EAG-Monitoringbericht: 94% Grünstrom – was jetzt zählt

6. November 2025

Österreich nähert sich dem 100-Prozent-Ziel: 2024 deckten erneuerbare Quellen rechnerisch 94 Prozent des Stromverbrauchs. Der Monitoringbericht der E-Control zum Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz zeigt detailliert, wo der Ausbau wirkt – und wo es hakt.

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2024 hat Österreich so viel erneuerbaren Strom erzeugt wie nie. Die Bruttostromerzeugung stieg auf 81.904 Gigawattstunden (GWh); inklusive Pumpspeicherung konnten Erneuerbare 94 Prozent des Bruttostromverbrauchs decken. Wesentlicher Treiber war die Photovoltaik (PV), die allein um rund 2.130 MW zulegte. Windkraft kam auf plus 196 Megawatt (MW), die Laufwasserkraft auf plus 120 MW. Insgesamt wurden 2.578 MW neue erneuerbare Leistung installiert.

Monitoringbericht: EAG wirkt

Die E-Control attestiert in ihrem Monitoringbericht dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) deutliche Wirkung. Die erneuerbare Stromproduktion stieg um rund 2.000 GWh gegenüber dem Vorjahr. „In Summe kann man sagen, dass das EAG wirkt“, erklärte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch im Rahmen der Präsentation des Berichts. Dieser macht klar, dass man Ausbaupolitik, Netze und Markt zusammen denken muss. „Wettbewerb und Versorgungssicherheit bleiben unerlässlich, genauso wie die Umsetzung der Energiesystemwende“, so Urbantschitsch und sein Vorstandskollege Alfons Haber. Der Anspruch ist unmissverständlich: Parallel zum Zubau sollen Netze „stark, flexibel und intelligent“ werden – und Sektorkopplung die Synergien heben.

Im europäischen Vergleich lag Österreich schon 2023 weit vorn. Laut Statistik Austria betrug der nach EU-Methodik anrechenbare Anteil erneuerbarer Elektrizität 87,8 Prozent – wobei sich die EU-Quote methodisch von der E-Control-Bilanzierung unterscheidet, etwa beim Umgang mit Pumpspeichern und Biomasse. Tatsache aber ist: 2024 fiel das Wasserjahr sehr günstig, PV und Wind legten kräftig zu. Das Ergebnis: Ein Grünstromanteil von 94 Prozent.

Für Haushalte und Unternehmen ist das mehr als Statistik. Mehr erneuerbare Energie bedeutet stabilere Preise, bessere Planungssicherheit und ein robusterer Wettbewerb am Endkundenmarkt.

Dr. Wolfgang Urbantschitsch, LL.M., Vorstand E-Control, und Prof. DI Dr. Alfons Haber, MBA, Vorstand E-Control
Wolfgang Urbantschitsch und Alfons Haber, Vorstände E-Control (v.l.)

Förderungen & Herausforderungen

Mit dem EAG hat sich die Förderlandschaft verändert. Im Rahmen des Gesetzes wurden 3.092 GWh durch Marktprämien gefördert, wofür 114 Millionen Euro ausbezahlt wurden. Damit nähert sich Österreich dem Ziel, bis 2030 den gesamten Stromverbrauch bilanziell aus erneuerbaren Quellen zu decken, weiter an – auch wenn laut Bericht noch eine Lücke von rund 3,4 TWh zum 100-Prozent-Ziel besteht. Bei erneuerbarem Gas blieb die Einspeisung 2024 mit 0,12 Terawattstunden (TWh) weit vom 5-TWh-Ziel für 2030 entfernt – ein deutlicher Hinweis auf Handlungsbedarf bei Projekten, Netzanbindungen und Rahmenbedingungen.

Auch beim Netz zeigt sich: Der Zubau von Erzeugung muss noch stärker durch Engpassmanagement, Speicherkapazitäten und schnellere Genehmigungen flankiert werden. Der Monitoringbericht betont deshalb die „parallele Implementierung verschiedener Maßnahmen“ – vom Netzausbau über Flexibilitätsoptionen bis hin zur Sektorkopplung.

Was jetzt zählt – und welcher Beitrag gefragt ist

Der Weg zum 100-Prozent-Ziel bis 2030 bleibt anspruchsvoll: Zusätzlich 27 TWh erneuerbarer Strom, dazu 5 TWh erneuerbares Gas, sind nur erreichbar, wenn Projekte schneller durch die Pipeline kommen und Netze mithalten. Für Projektentwickler bedeutet das: Flächeneffizienz, Biodiversität, Speicher- und Netzfreundlichkeit werden zu harten Kriterien. Für die Industrie: PPA-Modelle, die Versorgungssicherheit und Preissignale verbinden. Für Regionen: Energiegemeinschaften als soziales Rückgrat der Akzeptanz.

Auch Unternehmen wie Enery spielen hier eine Rolle – nicht als Selbstzweck, sondern als Beschleuniger funktionierender Projekte, wie das Beispiel des Solarparks in Dobl-Zwaring zeigt. Wo man großflächige PV-Anlagen klug in bestehende Infrastruktur integriert, wo Speicher Lastspitzen glätten und wo langlaufende Grünstromverträge die Produktion planbar machen, dort entsteht der Mehrwert, den der Bericht indirekt einfordert: Ausbau plus Systemdienstleistung. Das passt zur aktuellen Lage, in der Österreich 2024 erstmals seit Langem einen so hohen Grünstromanteil erreicht hat und Europa insgesamt die Erneuerbaren kräftig ausbaut.

„Alle Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Umbau des Energiesystems ermöglichen, bleibt daher im Fokus“, so Wolfgang Urbantschitsch und Alfons Haber.

✅ TEXT: MICHI REICHELT
✅ FOTOS: ENERY, Anna Rauchenberger / E-Control