Echt saubere Sache: Diese Drohne reinigt Solarmodule

Verschmutzte Solarzellen produzieren bis zu 25 Prozent weniger Sonnenstrom als saubere. Reinigungsarbeiten auf den empfindlichen Modulen erweisen sich allerdings als schwierig. Ein Job für den Quadrokopter.
Drohne Solaranlage

Um möglichst hohe Erträge zu erzielen, sollten Photovoltaikmodule sollten stets direkt zur Sonne ausgerichtet sein. Dabei sind sie 24 Stunden am Tag der Witterung ausgesetzt. Dass sich auf den Modulen mit der Zeit allerhand Schmutz ansammelt, liegt dabei freilich auf der Hand. Neben Vogelkot setzen sich etwa auch Pollen- und Blütenstaub auf der Moduloberfläche ab und bremsen weitergehend die Energieproduktion ein. Nicht immer genügt ein kräftiger Regenschauer, um die Grünstromerzeuger wieder gründlich zu reinigen. Die Verschmutzungen verdecken einen Teil der Solarzelle und sind dafür verantwortlich, dass an diesen Stellen kein oder nur wenig Sonnenlicht aufgenommen und in Strom umgewandelt werden kann – ähnlich einer Verschattung. Die Folge: Der Ertrag der Anlage verringert sich.

Eine in Israel entwickelte Drohne soll dieses Problem nun aus der Welt schaffen. Dafür warfen der Drohnenhersteller Airobotics und das Solardienstleistungsunternehmen Solar Drone ihr gesamtes Know-how in einen Topf. Heraus kam eine Drohne, die dank fortschrittlichen Technologien – wie Bilderzeugung, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen – Solaranlagen völlig autonom reinigt. Der sogenannte Quadrokopter kann aber nicht nur putzen, sondern wird auch zur Überwachung und Inspektion der Anlagen eingesetzt. Darüber hinaus wechselt das Fluggerät selbstständig seine Batterie und befüllt regelmäßig die eigenen Wassertanks.

Effizientes „Drone in a Box“-System

Die hochmoderne Drohne parkt dabei in einer wetterfesten Garage in der Nähe der Solaranlagen. Dort befindet sich neben der Dockingstation zum Aufladen auch das automatische Wechselsystem für Akku und Reinigungsmittelbehälter. Anlagenbesitzer*innen müssen also nur dafür sorgen, dass stets genügend Putzmittel vorhanden ist. Alles Weitere erledigt die Drohne von selbst.

Dank LiDAR-Sensoren, die Abstände teilweise millimetergenau ausmessen, und dem On-Board-Kamerasystem manövriert sich der kleine Helfer selbstständig zu den Solarmodulen. Dort wird jede Modulplatte mit einer Reinigungsflüssigkeit besprüht, sodass die Anlage von Dreck und Staub befreit wird – und das, ohne die Module zu beschädigen. Schließlich verläuft die Reinigung völlig kontaktlos. Übrigens: Für die Reinigung mit der innovativen Drohne kommt nur enthärtetes Wasser zum Einsatz. Warum? Wasser, das keine Mineralien enthält, löst Verschmutzungen besonders leicht und verhindert das Entstehen von Rückständen auf den Modulen. Nach Abschluss der Aufgabe kehrt die Drohne jedenfalls selbstständig zur Dockingstation zurück.

Jederzeit einsatzbereit

Der Quadrokopter passt sich laut Hersteller allen topografischen Bedingungen an und befreit Anlagen von jeglicher Art von Schmutz. Die Technologie basiert dabei auf der kontinuierlichen Erfassung von Echtzeitdaten und modellbasierten Analysen, sodass Anlagenbesitzer*innen ihre Anlage jederzeit im Blick haben. Darüber hinaus ist die Reinigungsdrohne mit Nachtsicht ausgestattet, was das Arbeiten auch in den Nachtstunden ermöglicht. Der offiziellen Produktbeschreibung von Solar Drone zufolge deckt die Drohne eine Fläche von 80 km² ab.

Wartung der Anlage

Wie bereits erwähnt, soll die zukunftsweisende Drohne auch zur Überwachung und Inspektion von Solarparks zum Einsatz kommen. Und damit sollen Anlagenbesitzer*innen ziemlich viel Geld sparen. Schließlich ist die Wartung einer Photovoltaikanlage durch professionelle Fachbetriebe nicht gerade billig. „Die heutigen Lösungen sind unhandlich, unwirtschaftlich und für moderne Solarparks nicht geeignet“, weiß Shmuel Yanai, Gründer von Solar Drone. „Wir glauben, dass der Markteintritt der Drohnentechnologie von Airobotics eine Wende mit erheblichem wirtschaftlichem Potenzial darstellt.“

Der neu entwickelte Quadrokopter soll in Zukunft dementsprechend auch für die Sicherheit im Solarpark verantwortlich sein. Echtzeit-Warnungen und Benachrichtigungen, etwa über Änderungen im Umkreis der Anlage, sollen dabei die Effizienz der Anlage erhöhen und gleichzeitig Betriebskosten senken.

Wann die Drohnen serienreif sein werden, ist derzeit noch unklar. Zuerst sollen sie laut Hersteller jedenfalls Anlagen in Europa, im Mittleren Osten und Indien von Schmutz befreien – und deren Stromausbeute weitergehend erhöhen.

✅ TEXT: Sandra Rainer
✅ FOTOS/VIDEO: UNSPLASH/Motoki Tonn; YOUTUBE/Solar Drone Ltd
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