Dieser Solarbogen revolutioniert die Agro-Photovoltaik

Die Idee der Agro-Photovoltaik ist nicht neu, ein speziell dafür entwickeltes Photovoltaiksystem schon. Der Solarbogen MarcS ermöglicht eine flexible Doppelnutzung der landwirtschaftlichen Fläche, parallel werden Pflanzen vor Umwelteinwirkungen geschützt.
Solarbogen

Der Ansatz klingt einleuchtend: Warum sollte man in Zeiten knapper Ackerflächen und einem wachsenden Energiebedarf nicht beides miteinander kombinieren? Eine zunehmende Anzahl von Forschungsprojekten und praktische Erfahrungen bestätigten in den letzten Jahren bereits das enorme Potenzial, das die sogenannte Agro-Photovoltaik tatsächlich aufweist. Bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen können hierbei mehrfach genutzt werden – für Ackerbau, Grünlandbewirtschaftung und eben „Stromzucht“. Und das ganz ohne den gefürchteten Flächenverlust. Die richtige Kombination kann die Flächennutzungseffizienz von Acker- und Grünland dabei deutlich erhöhen.

Wie eine optimale Kombination aussehen kann, zeigt das Unternehmen Goldbeck Solar. Mit dem Solarbogen „Modular Arc System“ – kurz MarcS – hat dieses die Agro-Photovoltaik völlig neu gedacht. Anstelle von herkömmlichen Solarmodulen wird ein mit Photovoltaikmodulen ausgestatteter Bogen über die für die Solarenergiegewinnung zur Verfügung stehende Fläche gespannt. Der darunter liegende Boden kann weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Diese Entwicklung überzeugte nicht nur Landwirt*innen, sondern auch die Fachjury der internationalen Fachmesse für die Solarwirtschaft Intersolar Europe – mit dem MarcS heimste das Unternehmen den Intersolar AWARD 2021 ein.

Langjährige Erfahrung

Es war das 20-jährige Bestehen des Unternehmens, das die Forscher*innen dazu inspirierte, die Zukunft der Solarbranche neu zu gestalten. Die Idee für die neue Konstruktion ruht aber nicht nur auf dem Firmenjubiläum. Sie speist sich auch aus den Wünschen und Vorstellungen der Landwirt*innen, die den Produktentwicklungsprozess mitgestaltet haben. Mit dem MarcS werden eine effektivere Landnutzung und Ressourcenverwendung sowie eine erhöhte Wirtschaftlichkeit für landwirtschaftliche Betriebe ermöglicht. „MarcS ist eine echte Innovation, welche die Herausforderungen in der Landwirtschaft berücksichtigt und passende Lösungen dafür bietet“, sagt Joachim Goldbeck, Geschäftsführer von Goldbeck Solar.

Einfache Montage

Die gewählte Bogenform sei laut Unternehmen statisch sehr solide und dementsprechend auch die optimale Wahl für das neue System. Die Solarmodule werden bogenförmig in einer Höhe von 2,50 bis 3,50 Meter aufgebaut und mit der Unterkonstruktion zu einem festen statischen Teil verbunden. Gestützt werden die Bogen alle neun Meter von einer Stütze. Die Grünstromerzeuger werden nach Osten und Westen mit unterschiedlichen Neigungswinkeln ausgerichtet. Bis zu 60 Prozent mehr Grünstrom soll dabei im Vergleich zu anderen Agro-Photovoltaikanlagen erzeugt werden können. Genauer gesagt sollen mit dem MarcS mehr als zwei Megawatt Photovoltaikleistung pro Hektar realisiert werden können. Und wie werden die PV-Bögen nun über die Äcker verfrachtet? Aussagen des Unternehmens zufolge ist die Montage automatisiert oder zumindest halbautomatisiert von einem einzigen Installationspunkt aus möglich.

Solaranlage auf Rädern

Das Beste: Der Solarbogen kann auf den Seitenschienen gleiten, sodass er flexibel und individuell eingesetzt werden. Für Landwirt*innen ein enormer Vorteil, da Flächen auf diese Weise zu jeder Zeit freigegeben werden können und landwirtschaftliche Tätigkeiten dementsprechend nicht eingeschränkt werden. Generell ist es laut Produktbeschreibung möglich, den Bogen als einzelnes PV-System, in Kombination mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten oder sogar als Dreifach-Systemlösung mit zusätzlicher Viehhaltung zu verwenden. Apropos Tiere und Pflanzen. Diese werden dank des Solardachs vor extremen Wetterbedingungen wie Hagel, Trockenheit oder auch Sonnenlicht geschützt. Dank des Systems lassen sich so Temperatur, Feuchtigkeit und Licht besser steuern und weitergehend die Qualität von Zucht und Ernte optimieren.

Heimische Landwirt*innen müssen sich aber noch gedulden. Der MarcS-Solarbogen wird ab 2022 erstmal nur in den Niederlanden angeboten. Dem Hersteller zufolge soll das System aber schon bald rund um den Globus erhältlich sein – und ein gleichzeitiges Ernten von Strom und Lebensmitteln möglich machen. Und bis dahin arbeiten Forscher*innen von Goldbeck Solar an zahlreichen neuen Features, wie etwa einer integrierten LED-Beleuchtung oder zusätzlichen Seitenwänden, die den Solarbogen für die Wintersaison flexibel in einen Wintergarten umwandeln.

✅ TEXT: Sandra Rainer
✅ FOTOS/VIDEO: Enery, Goldbeck Solar
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