In der Solarbäckerei wird mit grünem Strom gebacken

Einen gut laufenden Backshop findet man hierzulande fast an jeder Straßenecke. In Afrika hingegen kämpfen Backstuben immer wieder mit unsicherer Stromversorgung und daraus resultierenden Produktionsausfällen. Diesem Problem will nun das Münchner Start-up Solarbakery mithilfe mobiler solarbetriebener Container-Bäckereien begegnen.
Solarbakery

Was für Italiener*innen Pasta ist, ist für die Österreicher*innen Brot – ein wichtiges und nicht mehr wegzudenkendes Grundnahrungsmittel. Tatsächlich hat Österreich eine sehr ausgeprägte Brotkultur und gehört damit auch zu den Ländern mit der größten Vielfalt an Brot und Gebäck. Rund 150 verschiedene Brotsorten gibt es hierzulande, Tendenz steigend. Sieben von zehn Österreicher*innen essen mindestens einmal pro Tag Brot oder Gebäck. Egal, ob es die resche Semmel mit Butter und Honig am Morgen, das süße Kipferl als Snack oder eine Scheibe knuspriges Schwarzbrot mit Würstel zum Abendessen ist.

Aber auch in anderen Ländern – z. B. in vielen in Afrika – gehört Brot als Grundnahrungsmittel auf den täglichen Speiseplan. Doch anders als hierzulande gibt es in diesen Teilen der Erde nicht immer eine flächendeckende Energieversorgung. Doch eben genau diese wird nun mal auch bei der Herstellung von notwendigen Lebensmitteln benötigt. Die Folge: Der Bedarf an Brot und Co. steigt im globalen Süden zwar rasant an, lokale Bäckereibetrieben sind dafür allerdings nicht gewappnet.

Ein Container gegen den Hunger

Genau dieses Problem erkannte Solarbakery-Gründer Simon Zimmermann nach jahrelanger, auf dem afrikanischen Kontinent gesammelter Berufserfahrung und errichtete in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, die erste mobile Container-Bäckerei. Die hohe Nachfrage nach Backwaren bot immenses Wachstumspotenzial. Doch die konstanten Stromausfälle in der kongolesischen Hauptstadt führten immer wieder zu Produktionsausfällen. Ein eingebauter Notstromgenerator konnte die Produktion meist am Laufen halten. Großes Aber: Dieser verbrauchte Unmengen an Dieselkraftstoff. Und der ist nicht nur teuer, sondern belastet aufgrund des Emissionsausstoßes auch die Umwelt stark.

Die innovative Idee: Die Container-Bäckereien sollen völlig energieautark betrieben werden – und zwar mit einer effektiven Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Gesagt, getan. Gemeinsam mit Torsten Schreiber, der bereits mit Africa Greentec an der solaren Elektrifizierung afrikanischer Dörfer arbeitet, entwickelte Zimmermann eine Bäckerei, welche unabhängig von der lokalen Infrastruktur betrieben werden kann und gleichzeitig durch den Einsatz regenerativer Energien die Umwelt schont.

Die Solarbäckerei

Die 10 Meter lange und nur 2,50 Meter breite Backstube, untergebracht in einem Schiffscontainer, verfügt über ein Solardach mit 144 Modulen und einer Leistung von 52 Kilowattpeak. Dank Solarzellen und integrierter Batterie kann nun also überall unabhängig von der vorhandenen Netzinfrastruktur gebacken werden – auch an abgelegenen Orten mit wenig oder vielleicht keiner Infrastruktur. Einzige Voraussetzung für einen erfolgreichen Backbetrieb: Die Sonne muss in der ausgewählten Region kräftig scheinen. Mit dem tropischen Klima und den vielen Sonnenstunden eignet sich Afrika also perfekt als Standort für eine Solarbakery.

Doch warum ausgerechnet ein Frachtcontainer? Das Containersystem bietet laut Gründerteam den Vorteil, dass Utensilien, wie etwa die integrierte Mühle, im Inneren des Containers rasch verstaut werden können – natürlich auch die Solaranlage selbst. Die Bäckerei basiert auf einem 45-HC Seefrachtcontainer, der hierfür komplett neu konzipiert wurde. Ein Solarbakery-Container enthält ausklappbare Extraräume zur Erweiterung der Produktionsfläche, eine spezielle Dachkonstruktion für Photovoltaik-Module sowie einen isolierten Elektroraum.

Mobil, umweltschonend, energieautark

Die komplette Bäckerei kann folglich als Plug-n-Play-Lösung per LKW oder Schiff schnell, einfach und unkompliziert transportiert werden. Und genau diese Mobilität eröffnet unzählige Einsatzmöglichkeiten. Egal, ob am Rande der Sahara oder doch auf einem Wochenendfestival in Europa: Mit der einzigartigen Backstube können Menschen mit frischem Brot versorgt und die Umwelt mit dem Einsatz sauberer Energiequellen geschützt werden. Genauer gesagt sollen bei der Solarbakery im Vergleich zu fossilen Brennstoffen rund 54 Kilogramm CO2 eingespart werden. Und auch das Geldbörserl freut sich: Eine Solarbäckerei spart laut Angaben des Unternehmens im Vergleich zum konventionellen Betrieb mit Dieselgeneratoren rund 15.000 Euro Energiekosten pro Jahr.

Nun aber die wohl spannendste Frage: Wie viele Brötchen können in der Solarbäckerei gebacken werden? Mit 100 Prozent erneuerbarer Energien kommen theoretisch täglich bis zu 3.000 Brote oder auch Baguettes aus dem Ofen. Wie viele Brötchen letztlich in Summe verkauft werden können, hängt aber natürlich von der tatsächlich produzierten Sonnenergie ab.

Und wie geht es mit den innovativen Backstuben weiter? „Bisher haben wir schon ein Pilotprojekt in der Demokratischen Republik Kongo auf die Beine gestellt, das sich großer Beliebtheit erfreut. Der nächste Schritt ist eine Expansion im afrikanischen Sub-Sahara-Raum. Durch Kontakte und großes Interesse in Senegal, Tschad und Madagaskar konkretisieren sich immer deutlicher eine Vielzahl von Projekten“, heißt es vonseiten Solarbakery. Damit nicht genug: „Hinzu kommen auch Anfragen aus Südamerika, weshalb wir dort für die nahe Zukunft einen Markteintritt planen.“ Eines kann man also schon jetzt sagen: Langfristig will man keinesfalls kleine Brötchen backen.

✅ TEXT: SANDRA RAINER
✅ FOTOS: Solarbakery
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