Sauberer Winterspaß dank Solaranlagen

Schneekanonen, kilometerlange Liftanlagen und Autokolonnen vor dem Skigebiet: Der Wintertourismus ist nicht unbedingt klimafreundlich. Allerdings setzen immer mehr Regionen auf nachhaltigen Skispaß – wie etwa das Schweizer Bergdorf Tenna im Safiental. Dort wurde bereits 2011 der weltweit erste mit Sonnenstrom betriebene Skilift in Betrieb genommen.
Solar-Skilift

Das Glücksgefühl beim Carven auf der Piste. Neuschnee, der unter der Schuhsohle knirscht. Weiße Berggipfel, die sich aneinanderreihen. Wohl bei keiner anderen Sportart erlebt man die vielfältige Natur der Berge so wie beim Skifahren. Dass aber genau diese Vielfalt aufgrund des Wintersporttourismus gefährdet ist, wird oftmals außer Acht gelassen. Denn wie die Grundlage für den Skispaß mancherorts produziert wurde, kümmert Urlauber*innen oft eher wenig. Technisch hochgerüstete Infrastruktur, Beschneiungsanlagen und, nicht zu vergessen, planierte Böden, denn Parkplätze, Hotelanlagen, Gondeln und Lifte brauchen schließlich genügend Platz – und Strom.

Doch was wäre, wenn ein Skigebiet diesen einfach selbst produziert? Und zwar mithilfe sauberer Solaranlagen. Gibt’s nicht? Stimmt nicht. Der Skilift im Schweizer Dorf Tenna transportiert seit 2011 Schneesportler*innen, gleichzeitig aber produziert er saubere Energie. Als die alte Liftanlage nach stolzen 41 Betriebsjahren ausgedient hatte, musste rasch eine neue Lösung her.

Ein grüner Skilift?

Doch wie soll so ein neuer Schlepplift aussehen? Für die Genossenschaft Skilift Tenna war von Anfang an klar: Die Anlage soll nicht nur hinsichtlich Funktionalität, Sicherheit und Komfort überzeugen, sie soll auch nachhaltig und ökologisch sein. Und mit dem Solar-Skilift scheint man eine umwelt-, ressourcen- und klimaschonende Lösung gefunden haben. Mit der zukunftsweisenden Innovation gelang es der Genossenschaft in Tenna bereits damals, die Aufmerksamkeit auf saubere Stromerzeugung zu richten.

Die tatsächliche Umsetzung der Anlage ist ein technisches Meisterwerk: Die Paneele sind auf der Lifttrasse über den Zugkabeln an Tragseilen montiert. Sie sind vollautomatisch gesteuert, folgen tagsüber also einachsig dem Sonnenstand. Dies ist dank einer ausgeklügelten Seilkonstruktion mit Zugseil möglich. Zur Info: Der Wirkungsgrad von Solarzellen ist am höchsten, wenn die Sonne senkrecht auf sie scheint. Die Module in Tenna weisen daher stets eine ideale Südneigung von 30 Prozent auf, sodass die Anlage am Ende des Tages rund 21 Prozent mehr Sonnenstrom erzeugen kann als eine herkömmliche Anlage auf dem Dach.

Solar-Skilift
Ein optischer Hingucker: Die Paneele sind auf der Lifttrasse über den Zugkabeln an Tragseilen montiert.

Ein intelligenter Sensor

Doch was passiert, wenn ein in Bergregionen nicht gerade ungewöhnlicher Schneesturm die sensiblen Zellen unter einer dicken Schneeschicht verstecken? Kein Problem: Ein integrierter Schneesensor sorgt bei einsetzendem Schneefall für die rasche Senkrechtstellung der Solarelemente. Außerdem sind vor allem die Gegebenheiten in höher gelegenen Gebieten der Grund dafür, warum die Installation von Solaranlagen dort so vielsprechend ist. Schließlich ist die Einstrahlungsintensität höher, es gibt weniger Nebellagen, und indem der Schnee das Sonnenlicht reflektiert, kann ein deutlicher Mehrertrag erzielt werden. Genauer gesagt reflektiert Schnee bis zu 90 Prozent der Strahlung.  Stichwort: Albedo-Effekt.

365 Tage Sonnenstrom

Klar, der Schlepplift ist nicht das ganz Jahr über in Betrieb – die moderne Solaranlage jedoch schon. Diese soll rund 90.000 Kilowattstunden (kWh) produzieren, von denen zwischen 5.000 und 10.000 kWh für den Skiliftbetrieb benötigt werden. Die Überproduktion an Sonnenenergie wird an das Energiewerk Tenna verkauft, von dem Interessierte und Umweltbewusste den Solarstrom aus dem Safiental beziehen können.

Ein nachhaltiges Dorf

Das gesamte Konzept, auf dem die Entwicklung des Solar-Skilifts basiert, steht also ganz im Einklang mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Und diese Vision geht noch weiter: Das Bergdorf Tenna verzichtet etwa komplett auf Schneekanonen. Kunstschnee hilft zwar dem Tourismus, schadet aber nun einmal der Umwelt. Denn Böden in den Skigebieten leiden unter den dichten Kunstschneedecken.

Zurück zum Solar-Skilift: Auch in Österreich wäre das Potenzial solcher innovativen Grünstromerzeuger sicherlich groß. Schließlich gibt es hierzulande über 400 Skigebiete mit rund 7.350 Pistenkilometern. Dass es also genügend Liftanlagen gibt, die mit modernen Photovoltaikanlagen ausgestattet werden könnten, liegt auf der Hand. Ist grünes Skifahren also möglich? Mit der Installation zukunftsweisender Solaranlagen wird der Skiausflug in die Berge auf jeden Fall nachhaltiger.

✅ TEXT: SANDRA RAINER
✅ FOTOS: Solarskilift Tenna
en_GBEN