Solar-Carports – die Solartankstelle der Zukunft?

Mit der voranschreitenden Klimakrise und dem Ruf nach einem fokussierten Erneuerbaren-Ausbau reifte die Idee von Solar-Carports an offenen Parkplätzen heran. In Kombination mit Stromspeichern könnten diese nachhaltigen Energiequellen effektiv zur Energie- und Verkehrswende und einer beitragen.
Solar-Carports

Der Verkehr von morgen wird emissionsfrei und ressourcenschonend sein. Um die gesetzten Klimaziele erreichen zu können, müssen smarte und vor allem nachhaltige Mobilitätskonzepte erarbeitet werden. Umweltfreundliche Technologien und Antriebe sind hierbei genauso gefragt wie digitale Services. Was aber auch klar ist: Verkehr braucht Fläche. „Allein seit dem Jahr 2015 sind in Österreich rund 2.130 Hektar durch Straßen und Parkplätze zusätzlich versiegelt worden, das entspricht der Fläche von 3.545 Fußballfeldern“, verdeutlicht der Experte Michael Schwendinger vom VCÖ, einer auf Mobilität und Transport spezialisierten gemeinwohlorientierten Organisation.

Warum aber nicht genau diese versiegelten Flächen, die doch eigentlich dem Boden und weitergehend der Umwelt schaden, nicht zur nachhaltigen Stromversorgung nutzen? Und Parkplätze mit effektiven Photovoltaikmodulen überdachen?

Grünstrom tanken

Fest steht: 96 Prozent der versiegelten Flächen hierzulande sind Straßen und Parkplätze. Durch diese Versiegelung gehen praktisch alle biologischen Funktionen des Bodens verloren. Diese schlechte Umweltbilanz von Parkplätzen kann laut Expert:innen allerdings verbessert werden. Die Lösung: genau diese Flächen mit Solarpaneelen überdachen und sie so zur nachhaltigen Energiequelle umfunktionieren. Weitergesponnen könnten diese Solar-Carports ein weiterer wichtiger Schritt für die E-Mobilität und den Bedarf an Ladestationen sein. Langfristig können neben den Überdachungen etwa integrierte E-Zapfsäulen entstehen, die Elektrofahrzeuge direkt vor Ort mit Solarstrom versorgen.

Schatten spenden

Neben den positiven Auswirkungen auf die Umwelt haben solare Carports aber noch weitere Vorteile: Sie schützen Fahrzeuge im Sommer vor Hitze und Unwettern, im Winter vor Schnee und Regen. Der Aufenthalt etwa für Supermarkt- oder auch Hotel-Besucher:innen wird dahingehend also noch komfortabler und die Kund:innenzufriedenheit kann gesteigert werden.

Auch für Unternehmen sind Solar-Carports eine Überlegung wert, wie Karl Wetzlmayer von Kwantum Eco-Solutions gegenüber dem STANDARD erwähnt: „Viele Mitarbeiter hätten gerne überdachte Parkplätze. Für Unternehmen kommen deshalb zwei Dinge zusammen: Sie erzeugen Energie und tun gleichzeitig etwas für ihre Mitarbeiter.“

Herausforderungen stehen im Weg

Mit Photovoltaik überdachte Parkplätze sind dank vieler Vorteile heute also keine Seltenheit mehr. So wurden zum Beispiel mehr als 46.000 Solarmodule über 7.000 der insgesamt 11.200 Parkplätze des Disneyland Paris installiert, die zehn Gigawattstunden Strom pro Jahr liefern sollen. Wie Disneyland Paris mitteilte, ist die innovative Solaranlage Teil der Umweltstrategie des Unternehmens. Diese Strategie ziele auf eine Senkung der Treibhausgasemissionen und Dekarbonisierung der Energieversorgung ab. Nach Fertigstellung soll die Anlage rund 17 Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs des Freizeitparks decken.

In Österreich hingegen sind nur wenige Parkflächen mit Photovoltaik überdacht. Das hat laut Expert:innen verschiedene Gründe. So seien Dachanlagen einfacher zu planen und zu installieren. Zudem sind auch die Kosten eine Herausforderung. Solar-Carports im großen Stil kosten oft doppelt so viel wie Solaranlagen auf Dächern. Stahlkonstruktionen und Fundamente treiben die Preise in die Höhe. Und: „Wenn man einen Parkplatz will, der so einfach wie heute zu befahren ist, braucht man eine Spannweite von 18 Metern. Das ist statisch oft herausfordernd“, betont Wetzlmayer gegenüber dem STANDARD.

Wir halten fest: Parkplätze bieten auch hier in Österreich viel Potenzial für eine Photovoltaiküberdachung. Wie viele versiegelte Flächen sich aber tatsächlich in Grünstromerzeuger verwandeln, wird wohl erst die Zukunft zeigen.

✅ TEXT: Sandra Rainer
✅ FOTOS: UNSPLASH/Asia Chang
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