Verlassene Kohleminen liefern sauberen Grünstrom

Im US-Bundesstaat Virginia sollen Solarparks schon bald kräftig Sonnenstrom produzieren – und zwar auf sechs ausgedienten Kohleminen. Neben der Erzeugung von klimafreundlichem Strom sollen zusätzlich neue Arbeitsplätze für ehemaligen Kohlearbeiter*innen geschaffen werden.
Kohleminen Solarparks

Gewaltige Schaufelradbagger gruben hier tausende Tonnen Kohle aus der Erde. Die Rede ist vom uralten Appalachengebirge im Osten der USA. Dieses Gebiet besticht nicht nur mit dichten Wäldern, hohen Bergen und einsamen Landschaften – dieses Gebiet war lange Zeit eben auch ein riesiger Rohstofflieferant für den weltweiten Energiehunger. Schließlich lagern unter den Berggipfeln große Mengen an Steinkohle. Dass diese Art der Energieerzeugung der Umwelt nachhaltig schadet, liegt bei der Tatsache, dass bei der Herstellung von Kohleenergie Schwefeloxid, Stickoxid und Staub freigesetzt werden, freilich auf der Hand.

Viele Kohleminen sind heute allerdings ausgeschöpft und stehen zum Verkauf frei. Zur Erinnerung: Fossile Brennstoffe sind Energieträger, die über Jahrmillionen durch tote Biomasse entstanden sind. Sie brauchen einfach zu lange, um sich zu regenerieren, sind also im Gegensatz zu Sonnenenergie endlich.

Was also tun, wenn der Bergbau nicht mehr brummt, die letzten Bagger das Gelände verlassen und nichts außer unbrauchbarem Land übrigbleibt? Die Antwort: diese Flächen zur sauberen Stromerzeugung nutzen. Richtig gehört! In Virginia werden nun ehemalige Kohleminen tatsächlich zu Solarparks umgebaut. Angefangen hat alles bereits 2019 – damals erwarb die gemeinnützige Organisation Nature Conservancy rund 100.000 Hektar Wald in den zentralen Appalachen, den sie als Cumberland Forest Project bezeichnet. Und eben genau dort befinden sich sechs ehemaligen Kohleminen, die schon bald mit Solaranlagen – den ersten in der Region – ausgestattet werden sollen.

Vom Klimasünder zum Klimaretter?

Doch warum sollen ausgerechnet ehemalige Kohleminen zu großen Solarparks umgewandelt werden? „Wir haben die Appalachen als einen der wichtigsten Orte auf der Erde identifiziert, um Naturschutz zu betreiben“, erklärt Brad Kreps, Leiter des Clinch Valley Programms der Nature Conservancy, der die Solarprojekte leitet. Bei der Planung der Solarparks arbeitet die Organisation mit Solarentwicklern wie Dominion Energy und Sun Tribe zusammen. Und die sind davon überzeugt: Die relativ ebenen Tagebau- und Abraumflächen in der ansonsten hügeligen Landschaft sorgen dafür, dass zukünftige Solaranlagen hier kräftig Sonnenenergie erzeugen können.

Genauer gesagt geht Daniel Kestner vom Virginia Department of Energy geht davon aus, dass rund 40.500 Hektar der Fläche vom Kohleabbau betroffen sind. Sprich: Es gibt genügend Platz für die Installation von Grünstromerzeugern. „Es ist besser, auf vielen dieser Minenstandorte zu bauen als auf erstklassigem Ackerland oder in Gebieten, die vielleicht keine Solaranlagen in ihrer Gemeinde haben wollen“, fährt Kestner fort. Ein weiterer Vorteil sind laut der Entwickler*innen jedenfalls auch die sich in der Nähe der geplanten Solarparks befindlichen Stromleitungen. Diese sind auf die vorherige Industrieansiedlung zurückzuführen. Ein weiterer Teil der ehemaligen Abbauflächen soll wieder renaturiert – also wieder in einen naturnahen Zustand zurückgeführt – und durch die Pflanzung von Bäumen aufgeforstet werden.

Kohleminen Solarparks
Wo Bagger einst Kohle aus den Böden holten, soll schon bald kräftig Sonnenstrom erzeugt werden.

Neue Arbeitsplätze schaffen

Mithilfe der Anlagen soll in Zukunft aber nicht nur fleißig Sonnenstrom produziert, sondern sollen auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit dem Ende der Kohleminen verloren schließlich viele Menschen in der Umgebung eine zuverlässige Langzeitbeschäftigung. Laut einem aktuellen Bericht der Interagency Working Group on Coal and Power Plant Communities sind die Arbeitsplätze im Kohlebergbau landesweit sogar von über 175.000 im Jahr 1985 auf etwa 40.000 im Jahr 2020 zurückgegangen. Die Solarenergie könnte sich dort dementsprechend als ein neuer Jobmotor entpuppen.

Brad Kreps fasst zusammen: „An diesem Punkt sind die ehemaligen Bergbaugebiete der Region fast eine leere Leinwand, wenn es um den Aufbau einer neuen Wirtschaft für erneuerbare Energien geht.“

Mit dem Projekt werden also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Einerseits findet verbrauchtes Land eine neue Verwendung und wird Teil der Energiewende. Anderseits wird ehemaligen Minenarbeiter*innen die Möglichkeit gegeben, beim Bau der Solarfarm mitzuhelfen und eine neue Anstellung zu finden.

✅ TEXT: Sandra Rainer
✅ FOTOS: Enery; UNSPLASH/Dominik Vanyi
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