreiber bedeutet die Studie: Artenschutz beginnt bereits mit der Planung und endet nicht mit der Inbetriebnahme. So erzeugt Enerys Solarpark im steirischen Dobl-Zwaring beispielsweise Grünstrom für mehrere tausend Haushalte, gleichzeitig werden die Modulreihen von einer Schafherde beweidet. Die Fläche bleibt unversiegelt, ein Teil wird als extensives Grünland mit Blühstrukturen gepflegt. Ein Ansatz, der die in der bne-Studie beschriebenen Empfehlungen praktisch aufgreift.
Enery denkt jede neue Freiflächenanlage auch als Landschaftsprojekt und macht damit Solarparks nicht nur ökologischen Vorzeigeprojekten, was die Erzeugung von sauberem Strom betrifft, sondern auch mit der Schaffung von neuen Lebensräumen. Für die Energiewende bedeutet das: Klimaschutz und Naturschutz müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wenn Planung, Pflege und lokale Einbindung stimmen, können PV-Freiflächenanlagen Strom für Tausende Haushalte liefern. Und gleichzeitig Bienen, Feldlerchen, Eidechsen und Fledermäusen neue Lebensräume eröffnen. Projekte wie Dobl-Zwaring machen vor, wie dieser doppelte Gewinn aussehen kann.