Neue Projekte, neue Chancen: Der Enery-Ausblick 2025

27. Jänner 2025

Die Energiewende ist nicht mehr aufzuhalten, fossile Energie verliert global immer mehr an Bedeutung, Erneuerbare Energie ist das Gebot der Stunde – somit bringt das neue Jahr zahlreiche Chancen für die Branche. Enery Österreichs Project Director Robert Höller gibt einen exklusiven Ein- und Ausblick auf 2025.

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Alle Expert:innen sind sich einig: Ohne weiteren, intensiven Ausbau von Photovoltaik (PV) wird die Energiewende nicht zu schaffen sein – in ganz Europa. Enery hat zuletzt mit Projekten wie dem größten Solarpark der Steiermark in Dobl-Zwaring, mit dem bulgarischen PV-Kraftwerk Tsenovo, dem ersten vPPA der Slowakei oder der Anlage im rumänischen Sărmasag diverse Meilensteine in ganz CEE gesetzt. Robert Höller, Project Director bei Enery Österreich, kann daher einerseits auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken, hat aber andererseits den Fokus bereits in die Zukunft gerichtet und gibt (s)einen Ausblick 2025.

Was kann man für 2025 von Enery erwarten?

Robert Höller: Einige Projekte in Österreich, die wie in den letzten Jahren entwickelt haben, werden im aktuellen Jahr baureif. Beispielsweise in Murau, St. Pölten oder St. Georgen am Ybbsfelde. Ganz entscheidend ist: Wir gehen dabei mit gutem Beispiel voran, was Ökologiekonzepte angeht. Zudem werden wir jetzt in alle unsere Anlagen Batteriespeicher integrieren, um Strom effizient und zielgerichtet liefern zu können.

PV ist in Österreich also nach wie vor auf dem Vormarsch?

Ja, die Entwicklung geht weiter schnell voran.  Wir sind aber noch nicht da, wo wir sein müssten, um die Klimaziele zu erreichen. Aber man merkt beispielsweise, dass langsam die Angst vor Freiflächen abnimmt. Die Message, dass Freifläche nicht Freifläche ist, ist langsam angekommen. Enery legt jedenfalls den Fokus darauf, sinnvolle Anlagenkonzepte, die sich ins Ökosystem integrieren, zu entwickeln.

Mit welchen Herausforderungen wird man dabei rechnen müssen?

Die Komplexität eines großen Photovoltaik-Projekts stellt immer eine Herausforderung dar. Es steckt enorm viel Teilarbeit drin, um es umzusetzen. Von Verhandlungen mit Eigentümern über Marktprämieneinreichung bis zur Überzeugungsarbeit auf Gemeindeebene. 2024 war hier ein sehr lehrreiches Jahr; wir konnten einiges nach längerer Entwicklungsarbeit auf den Boden bringen. Worauf wir schon sehnsüchtig warten, ist der Beschluss des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG). Es ist sehr schade, dass die alte Regierung das nicht mehr im vergangenen Sommer beschlossen hat. Wir hoffen nun auf eine Ratifizierung 2025, damit viele Dinge in der Erneuerbaren-Branche vereinfacht werden – vor allem, was Energiespeicher betrifft. Und Zählpunkte. Hier herrscht Unsicherheit, bis das ElWG beschlossen wird; man weiß in manchen Bundesländern nicht, wie man mit dem sogenannten virtuellen Zählpunkt umgeht.
Kurz gesagt geht es um das Thema Netzanschluss, das wird immer komplexer. Will man Speicheranlagen integrieren, gibt es nach wie vor Unklarheiten, wie dies in Bezug auf den Netzanschluss umgesetzt wird.  Vom ElWG erwarten wir hier Klarheit.

Robert Höller, Enery Project DirectorRobert Höller, Project Director Enery Österreich

Wo liegt beim Netzausbau generell das Problem?

Es gibt einige Regionen oder Flächen in Österreich, die zoniert sind, wo es aber kein Netz gibt. Umgekehrt gibt es Regionen, wo ein Netz vorhanden ist, aber keine Flächen. Teilweise müssen wir bei geeigneten Flächen noch jahrelang aufs Netz warten. Das ist das Hauptproblem. Hier sind Netzbetreiber, aber auch die Landespolitik gefragt. Was außerdem jegliche Form von Entwicklungsarbeit in allen Bereichen der Erneuerbaren erleichtern würde, wäre Netztransparenz. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Estland, können Netzkapazitäten online geprüft werden, man kriegt Angebote dafür, was ein Anschluss kosten würde, kann alles in die Planung einbeziehen. So kann man effektiv Projekte planen und den Umstieg des Energiesystems auf erneuerbare Energien zügig vortreiben.

Welche Themen sind 2025 noch relevant?

Dass immer wieder propagiert wird, zuerst Dächer mit Photovoltaik auszustatten und erst danach die Freiflächen zu nutzen, ist fachlich betrachtet schlicht falsch.  Wir müssen auf jeden Fall parallel auf beiden Seiten ausbauen – und selbst dann wird es nicht einfach werden, die Klimaziele zu erreichen.

Woran liegt diese Sichtwiese?

Vielerorts denkt man: Wir haben doch so viele Flächen, die PV-Potenzial haben, warum soll man die schöne grüne Wiese verbauen? Das ist eine Meinung, die ich schon nachvollziehen kann. Es wissen eben die meisten nicht, dass Dächer für die Klimaziele nicht reichen werden. Zudem ist ja auch nur ein Teil der Dächer tatsächlich nutzbar. Deshalb brauchen wir auch die Freiflächen.

Was wäre hier dein konkreter Wunsch?

Ich würde mir wünschen, dass jeder Ort in Österreich versteht, dass er dazu beitragen muss, die Klimaziele zu erreichen. Manche Orte haben ihr Soll schon übererfüllt, andere gar nicht. Es braucht eine faire Verteilung im Land, jeder muss einen Beitrag leisten. Neben intensiver Überzeugungsarbeit in den Gemeinden versuchen wir übrigens auch, Energiegemeinschaften zu integrieren. Wenn es wo gewollt ist, wird ein Teil des Stroms, den eine Enery-Anlage produziert, an die Energiegemeinschaft verkauft. Gibt noch keine im Ort, gründen wir eine, falls sich die Bevölkerung das wünscht.

Wie sieht der Photovoltaik-Ausblick 2025 aus?

PV erlebt derzeit einen gewaltigen Boom in Österreich, wie wir wissen. Der Ausbau ist gewaltig. Wir sind am richtigen Weg, es sollte so weitergehen. Wichtig ist, dass Speicher integriert werden, sie werden immer wichtiger. Und der Abbau von administrativen Hürden und Schwierigkeiten. Aktuell liegt der Wirkungsgrad von Photovoltaik-Modulen bei rund 22 Prozent. Das hat beispielsweise in Österreich Stromentstehungskosten von rund sieben Cent zur Folge. Der Wirkungsgrad wird aber weiter steigen, wir werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit neuen Technologien in Richtung 30 Prozent kommen. Dann bewegen wir uns bei Stromentstehungskosten in die Richtung von fünf Cent. PV wird also immer noch wirtschaftlicher – auch in weniger sonnigen Regionen. Der PV-Boom ist unaufhaltsam. Die Grenze der Netzparität verschiebt sich immer weiter nach Norden, Förderungen werden immer weniger notwendig sein. Wir werden in Zukunft sehr, sehr viel Solarstrom produzieren. Das ist genau das, was wir wollen. Die Welle ist nicht mehr zu bremsen. Und Enery auch nicht.

✅ INTERVIEW: MICHI REICHELT
✅ FOTOS: ENERY