Jetzt kommt der doppelt grüne Photovoltaik-Pflasterstein

Effektive Solarzellen verwandeln graue Betonflächen in smarte Solargehwege. Das ungarische Unternehmen Platio Solar präsentierte dazu nun den sogenannten „doppelgrünen“ Photovoltaik-Designpflasterstein. Dieser soll Sonnenstrom generieren, E-Bikes laden und dabei auch noch gut aussehen.
Photovoltaik-Pflasterstein

Ob über Straßen, Wiesen, Meeren oder Seen: Die Möglichkeiten, sauberen Strom zu produzieren, sind heutzutage vielfältig. Die Photovoltaik offeriert Architekt*innen und Designer*innen dabei jedenfalls ein großes gestalterisches Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten. Dem Baugewerbe öffnet sich zudem ein vielfältiges, noch nicht ausgeschöpftes Entwicklungspotenzial für Bauprodukte mit integrierten Solaranlagen. Auch deshalb arbeiten Entwickler*innen stets an Möglichkeiten, Solarenergie an weitaus mehr Standorten zu integrieren.

Sogenannte Solarstraßen zählen schon längst zu den vielversprechendsten Entwicklungen der letzten Jahre. Kein Wunder, dass bereits einige Pilotprojekte gestartet wurden. Dennoch befindet die Entwicklung sich in diesem Bereich noch im Anfangsstadium. Das Green-Tech-Start-up Platio Solar mit Sitz in Budapest will nun mit seinem weiterentwickelten Photovoltaik-Pflasterstein sowohl Energiebranche als auch Bau- und Immobilienindustrie revolutionieren.

Und tatsächlich scheint das Interesse für alternative integrierte Lösungen, die Design und Stromgewinnung miteinander kombinieren, zu steigen. Der Erfolg des ungarischen Energieunternehmens jedenfalls bestätigt diese Entwicklung: Die Nachfrage nach den Designsolarpflaster sei im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahresquartal um 60 Prozent gestiegen. Doch ist ein Photovoltaik-Pflasterstein tatsächlich der Gamechanger in der Energiebranche?

Photovoltaik am Boden – und das ist gut!

Und wie funktionieren die effektiven Produkte von Platio? Die integrierten, leistungsstarken Solarzellen in den Pflastersteinen sammeln die Energie der auf die Pflasterfläche fallenden Sonnenstrahlen. Die sensiblen Zellen werden durch stark belastbare, rutsch-, kratz- und stoßfeste Glasscheiben geschützt. Die Belastbarkeit der begehbaren Solarzellenflächen und der Schutz der Kabel werden durch eine massive, aus Kunststoff hergestellte Rahmenkonstruktion gewährleistet. Ein Modul liefert etwa 20 Watt Energie, eine Fläche von 20 Quadratmetern kann den durchschnittlichen jährlichen elektrischen Energiebedarf eines Haushaltes decken.

Das Unternehmen versichert, dass der modulare Photovoltaik-Pflasterstein schnell und einfach zu installieren ist. Zudem erfordern die Solarpflaster einen ähnlich geringen Wartungsaufwand wie herkömmliche Gehwege. Und wer sich durchs Portfolio von Platio Solar klickt, erkennt: Auch Design spielt eine wichtige Rolle. Die Solarpflastersteine sind mit zwei unterschiedlichen Glasarten und zwei Typen von Solarzellen erhältlich. Bei den angewendeten Hochleistungssolarzellen kann man sich zwischen Blau und Schwarz entscheiden. Also: Eine durchsichtige, gehärtete Glasfläche auf der einen Seite, eine je nach Sonneneinstrahlung bunt leuchtende Fläche auf der anderen.

Doppelt hält besser

Das Besondere an den Pflastersteinen ist neben der optischen Gestaltung auch deren Umweltbilanz. Die Bezeichnung „doppelgrün“ für das Solarpflaster von Platio Solar hat freilich eine Bedeutung. Die Pflasterflächen erzeugen nicht nur Grünstrom. Sie werden auch aus recyceltem Kunststoff, Glas und sonstigen Abfällen hergestellt. Genauer gesagt werden für die Produktion eines Quadratmeters umgerechnet 400 Plastikflaschen verwendet. Laut eigenen Angaben des Unternehmens können dadurch pro Quadratmeter installierter Pflastersteine rund 25 Kilogramm Treibhausgasemissionen eingespart werden. Das Beste: Der schicke Photovoltaik-Pflasterstein ist so konzipiert, dass er am Ende seines Lebenszyklus zu 95 Prozent recycelbar ist.

Photovoltaik-Pflasterstein
Parkflächen in der Stadt und auch am Land sind ständig der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt. Perfekte Voraussetzung für smarte Solarstraßen.

Spanien geht probeweise auf Solarstraße

Die doppeltgrünen Photovoltaik-Pflaster tanken bereits kräftig Sonnenenergie – und zwar in Barcelona. Dort entstand mit 50 Quadratmeter großen Solarpaneelen im kleinen Park im Stadtteil Glòries der erste photovoltaische Bürgersteig Spaniens. Jährlich können dabei 7.560 Kilowattstunden (kWh) saubere Energie erzeugt und somit drei spanische Haushalte versorgt werden. Damit aber nicht genug: Die erzeugte Energie soll dazu genutzt werden, einen Teil der städtischen Straßenbeleuchtung zu betreiben. Obendrein sollen auch Ladestationen für E-Bikes mit Grünstrom gefüllt werden, wie Miklós Ilyés, Gründer und Leiter der Produktentwicklung bei Platio Solar, erklärt.

Das Potenzial ist laut Ilyés aber noch längst nicht ausgeschöpft: „Unsere Solarbaustoffe bieten fast unzählige Möglichkeiten, saubere Energie für die Bau- und Immobilienindustrie zu liefern. Wir haben Bodensolar entwickelt und installiert, um Energie für öffentliche Gebäude und Installationen wie EV-Ladegeräte, Straßenlaternen oder Handy-Ladegeräte zu produzieren.“ Und weiter: „Auch bieten die Infrastrukturflächen großer Parkplätze eine passende Lösung, um der wachsenden Anforderung an die Elektromobilität gerecht zu werden.“

Versiegelte Flächen sinnvoll nutzen

Mithilfe der solaren Pflastersteine können also bereits vollständig versiegelte Flächen, wie etwa Parkplätze oder großflächige Plätze vor Museen, für die saubere Energiegewinnung genutzt werden. „Es ist eine neue Generation von ästhetischen, platzsparenden und grünen Energiequellen“, wie es vonseiten des Start-ups heißt. Ganze Städte und Gebäude werden demnach zu einem Wahrzeichen für nachhaltiges Bauen im 21. Jahrhundert.

Innovationen solcher Art klingen zwar vielversprechend, allerdings befinden sich die meisten solaren Straßen noch in der Entwicklungsphase. Sprich: Bis dato haben es noch nicht viele Projekte über die Testphase hinaus geschafft. Zu hohe Kosten und zu wenig Energieproduktion sind die meistgenannten Gründe dafür.

Damit Smart Cities in Zukunft tatsächlich vollständig mit sauberer Energie versorgt werden können, müssen sich solche Produkte ständig weiterentwickeln. Platio Solar stellt außerdem klar: Die solaren Pflastersteine sind nicht als Ersatz für herkömmliche Solarpaneele auf Freiflächen und Dächern gedacht, sondern eher als Ergänzung, um saubere Energie dort zu nutzen, wo die Installation von Solarpaneelen auf anderen Flächen eben nicht möglich ist. Und wir wissen: Je mehr Grünstrom produziert wird, desto besser.

✅ TEXT: SANDRA RAINER
✅ FOTOS: Platio Solar, UNSPLASH/Raban Haaijk
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