Eine neue Studie belegt: Photovoltaik-Anlagen auf Gebäuden genügen auch bei massivem Ausbau nicht, um Österreichs Klimaziele zu erreichen, ein gleichzeitiger Ausbau von Freiflächen-PV ist laut Experten unverzichtbar.
Es ist bereits ein paar Jahre her, dass Professor Hubert Fechner mit einer Studie für Aufsehen gesorgt hat. Der Obmann der Technologieplattform Photovoltaik (TPPV) hatte darin die unbedingte Notwendigkeit von Photovoltaik-Freiflächenanlagen angesprochen und festgestellt, es werde notwendig sein, Photovoltaik auf Freiflächen auszubauen, um die gesteckten heimischen Klimaziele zu erreichen. Denn laut Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) muss es in Österreich zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2030 einen Zuwachs an Photovoltaik-Energie von mindestens 11 Terawattstunden (TWh) Leistung geben, laut Integrierten Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) sogar von 21 TWh. Der PV-Ausbau auf Dachflächen werde dafür allerdings nicht ausreichen, so Fechners Studie im Jahr 2020.
Gebäude reichen „keinesfalls“
Und nun hat es Hubert Fechner wieder getan. In der von Oesterreichs Energie in Auftrag gegebenen Studie „Photovoltaik-Potentiale im Gebäudesektor in Österreich bis 2040 und Abschätzung der Photovoltaik-Potentiale auf weiteren Infrastrukturen“ kommt der Experte neuerlich zu einem klaren Ergebnis. Auf heimischen Gebäuden besteht das Potenzial, zusätzlich zu den bestehenden Anlagen noch rund 10,7 Terawattstunden (TWh) zu installieren, so Fechner. Zudem könnte auf Verkehrsflächen, Deponien und Wasserflächen noch PV im Ausmaß von weiteren 2,8 TWh errichtet werden. Insgesamt sei also ein Ausbau von integrierter PV um 13,5 Terawattstunden möglich.
„Verglichen mit den Zielwerten für 2040, nach denen Photovoltaik gemäß Österreichischen Integrierten Netzinfrastrukturplan 41 TWh/a bzw. entsprechend der Stromstrategie von Oesterreichs Energie 30 GW (d.h. etwa 30 TWh) bereitstellen muss, reichen die Potentiale an Gebäuden und anderen Infrastrukturen daher keinesfalls aus, um diese Ziele zu erreichen“, sagt Fechner. „Wir gehen davon aus, dass dafür bis 2040 für jede Anlage auf einem Dach zumindest noch einmal die gleiche Leistung auf einer Freifläche gebaut werden muss – und dieser Ausbau muss gleichzeitig erfolgen, sonst geht sich das nicht aus.“
Rascher Netzausbau
Für Freiflächen-PV sowie die Kombination von Photovoltaik und landwirtschaftlicher Nutzung (Agri-PV) gäbe es umfassend zu nutzendes Potenzial, um die für die nationalen Klimaziele notwendige PV-Leistung zu erreichen, heißt es weiter in der Studie. Es werde „in allen Flächenkategorien eine Vervielfachung der installierten Leistung benötigen und die Rahmenbedingungen sollten so gesetzt werden, dass in allen Segmenten ein beständiger und planbarer Hochlauf erfolgen kann“.
Auch das Fazit von Oesterreichs Energie fällt dementsprechend aus. Es sei klar, dass „die aktuellen Potenziale im Gebäudebereich nicht genügen, um die Ausbauziele zu erreichen“. Außerdem, so Generalsekretärin Barbara Schmidt, „müssen wir künftig deutlich mehr Augenmerk auf den Einsatz von Speichern und einen raschen Ausbau der Netze legen“. Hubert Fechners aktuelle Studie bestätigt einmal mehr das, was Expert:innen bereits seit Längerem einfordern. So erklärte die Österreichische Energieagentur bereits im Frühjahr 2023, an Freiflächen-PV „führt kein Weg vorbei.“ Und auch am Austrian Institute of Technology (AIT) zeigt man sich davon überzeugt, dass „es ohne Kraftwerke im Freiland nicht gehen wird“.
Studien belegen: Freiflächen-PV schafft Biodiversität.
Maßnahmen in Bundesländern entscheidend
Darüber hinaus belegt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts die tägliche Versiegelung von heimischen Acker- und Wiesenflächen im Ausmaß von 110.000 Quadratmeter. Boden, der für Pflanzen- und Tierwelt nicht mehr nutzbar ist. Versiegelung, die die Auswirkungen der Klimakrise weiter verstärkt. Freiflächen-PV hingehen versiegelt Böden nicht, es entsteht im Gegenteil ein neuer Lebensraum für Fauna und Flora, da die Anlage beispielsweise bodenbrütenden Vogelarten Schutz bietet; sogar Studien belegen, dass PV-Freiflächen sich positiv auf Biodiversität auswirken. Zudem ist auf den Photovoltaik-Freiflächen Beweidung mit Schafen möglich. Schließlich bietet sich auf fruchtbaren Flächen auch die Möglichkeit gleichzeitige Nutzung für Landwirtschaft und Stromgewinnung, kurz: Agri-PV. Diese, so bestätigt auch die Studie von Hubert Fechner, bringe viele positive Synergien und „kann bei Erhalt der grundsätzlich hohen Akzeptanz der PV-Technologie die heimische Wertschöpfung deutlich steigern.“
Fechner stellt jedoch eines klar: „Die erfolgreiche Umsetzung der Ziele im Photovoltaikbereich ist vielfach von den Vorgaben und Maßnahmen in den Bundesländern abhängig, die für die wesentlichen Genehmigungen in Bereichen wie des Elektrizitätswesens, der Bau- und der Raumordnung oder des Naturschutzes entscheidend sind.“ Man müsse in Hinblick auf die Zielsetzungen für 2040 die Rahmenbedingungen so setzen, „dass in allen Segmenten ein beständiger und planbarer Hochlauf erfolgen kann“, so der Experte abschließend.