Neue Studie belegt: Erneuerbare drücken die Strompreise

23. Oktober 2025

Eine aktuelle Studie zeigt anhand konkreter Modelle: Mit mehr Wind, PV und Kleinwasserkraft wird Strom bis 2030 definitiv günstiger – um rund 20 Prozent.

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Die Rechnung ist ganz einfach: Je mehr Wind, Sonne und Kleinwasserkraft am Netz sind, desto niedriger fällt die Stromrechnung aus. Eine aktuelle Analyse des Beratungsunternehmens enervis im Auftrag von IG Wind, PV Austria und dem Verband Kleinwasserkraft beziffert den Effekt nun präzise. Ohne den Ausbau der Erneuerbaren lägen Österreichs Strompreise 2030 im Großhandel rund 20 Prozent höher.

Starker Partner

Die Studie verglich den Markt rückblickend mit und ohne Stromproduktion aus Photovoltaik, Wind und Kleinwasserkraft für die Jahre 2021 bis 2024 und rechnete die Effekte in die nahe Zukunft fort. Das Ergebnis: In der Vergangenheit hätten Strompreise ohne diese erneuerbaren Energien im Schnitt um sechs Prozent höher gelegen. Bis 2030 würde der Unterschied auf rund 20 Prozent anwachsen. Ohne PV, Wind und Kleinwasserkraft lägen die Großhandelspreise um etwa 18 €/MWh höher als im Referenzszenario. Für einen durchschnittlichen Haushalt addiert sich das zu rund 73 Euro Mehrkosten pro Jahr. „Gerade zu Zeiten hoher Gaspreise ist der preissenkende Effekt der Erneuerbaren besonders deutlich“, sagt Studienautor Thomas Rosenzopf.

 Thomas Rosenzopf
Studienautor Thomas Rosenzopf

Erzeuger mit sehr niedrigen variablen Kosten – also Wind, Sonne und Kleinwasserkraft – bestimmen durch ihr Angebot den Börsenpreis. Sie schieben die Angebotskurve im Strommarkt in Richtung günstigere Preise; teurere, gasbasierte Erzeugung wird seltener benötigt oder ganz verdrängt. Dieser Merit-Order-Effekt drückt den Preis zu jeder Zeit, wie die stündlichen Modellläufe zeigen. „Erneuerbare prägen damit den Marktpreis“, heißt es in der Analyse. Und genau das ist es, was die Rechnung am Ende für alle günstiger macht.

Erneuerbare prägen Marktpreis

Entscheidend: Der preissenkende Effekt zeigt sich in allen Stunden und Monaten. Der Ausbau hat allerdings noch eine zweite, oft unterschätzte Auswirkung. Er verringert die Importabhängigkeit von Gas und Strom. Ohne zusätzlichen Erneuerbaren-Ausbau müsste Österreich 2030 laut Studie rund 1,8 Milliarden Kubikmeter mehr Gas importieren, das entspricht nahezu dem heutigen Verbrauch aller österreichischen Haushalte. „Heimische Erzeugung ist ein Standort-Asset, das war früher so und gilt noch mehr in Zukunft“, betont Geschäftsführer Paul Ablinger vom Verband Kleinwasserkraft.

Paul Ablinger, Kleinwasserkraft-Geschäftsführer

Im Jahr 2022 beziffern die Autor:innen den preisdämpfenden Effekt am Großhandelsmarkt mit rund 1,4 Milliarden Euro. Für 2030 ergibt sich – konservativ gerechnet – ein jährlicher volkswirtschaftlicher Nutzen von bis zu 1,6 Milliarden Euro allein durch niedrigere Marktpreise. Inklusive Effekten auf Exporterlöse summiert sich das volkswirtschaftliche Plus auf etwa 3,1 Milliarden Euro. „Die wirksamste Methode gegen hohe Stromkosten ist der konsequente Ausbau der Erneuerbaren“, sagt Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV Austria.

Vera Immitzer, Geschäftsführerin PV Austria

IG Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer ergänzt, dass „günstigere Haushaltsstrompreise und immenser volkswirtschaftlicher Nutzen“ gefährdet seien, wenn „dem Erneuerbaren-Ausbau mehr und mehr Hürden in den Weg gelegt werden“.

Florain Maringer, Geschäftsführer IG Windkraft

Unabhängigkeit in jeglicher Hinsicht

Für Privathaushalte bedeuten niedrigere Großhandelspreise nicht automatisch, aber in der Tendenz niedrigere Endkundenpreise – je nach Vertragsmodell, Laufzeit und Netzentgelten. Die Studie kalkuliert rückblickend mit rund 34 Euro Entlastung pro Jahr und projiziert bis 2030 Einsparungen von etwa 73 Euro gegenüber einem Szenario ohne Erneuerbare. Für ein mittelgroßes Industrieunternehmen mit 10 GWh Jahresverbrauch hätten die Mehrkosten ohne Erneuerbare zuletzt bei rund 182.000 Euro pro Jahr gelegen. Das illustriert, warum PPAs – langfristige Stromlieferverträge direkt mit Grünstromerzeugern – mittlerweile eine Schlüsselrolle spielen. Sie koppeln Betriebe vom volatilen Gaspreis ab und schaffen Planbarkeit.

Enery setzt genau an diesen Stellschrauben an. Mit dem Ausbau großer, biodiverser Photovoltaik-Freiflächenanlagen in der Region, mit neuen Windprojekten und mit maßgeschneiderten PPAs für Unternehmen in Mittel- und Osteuropa. Mit langfristigen Stromverträgen bietet Enery Unternehmen ökonomische und ökologische Sicherheit.

Wer Ausbau bremst, bremst Entlastung

Die Studie zeigt zudem, dass der preissenkende Effekt kein Sommer-PV-Phänomen, sondern sich „zu allen Stunden und Monaten signifikant“ zeigt, weil Sonne und Wind sich saisonal ergänzen und Kleinwasserkraft die Grundlast stützt. Wer den Ausbau bremst, bremst die Entlastung – für Haushalte, für Betriebe, für die Volkswirtschaft. Jedes zusätzliche Erneuerbaren-Projekt stärkt zudem die Versorgungssicherheit, weil es die Abhängigkeit von importiertem Gas reduziert.

Das Fazit der Studien-Auftraggebenden ist jedenfalls klar. „Ohne PV, Wind und Kleinwasserkraft wären die Strompreise in den letzten vier Jahren höher ausgefallen“, so IG Windkraft, PV Austria und Verband Kleinwasserkraft in einer gemeinsamen Aussendung. „Mehr Erneuerbare senken das generelle Strompreisniveau.“ Österreich hat die Chance, mit einem verlässlichen Ausbau von PV, Wind und Kleinwasserkraft seine Stromrechnung zu drücken und zugleich seine Resilienz zu erhöhen. Die gute Nachricht: Der Hebel liegt bereit. Man muss ihn nur umlegen.

✅ TEXT: MICHI REICHELT
✅ FOTOS: Enery, enervis, Thomas Unterberger, Kleinwasserkraft Österreich, Astrid Knie