Experten-Talk: Wir brauchen die Integration von Batteriespeichern

7. Mai 2025

Photovoltaik ist die günstigste Stromquelle – und dennoch ist beim Solarstrom-Ausbau noch gehörig Luft nach oben, wie eine Expertenrunde mit Enery-CEO Richard König im Branchengespräch Photovoltaik der „Presse“ erörtere. Gemeinsam analysierte man die Gründe und die Lösungen für Erneuerbare Energien in Österreich und darüber hinaus.

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Mit dem Branchengespräch bietet die Tageszeitung „Die Presse“ Expert:innen eine regelmäßige Plattform, um ihr Fachgebiet im Rahmen eines Round Tables ausführlich darzulegen und zu diskutieren. Zum jüngsten „Branchengespräch Photovoltaik“ lud man Herbert Paierl (Vorstandsvorsitzender Bundesverband PV Austria), Jan Kluge (Ökonom bei der Agenda Austria), sowie Richard König (Gründer und CEO von Enery), um die aktuelle Situation rund um Erneuerbare Energie zu analysieren.

Einig war man sich dabei, dass der Ausbau der Netzinfrastruktur oberste Priorität haben müsse. Ohne diese fehle eine der Voraussetzungen für eine stabile Grünstrom-Versorgung. Österreich habe gute Voraussetzungen, günstigen Strom aus Erneuerbaren Energien zu liefern, betonte Richard König. Allerdings brauche es „massiven Ausbau von Photovoltaik und Wind sowie die Integration von Batteriespeichern, um kostengünstigen Ökostrom für die voestalpine und andere große Stromverbraucher zu liefern“, so der Enery-CEO.

Ausbau der Infrastruktur

Da die Marktstrompreise steigen, die Equipmentpreise für PV-Anlagen allerdings zuletzt gesunken sind, ist und bleibt Photovoltaik die günstigste Stromquelle. Unbestritten ist, dass Sonne und Windkraft im Vergleich mit fossilen Energieträgern einen entscheidenden Vorteil hinsichtlich der Entstehungskosten aufweisen. Nun müsse man allerdings die entsprechenden Infrastrukturen schaffen, um diesen Vorteil dauerhaft und effizient nutzen zu können, so die Experten.

„Was wir dringend brauchen, sind vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen“, erläuterte Jan Kluge. Er plädierte dafür, das von der EU vorgegebene Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Österreich (endlich) umzusetzen. Herbert Paierl ergänzte, dass man mit Solarstrom in Österreich „kostendeckend bei rund 8 Cent unterwegs“ sei, wobei die Marktpreise aufgrund der teureren fossilen Energieproduktion doppelt so hoch seien. „Noch zahlt die heimische Industrie die dreifachen Strompreise im Vergleich zu den USA. Ein klarer Nachteil in der Wettbewerbsfähigkeit“, so der PV-Austria-Vorsitzende. „Dabei könnte der niedrigste Strompreis in Österreich durch mehr Erneuerbare und Direktversorgungen erzielt werden.“

Richard König, Enery
Enery-CEO Richard König

Speicher als Gebot der Stunde

Einigkeit herrschte bei den Energie-Experten auch darüber, dass es neben dem Netzausbau eine offensive Politik in Zusammenhang mit (Groß-)Speichern brauche. Lithium-Ionen-Speicher, die gleiche Technologie, die auch bei Elektroautos verwendet werde, sei dabei State of the Art, erklärte Richard König. „Hier gab es ganz massive Kostenreduktionen in den letzten Jahren.“

Enery ist auf diesem Gebiet einmal mehr Vorreiter. So installiere man im Rahmen von PV-Projekten integrierte Stromspeicher und könne sich damit nicht nur an das Nachfrageprofil der Konsumenten anpassen, sondern auch das Netz stützen, sagte König. Und er ergänzte: „Wenn der Netzbetreiber aus unterschiedlichen Gründen das Netz nicht ausbauen will, sind wir bereit, hier in die Vorleistung zu gehen und selbst Umspannwerke zu errichten und Stromleitungen zu bauen, um sie später an die Netzbetreiber zu übergeben und damit den Ausbau der Erneuerbaren zu beschleunigen.“ Erst kürzlich hat Enery in Estland eine Solarpark-Anlage mit integriertem Speicher umgesetzt, mit der das Lastprofil der Kunden abgedeckt werden kann. Für 2026 plant man den Bau eines estnischen Hybrid-Parks (Windkraft und Photovoltaik). Auch in Österreich möchte Enery Derartiges verwirklichen.

Eine weitere Forderung: Die Monopolstellung der Netzbetreiber müsse ein Ende haben, um die Genehmigungssituation zu verbessern. Antragsteller müssten die Möglichkeit für Alternativen erhalten, falls sie bis zur Deadline vom Netzbetreiber keine konkrete Antwort erhielten. Zudem sei Transparenz unerlässlich, „weil der Entwickler von erneuerbaren Anlagen wissen will, ob es einen Netzanschluss geben wird an dem Standort, an dem er entwickelt, wann der Netzanschluss kommt und was er kosten wird“, so Richard König.

Hoffnung setzen die Experten in das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG), mit dem die Energiewende vorangetrieben werden soll. Dessen Beschluss soll bis zum Sommer im Nationalrat erfolgen.

✅ TEXT: MICHI REICHELT
✅ FOTOS: ENERY