Europa feiert Photovoltaikrekorde!

Mitten in der Gaskrise ist diesen Sommer in Europa so viel Sonnenstrom produziert worden wie noch nie. Diese Solarrekorde bringen die Energiewende endlich weiter voran und verringern gleichzeitig die Abhängigkeit von Gasimporten.
Photovoltaikrekorde Europa

Weltweit befinden sich die Energiemärkte im Umbruch. Die Transformation der globalen Energieversorgung zeichnet sich dabei vor allem mit dem Ausbau erneuerbarer Energien aus. Gut so! Denn um die Energiewende international zu stemmen, muss auch die Energiewirtschaft nachhaltig agieren. Und genau das tut sie. Zumindest ist laut einer Studie des gemeinnützigen Umwelt-Thinktanks Ember Climate  dieses Jahr in der EU so viel Solarstrom produziert worden wie noch nie. Gleich 18 EU-Staaten konnten neue Rekordwerte bei der Solarstromerzeugung verzeichnen. Möglich macht das ein forcierter Erneuerbaren-Ausbau.

Mehr Grünstrom = geringe Kosten

So etwa erzeugten europäische Photovoltaikanlagen laut Analyse zwischen Mai und August dieses Jahres 99,4 Terawattstunden. Im Vorjahr erreichten diese noch 77,7 Terawattstunden – also rund 22 Terawattstunden weniger. Gut zu wissen: 2021 wurden im Vergleich zum Vorjahr nur acht Terawattstunden mehr Solarstrom erzeugt, im Jahr davor etwa zehn Terawattstunden, und davor waren es sogar nur zwei Terawattstunden.

Diese Photovoltaikrekorde sorgen aber nicht nur dafür, dass unsere Umwelt geschont wird. Angesichts der Gaspreise, die sich weiter auf historischer Höhe bewegen, werden die Staaten zudem finanziell entlastet. Genauer gesagt, konnten aufgrund der höheren Grünstromausbeute 29 Milliarden Euro gespart werden, die ansonsten für Gaseinkäufe benötigt werden würden. Allein um den Zuwachs des letzten Jahres durch Gas auszugleichen, hätte es laut Analyst:innen von Ember Climate bis zu vier Milliarden Kubikmeter Gas gebraucht, und das hätte sechs Milliarden Euro gekostet!

„Die Investitionen in Photovoltaikkapazitäten haben sich gelohnt. Jede Terawattstunde Solarstrom hat dazu beigetragen, unseren Gasverbrauch zu senken und den europäischen Bürger:innn Milliarden zu sparen“, sagt Paweł Czyżak, Senior Energie- & Klimadatenanalyst bei Ember Climate.

Photovoltaikrekorde Europa
Insgesamt 18 Staaten in Europa feiern Photovoltaikrekorde.

Perfekte „Sommersaison“

Ember Climate zeigt in der Auswertung des europäischen Strommarktes, dass zwischen Mai und August insgesamt zwölf Prozent des in der EU produzierten Stroms von der Sonne kam. Im Vorjahr waren es nur neun Prozent. Damit zog Photovoltaik beim Anteil am Strommix gleich mit der Windenergie. Noch dazu lag sie sogar etwas vor der Wasserkraft, die insgesamt elf Prozent ausmachte.

Die Solarbranche entwickelte sich jedenfalls am besten in Polen. Dort wuchs der Anteil am Strommix seit 2018 um das 26-fache. Auch in Finnland und Ungarn stieg der Anteil um das Fünffache, in Litauen und den Niederlanden um das Vierfache. Aus dem Bericht geht hervor, dass insgesamt zehn der 27 Mitgliedstaaten einen Solarstromanteil von über zehn Prozent verzeichneten. Allen voran die Niederlande mit einem Anteil von 23 Prozent, gefolgt von Deutschland, wo 19 Prozent des Stroms durch Photovoltaikanlagen erzeugt werden.

Rascher Erneuerbaren-Ausbau

Grund für die PV-Rekorde ist laut Expert:innen übrigens der kontinuierliche Anstieg der installierten Solarkapazität: von 104 Gigawatt (GW) im Jahr 2018 auf 162 GW im Jahr 2021 – wobei allein im Jahr 2021 23 GW hinzukamen.

„Es ist klar, dass wir so viel Solarenergie brauchen, wie wir bekommen können“, betont Czyżak. Und weiter: „Das EU-Parlament hat die perfekte Gelegenheit, sie uns zu geben, indem es das 45-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien annimmt und Europa auf den Weg bringt, bis 2030 eine Photovoltaikkapazität von 600 Gigawatt oder mehr zu erreichen.“

Entwickelt sich der europäische Solarmarkt jedenfalls genau so wie im letzten Jahr, dann dürfen wir uns in Zukunft auf ganz viel Sonnenstrom freuen.

✅ TEXT: Sandra Rainer
✅ FOTOS: UNSPLASH/Karl Magnuson; UNSPLASH/Bill Mead
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