Studie belegt: Ohne Batteriespeicher keine Energiewende

4. August 2025

Um die Energiewende zu schaffen, führt kein Weg an Photovoltaik vorbei – und am massiven Ausbau von Batteriespeicherlösungen. Dies belegt eine neue Studie zum Flexibilitäts- und Speicherbedarf im österreichischen Energiesystem nun erstmals mit konkreten Zahlen.

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„Ohne Batteriespeicher keine Energiewende“. Unter diesem Titel lud der Bundesverband Photovoltaic Austria (PV Austria) zur Präsentation einer Speicherstudie, die er im Rahmen eines kollaborativen Projekts gemeinsam mit Austrian Power Grid (APG), der Technischen Universität (TU) Graz und d-fine durchgeführt hatte. Dass Photovoltaik unerlässlich ist, um die ökonomischen und ökologischen Ziele zu erreichen, ist mittlerweile nicht nur bei Expert:innen unumstritten. Dass die Energiewende allerdings ohne massiven Ausbau von Batteriespeichern (Battery Energy Storage Systems/BESS) nicht geschafft werden kann, das zeigt die Studie nun anhand von Zahlen und Daten. Der methodische Rahmen wurde dabei durch ein Energiesystemmodell mit besonderem Schwerpunkt auf Flexibilitäten und Speichermöglichkeiten geschaffen, dessen Fokus auf Österreich liegt.

Auf Rekordkurs

Sonja Wogrin, die Leiterin des Instituts für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation der TU Graz, präsentierte somit erstmals konkrete Zahlen zum österreichischen Flexibilitäts- und Speicherbedarf und betonte im Rahmen der Präsentation die Bedeutung der Resultate für Österreich. Sie zeigen, wie man die Energiewende auf den Weg bringen könne.

So wird der heimische Strombedarf bis zum Jahr 2040 auf 125 Terawatt (TW) ansteigen, was eine Verdopplung zum aktuellen Bedarf bedeutet. Dabei bestehe die Herausforderung vor allem darin, ein sicheres Betreiben aufgrund des erhöhten Flexibilitätsbedarf zu sichern – insbesondere des täglichen Verlagerungsbedarfs, sprich: jener Menge an Energie, die man täglich verlagern muss, weil sich Stromerzeugung und -verbrauch nicht decken. Dieser erhöhe sich in den nächsten 15 Jahren auf 41 Terawattstunden (TWh), das Sechsfache des heutigen Niveaus, so Wogrin. Ein massiver Ausbau sowohl der Netzinfrastruktur als auch der Speicherleistung sei daher unerlässlich.

Achtfacher Speicherbedarf

Die zentrale Erkenntnis der Studie: Um beim Fortschreiten der Elektrifizierung eine kosteneffiziente Energieversorgung sicherzustellen, müssen Energiemengen von Zeiten des Überschusses in Zeiten mit hohem Bedarf verlagert werden – mittels Batteriespeicherlösungen. In Österreich sind aktuell rund 1,1 Gigawatt (GW) BESS-Leistung installiert. Bis 2030 müsse man diese verfünffachen, bis 2040 verachtfachen. Umgerechnet bedeutet dies einen jährlichen Zuwachs von 650 Megawatt. Ein Drittel der Leistung, also rund 2,7 GW, werde 2040 dabei von Großspeichern mit mehr als 50 KWh kommen müssen. Der Bundesländervergleich zeigt im Übrigen den größten BESS-Bedarf in Niederösterreich, Oberösterreich, sowie der Steiermark.

Batteriespeicher haben jedoch nicht nur großes Potenzial; ihre Errichtung und das Einholen von Genehmigungen sind einfacher als beispielsweise bei Wasserspeicherkraftwerken – für die es auch Umweltverträglichkeitsprüfungen geben muss, so Sonja Wogrin. Zusammenfassend zeige sich, dass „mit dem Ausbau der Speichersysteme die Energiewende zu schaffen ist. Die Studie zeigt konkrete Wege dafür auf.“

Politik muss Rahmenbedingungen schaffen

Einig sind sich die Expert:innen, dass in Österreich derzeit die Rahmenbedingungen fehlen, die den Ausbau der Batteriespeicher – auch für Investoren – attraktiv machen. Hoffnung legt man hier auf das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG). Mit diesem ist geplant, dass keine Netzkosten anfallen, wenn Speicher netzdienlich sind, also das Stromnetz entlasten. In Deutschland werde beispielsweise, anders als in Österreich, bereits massiv in BESS investiert, weil die Rahmenbedingungen passen. Sonja Wogrin: „Unsere Studie liefert einen klaren Fahrplan für den notwendigen Speicherbedarf in jedem Bundesland und zeigt konkrete Wege auf, wie die Energiewende 2030 und 2040 erreicht werden kann. Jetzt ist es an der Bundesregierung und den Bundesländern, zu handeln und die Weichen richtig zu stellen.“

✅ TEXT: MICHI REICHELT
✅ FOTO: ENERY/MARIJA VIE