Der aktuelle Global Energy Review der IEA belegt den unaufhaltsamen Vormarsch von erneuerbarer Energie, insbesondere von Photovoltaik: So wurden 2024 bereits drei Viertel des globalen Energie-Wachstums von Erneuerbaren gedeckt, der Großteil in PV-Anlagen produziert.
Die Menschheit verbraucht mehr Energie denn je. Während diese Nachricht wohl kaum jemanden überraschen wird, präsentierte die Internationale Energieagentur (IEA) jüngst im Global Energy Review doch eine neue Entwicklung. Demnach stieg der weltweite Strombedarf 2024 um fast 1.100 Terawattstunden (TWh) sprunghaft an – ein Plus von 4,3 Prozent, das deutlich über jenem des globalen BIP von 3,2 % lag. Damit wuchs der Bedarf doppelt so stark wie im jährlichen Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Zurückzuführen sei dieser Anstieg auf die Elektrifizierung des Verkehrs, auf Digitalisierung sowie auf zunehmenden Kühlbedarf aufgrund extremer Temperaturen, so die IEA.
Eklatant ist dabei der Rückgang der fossilen Energieträger. So wurden im Jahr 2024 bereits 80 Prozent des Wachstums der weltweiten Stromerzeugung durch erneuerbare Energien und Kernkraft gedeckt. Zusammen trugen sie erstmals 40 Prozent zur Gesamtproduktion bei, wobei Erneuerbare allein 32 Prozent lieferten.
Erneuerbare führend
Die Zahl der Neuinstallationen von Kraftwerken mit erneuerbaren Energieträgern erreichte laut Global Energy Review das 22. Jahr in Folge Rekordwerte. Rund 700 Gigawatt an Erneuerbaren-Leistung wurden 2024 installiert, davon fast 80 Prozent Photovoltaik. Die Stromerzeugung aus PV und Windkraft stieg somit weltweit um einen Rekordwert von 670 TWh, während jene aus Erdgas um 170 TWh, aus Kohle gar nur um 90 TWh wuchs. In der Europäischen Union übertraf der Anteil von Photovoltaik und Windkraft erstmals jenen von Kohle und Gas insgesamt. In den USA stieg der Anteil von Photovoltaik und Windkraft auf 16 % und überholte damit erstmals Kohle. PV- und Windkraftanlagen leisten zudem fast 20 % der Gesamtstromerzeugung in China.
Die Stromerzeugung aus PV und Windkraft stieg global um einen Rekordwert von 670 TWh.
Über die Stromproduktion hinausgehend wuchs der Energiebedarf weltweit um 2,2 Prozent – ein Anstieg, stärker als der jährliche Stromverbrauch Japans. Dabei trugen Erneuerbare Energien zu 38 % zum Wachstum der globalen Energieversorgung bei, gefolgt von Erdgas (28 %), Kohle (15 %), Öl (11 %) und Kernenergie (8 %). Den mit Abstand größten Anteil am globalen Wachstum haben Schwellen- und Entwicklungsländer mit mehr als 80 %.
Milliarden Tonnen CO2 eingespart
Eine weitere Erkenntnis des Berichts der IEA: Das Wachstum der energiebedingten Kohlendioxidemissionen (CO2) koppelt sich weiterhin vom globalen Wirtschaftswachstum ab. Das Emissionswachstum verlangsamte sich 2024 auf 0,8 %, während die Weltwirtschaft um mehr als 3 % wuchs. Dabei war der globale Anstieg von 300 Millionen Tonnen CO2 auf die Rekordtemperaturen zurückzuführen. Wäre das Wetter im Jahr 2024 so stabil geblieben wie im Jahr 2023, dem zweitheißesten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, hätte etwa die Hälfte des Anstiegs der globalen Emissionen vermieden werden können. Dennoch verhindert der Einsatz von Photovoltaik, Windkraft, Kernenergie, Elektroautos und Wärmepumpen seit 2019 jährlich 2,6 Milliarden Tonnen CO2, was 7 % der weltweiten Emissionen entspricht.
Die Emissionen in den Industrieländern sanken laut Global Energy Review um 1,1 % auf 10,9 Milliarden Tonnen im Jahr 2024 – ein Niveau wie vor 50 Jahren, als ihr BIP mehr als dreimal so niedrig war. Der größte Teil des Emissionswachstums im Jahr 2024 entfiel auf Schwellen- und Entwicklungsländer außerhalb Chinas. In China verlangsamte sich das Emissionswachstum 2024, obwohl die Pro-Kopf-Emissionen nun 16 % höher sind als in den Industrieländern und fast doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt.
Die Emissionen der Industrieländer sanken 2024 auf ein Niveau wie vor 50 Jahren.
Hitze fördert Fossile
Der Anteil von Öl an der gesamten Energienachfrage fiel erstmals unter 30 %, 50 Jahre nach seinem Höchststand von 46 %. Die Nachfrage nach Öl stieg 2024 nur noch um 0,8 %, verglichen mit einem Anstieg von 1,9 % im Jahr 2023. Die Trends variierten jedoch je nach Sektor und Region. So ging die Ölnachfrage des globalen Straßenverkehrs leicht zurück, bedingt durch Rückgänge in China (-1,8 %) und den Industrieländern (-0,3 %). Die Ölnachfrage der Luftfahrt und der Petrochemie stieg allerdings.
Erdgas verzeichnete unter den fossilen Brennstoffen das stärkste Nachfragewachstum. Die Nachfrage stieg 2024 um 2,7 % bzw. um 115 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³), verglichen mit einem Durchschnitt von rund 75 Mrd. m³ jährlich im letzten Jahrzehnt. China verzeichnete 2024 mit über 7 % (30 Mrd. m³) das größte absolute Wachstum der Gasnachfrage, wobei auch in anderen Schwellen- und Entwicklungsländern Asiens ein starkes Wachstum zu verzeichnen war. In den USA stieg der Gasbedarf um rund 2 % (20 Mrd. m³). In der Europäischen Union nahm der Verbrauch leicht zu, vor allem für die industrielle Nutzung.
Der weltweite Kohlebedarf stieg um 1 %, so der Global Energy Review. Die Stromerzeugung war dabei der Haupttreiber des Wachstums, da extreme Temperaturen aufgrund des Klimawandels den Stromverbrauch für Kühlung in die Höhe trieben. Intensive Hitzewellen trieben den Kohleverbrauch sowohl in China als auch in Indien in die Höhe, die zusammen den größten Teil des weltweiten Nachfrageanstiegs von rund 65 Millionen Tonnen Kohleäquivalent (Mt SKE) ausmachten. China bleibt damit der weltweit größte Kohleverbraucher mit einem Rekordanteil von 58 % am weltweiten Kohleverbrauch.