Hoher Strompreis: Experten fordern PV-Ausbau

9. April 2025

Exper:tinnen betonen einmal mehr den dringenden Handlungsbedarf, was den Ausbau von Erneuerbarer Energie, insbesondere Photovoltaik, betrifft; nur damit könne der Strompreis auf Dauer günstig gehalten und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gewährleistet werden.

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Nein, es sind keine rosigen Aussichten für die Wirtschaft in Österreich, innerhalb der Europäischen Union – und darüber hinaus. Aufgrund des eskalierenden Handelskonflikts mit den USA korrigieren Wirtschaftsforscher:innen ihre Prognosen, die zuletzt ohnehin schon kaum positiv ausfielen, aktuell fast täglich nach unten. Ein entscheidender Faktor, der die Inflation zusätzlich weiterhin hochhält: Die Energiekosten. Mit dem Auslaufen der Strompreisbremse und der Steigerung der Netzkosten gibt es bei ihnen vor allem in Österreich ebenfalls keine Entwarnung. Im Gegenteil.

Einmal mehr wird klar: Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, insbesondere von Gas, sorgt nicht nur in volatilen Zeiten wie diesen für einen steigenden Strompreis. Expert:innen plädieren daher auch deshalb schon länger auf einen massiven Ausbau von Erneuerbare Energie. So wurde im Rahmen des PV-Kongress 2025 im vergangenen März in Wien das enorme Potenzial von Photovoltaik für Österreichs Industrie und Wirtschaft erörtert sowie die Notwendigkeit von verlässlichen Strompreisen für Unternehmen und Haushalte, der Flexibilitäts- und Speicherbedarf im Energiesystem und die intelligente Vernetzung und Integration von PV betont.

„Gas muss raus!“

Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, nahm dabei in ihrer Key-Note Bezug auf die prekäre wirtschaftliche Gesamtsituation in Österreich. „Die hohen Energiekosten belasten die Industrieproduktion und treiben indirekt auch die Arbeitskosten in die Höhe. Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit“, so die Expertin. Zudem warnte Köppl-Turyna vor langfristig höheren Energiepreisen. „Um den Standort Österreich zukunftsfit zu machen, und um den Strompreis zu senken, muss Gas jetzt raus aus der Stromerzeugung.“ Dies könne durch einen beschleunigten Ausbau von Erneuerbaren ebenso erreicht werden wie durch eine verstärkte Integration der europäischen Märkte. Die Wirtschaftswissenschaftlerin plädiert daher für einen raschen Ausbau der Netzinfrastruktur, eine Überarbeitung der Abgaben, Planungssicherheit für Unternehmen sowie für Bürokratieabbau, um die österreichische Wirtschaft nachhaltig zu stärken und damit heimische Betriebe im internationalen Wettbewerbsumfeld nicht zu benachteiligen.

Strompreis senken: Monika Köppl-TurynaMonika Köppl-Turyna, Direktorin Eco Austria (Foto: Michael Hedl)

Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Photovoltaic Austria (PV Austria), der Interessensvertretung der österreichischen Photovoltaik- und Stromspeicherbranche, betonte zudem die Bedeutung von Photovoltaik für den Standort Österreich, für die Stärkung der Wirtschaft und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit. PV-Ausbau sei nicht nur ökologische, sondern ökonomische Notwendigkeit, um langfristig den Wohlstand in Österreich zu sichern, so Paierl. Das Verfehlen des jährlichen Ausbauziels von zwei Gigawattpeak aufgrund fehlender Rahmenbedingungen, Gesetze und politischer Unterstützung müsse verhindert werden.

Dringend: Speicherausbau

Herbert Diess, Aufsichtsratsvorsitzender von Infineon Technologies und The Mobility House, zeigte sich darüber hinaus von der Möglichkeit überzeugt, die Dekarbonisierung zügig und insbesondere kostengünstig durchzuführen. Die Stromproduktion mittels Photovoltaik verdoppele sich alle zwei bis drei Jahre, so Diess. Bis 2050 werde Solarenergie 80 Prozent des globalen Energiebedarfs decken und ist damit wettbewerbsfähiger als jede andere erneuerbare Energie. Dringend notwendig, um dieses Potenzial zu nutzen sei laut dem Experten jedoch der Speicherausbau.

Enery trägt dieser Forderung bereits Rechnung. Bereits im Vorjahr wurde im rumänischen Sărmasag in Ardeal ein Solarpark inklusive 22-MWh-BESS eröffnet. Es umfasst 11 Batteriespeicher mit einer Kapazität von jeweils 2 MWh sowie einen eigenen Transformator. Die Anlage ist eine der fortschrittlichsten in der Region und stellt als solche ein deutliches Signal dar: Energiespeichersysteme sind im CEE-Raum nicht mehr die Zukunft – sie sind bereits die Gegenwart. Aber auch in Österreich ist Enery auf dem Gebiet der Batteriespeichersysteme Vorreiter. „Wir integrieren in alle unsere Anlagen Batteriespeicher, um Strom effizient und zielgerichtet liefern zu können“, wie David Wagner, Project Developer bei Enery, erklärt. „Außerdem arbeiten wir auch an Standalone-Batterieprojekten.“

✅ TEXT: MICHI REICHELT
✅ FOTOS: MICHAEL HEDL/objektiv.gesehen, ENERY