Konferenzräume haben durchaus ihre Berechtigung, wenn es darum geht, Klausuren abzuhalten oder strategische Positionen hinter verschlossenen Türen zu besprechen. Doch wirklich neue Perspektiven sieht man – im wahrsten Sinne des Wortes – meist dann, wenn man die vier Wände verlässt und sich in die Natur begibt. Unter diesem Credo lädt Enery im Rahmen des diesjährigen Forums Alpbach zu einem ganz besonderen Format ein: dem Hike „Europe’s Race for Energy Competitiveness and Resilience“ (Europas Aufholjagd für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz im Energiebereich).

Kein Spaziergang

Am Mittwoch, den 2. September 2026, tauschen wir ab 14:00 Uhr für zweieinhalb Stunden das Congress Centrum Alpbach (CCA) gegen die Natur. Wer nun an einen gemütlichen Verdauungsspaziergang denkt, irrt jedoch. Es geht inhaltlich steil bergauf – hinein in das Fundament unserer zukünftigen Industrie und Gesellschaft.

Europas Energie-Zukunft hängt an einem seidenen – oder besser gesagt: an einem noch nicht ausreichend ausgebauten – Faden. Ein schneller Ausbau erneuerbarer Energien und der Netzinfrastruktur, bezahlbare Energie, sichere Lieferketten und eine effiziente Finanzierung sind die Parameter, die über Sieg oder Niederlage im globalen Wettbewerb entscheiden. Auf dem Hike diskutieren wir (auf Englisch) offen über den Abbau regulatorischer Hürden und gehen der Frage nach: Ermöglichen Europas Finanzsysteme eine industrielle Resilienz langfristig? Oder sind sie vielmehr eine Einschränkung?

Expert:innen geben die Route vor

Dass diese Fragen nicht in theoretischen Phrasen enden, garantieren die Speaker im Rahmen des Hikes:
Richard König, CEO Enery, führt die Wanderung an.
Gudrun Senk, Technische Geschäftsführerin Wiener Linien
Marina Kobakova, Country Managerin ING Bank Bulgarien und Österreich,
– FINGREEN-Gründeer Lukas Stühlinger und
– neoom-Founder Walter Kreisel
fungieren unter anderem  bei den Rast-Stationen am Weg als Speaker und Moderatoren.

Die Talks werden folgende Themen behandeln:

– Was wird bis 2035 über die Wettbewerbsfähigkeit Europas im Energiebereich entscheiden?
>- Wie lässt sich Wettbewerbsfähigkeit bei den Energiepreisen erreichen?
>- Sollte Europa Energie aus China beziehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
>- Wie können innovative Finanzierungsmodelle Projekte wettbewerbsfähiger machen?

Sind Sie bereit für den Aufstieg?

Das Forum Alpbach lebt vom Diskurs. Und dieser Hike lebt von klugen Köpfen, die mit uns wandern, debattieren und querdenken wollen. Egal, ob Sie tief in der Energiewirtschaft verankert sind oder als innovativer Geist aus einer ganz anderen Branche nach Alpbach gereist sind: Wenn Sie Europas Energie-Zukunft mitgestalten wollen, sind Sie hier richtig.

EFA Enery Hike Hard Facts:

Ein kleiner Rat zum Schluss: Kommen Sie bitte mit festem Schuhwerk und ausreichend Trinkwasser. Und machen Sie sich keine Sorgen um das Tiroler Bergwetter: Bei starkem Regen verlegen wir unsere tiefgreifenden Diskussionen über die Zukunft Europas kurzerhand in die Klasse 1 der örtlichen Volksschule. Ein durchaus passender Ort – schließlich geht es darum, die Basics unserer Energiewirtschaft komplett neu zu denken.

Wir sehen uns am Berg!

FAQ

  1. Welche Rolle spielt das Europäische Forum Alpbach bei der Bewältigung künftiger Herausforderungen?

Das Europäische Forum Alpbach fungiert als alljährliche Plattform, die sich der Bearbeitung hochkomplexer Zukunftsfragen durch einen lebendigen, gemeinschaftlichen Diskurs verschrieben hat. Die Veranstaltung bringt kluge Köpfe und innovative Vordenker aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen, um neue strategische Perspektiven für Europa zu entwickeln.

Wo findet das Europäische Forum Alpbach statt, und wie flexibel gestaltet sich die Organisation der Veranstaltung?

Zentrale Anlaufstelle der Veranstaltung ist das Congress Centrum Alpbach im Tiroler Bezirk Kufstein. Hier werden die Kernsitzungen und strategischen Debatten des Forums abgehalten. Die Organisation zeichnet sich jedoch durch ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit aus: So können Freiluftaktivitäten bei unbeständigem Tiroler Bergwetter reibungslos in geschlossene Räumlichkeiten – wie etwa die örtliche Volksschule – verlegt werden.

Was zeichnet Enery als zentralen Akteur im Energiesektor aus?

Das in Österreich ansässige Unternehmen Enery akquiriert, entwickelt, errichtet und betreibt Anlagen für erneuerbare Energien in ganz Mittel- und Osteuropa. Herzstück des Unternehmens bildet ein junges, dynamisches Team, das stets nach kreativen Wegen sucht, um der erneuerbaren Energie zu einer größeren Bedeutung in unser aller Alltag zu verhelfen.

TEXT: MICHI REICHELT
FOTOs: EFA, Enery

Österreich am entscheidenden Wendepunkt: Mit einem aktuellen Anteil erneuerbarer Energien von etwa 40 Prozent ist das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 bei gleichbleibender Geschwindigkeit noch weit. Es mangelt nicht an Know-how oder Kapital, sondern vor allem an der Umsetzungsgeschwindigkeit und dem politischen Konsens.

Christoph Dolna-Gruber kennt die Hebel für diese Transformation. Als einer der führenden Köpfe hinter dem Projekt „Unsere Energiewelt 2040“ der Österreichischen Energieagentur (AEA) liefert er Antworten darauf, wie ein sicheres, sauberes und leistbares Energiesystem tatsächlich reüssiert werden kann. Im Enery-Talk erklärt der Experte, wie wir die Energiewende schaffen können und warum dabei ein Fokus auf Flexibilisierung durch Digitalisierung und Batteriespeicher (BESS) liegen muss.

Vorweg eine Bestandsaufnahme: Wo steht Österreich aktuell bei erneuerbarer Energie?

Christoph Dolna-Gruber: Auch wenn wir zwischendurch immer wieder widersprüchliche Aussagen bekommen, so ist die Gesamtrichtung doch klar: 2040 wird die Klimaneutralität angesteuert. Nur: Wir stehen aktuell erst bei einem erneuerbaren Anteil von gut 40 Prozent und mit dem Tempo, das wir aktuell haben, ist dieses Ziel nicht erreichbar. Was die technologische Ebene betrifft, können wir optimistisch sein: Die Lösungen, um ohne fossile Energie produzieren, heizen und mobil sein zu können, sind bekannt und zu großen Teilen bereits marktreif. Außerdem ist Österreich trotz Budgetknappheit doch ein vermögendes Land, vor allem, was privates Kapital betrifft. Dieses gilt es jetzt zu mobilisieren, auch mit langfristig ausgerichteten Rahmenbedingungen, wie etwa steuerlichen Anreizen. Finanzierungsmodelle und -quellen müssen innovativer werden, denn es wird einen großen Investitionsbedarf geben, an Netzen, Speichern, Erzeugungsanlagen und anderen Infrastrukturen – und das auf Jahrzehnte. Was wohl ein Teil des Problem ist, denn der Nutzen dieser Investitionen wird sich im großen Stil erst mittel- und langfristig zeigen, vor allem, was den Netzausbau angeht. Jetzt geht es darum, auch diese „Wartezeit“ zu verkürzen – schneller, pragmatischer und effektiver zu werden. Heute, nicht erst morgen.

Woran fehlt es aktuell? Wie kann man schneller werden?

Ein wesentlicher Faktor ist, geringere Durchlaufzeiten zu schaffen, etwa bei Freiflächen-Photovoltaik oder beim Windkraftausbau. Theoretisch gäbe es in Österreich genügend attraktive Flächen, auf denen man diese Anlagen schneller errichten kann. Das bedingt die Ausweisung von Beschleunigungszonen, die im Verantwortungsbereich der Länder liegen. Das ist ein Prozess, der Diskussionen zwischen Landes- und Gemeindeebene, unter Einbindung der Energiewirtschaft, der Projektentwicklung und der lokalen Bevölkerung erfordert.
Ein Gedanke sollte dabei alle Stakeholder begleiten: Heute lagern wir weite Teil der Energieproduktion in ferne Länder aus. Je mehr wir uns die Kontrolle über die eigene Energieversorgung zurückholen – und das sollten wir unbedingt machen – desto näher wird die Energieversorgung wieder an uns heranrücken, desto sichtbarer wird sie. Das mag manche stören. Es macht aber auch sichtbar, dass wir unser Schicksal wieder in die eigene Hand nehmen und unabhängiger werden.
Ja, Menschen werden Windräder, Stromleitungen und Freiflächen-Photovoltaikanlagen sehen, wenn sie aus dem Fenster schauen. Das anzuerkennen und aufzulösen – mit etwas positivem verbinden zu können – wie Selbstbestimmung oder der Befreiung von Abhängigkeiten – das ist ein bedeutender Faktor.
Da spielen die Bürgermeister in den Gemeinden eine wichtige Rolle, sie haben eine hohe Verantwortung und darum beneide ich sie nicht. Aber, sie sollten mit ihrer großen Verantwortung nicht allein gelassen werden. Sie brauchen Rückhalt von der Landespolitik, der Bundesebene, von Interessenvertretungen – und von lokalen Unternehmen, die günstige Energieversorgung benötigen, um zukünftig auch wettbewerbsfähig zu bleiben.
Kurz: Es muss künftig viel mehr an einem Strang gezogen werden, als das heute der Fall ist. Was wir heute sehen, ist oft das Gegenteil: Der Erneuerbaren-Ausbau wird zur politischen Mobilisierung verwendet, auch um einen gewissen Kulturkampf zu befeuern. Und das sind Dinge, die wir einfach nicht brauchen können, wenn es um so existenzielle Fragen geht, wie die einer sicheren, leistbaren und sauberen Energieversorgung – ohne große Abhängigkeiten.

Welches Narrativ muss man erzählen, womit kann man punkten?

Ich glaube, die zwei wesentlichen Argumente sind einerseits mehr Kontrolle über die eigene Energieversorgung, andererseits die stärkere Unabhängigkeit von starken Preisschwankungen. Das Klimathema ist aktuell weniger relevant, dafür steht eben die stärkere Kontrolle im Fokus. Und das sieht man auch an der Anzahl an kleineren Photovoltaikanlagen in Österreich. Statistisch gesehen ist auf jedem vierten Gebäude schon eine PV-Anlage installiert. Das ist die unmittelbarste Art, wie man die Kontrolle über die eigene Energieversorgung zurückgewinnen kann. Das ist dann auch die Grundlage für die Integration von Batteriespeichern, um eine zunehmende Flexibilisierung im gesamten Stromsystem zu erreichen. Man macht sich unabhängig von Öl und Gas. Von Energieträgern, die wir bis zu 95 Prozent importieren. Und das gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen.

Die Netzinfrastruktur ist immer ein Knackpunkt. Wie lösen wir dieses Problem?

Das Netz ist nicht überall ein Flaschenhals. Es gibt starke regionale Unterschiede. Was aber wichtig ist: Engpässe in den Netzen treten punktuell auf. Über weite Strecken des Jahres gibt es genügend Kapazitäten in den Netzen. Das heißt, die Art und Weise, wie wir Einspeisung und Bezug zeitlich verlagern können, ist entscheidend darüber, wie viel wir die Netze ausbauen müssen. Da spielen Speicher eine entscheidende Rolle. Und auch die Verbrauchsflexibilisierung. Das heißt, dass PV-Anlagen stärker auf den Eigenverbrauch ausgerichtet werden müssen. Derzeit haben wir PV-Anlagen in Österreich, die an Frühlingswochenenden ein Überangebot an Strom ins Netz bringen. Das muss nicht sein. Es gibt unterschiedliche Instrumente, um das in den Griff zu bekommen. Die Anpassung von Förder- oder Tarifbedingungen etwa, um Strom aus der PV-Anlage zu Mittagszeiten zurückzuhalten, und eben nicht einzuspeisen, sondern zu verbrauchen oder zu speichern, um ihn später sinnvoll nutzen zu können.

Was braucht es dafür aktuell noch?

Es fehlt die flächendeckende, intelligente Bewirtschaftung dieser PV-Anlagen. Die muss man so niederschwellig wie möglich machen. Mit Digitalisierung und Datenaustausch. Über attraktive, leicht umsetzbare Apps und Energiemanagementsysteme, die das dann automatisieren. Speicheroptimierung ist ein wesentlicher Faktor, unter anderem auch in Verbindung mit Energiegemeinschaften. Die Basis dafür ist die Digitalisierung, sowohl behind the meter als auch front of meter beim Netzbetreiber. Das ist ein sehr wesentlicher Aspekt, um den Flaschenhals der Netzengpässe überwinden zu können.

Wer wird in mittelfristiger Zukunft die Netzkosten tragen?

Mit steigendem Eigenverbrauch, und damit weniger Bezug aus dem Netz wächst natürlich die Herausforderung, dass steigende Netzkosten auf immer weniger Kilowattstunden Bezug verteilt werden müssen. Das ist Fakt. Diese Schere geht also weiter auseinander und die Situation wird für jene, die nicht mitmachen können beim Entkoppeln vom Netz, schwieriger.
Deshalb muss die systemische Verantwortung jener, die sich zunehmend entziehen, eingefordert werden. Auch eine Restrukturierung der Netzentgelte spielt dabei eine Rolle. Eine stärkere Flexibilisierung der Netzentgelte hilft, einerseits Anreize zu schaffen und andererseits auch, die Systemverantwortung stärker zu übertragen.
Was auch hilft, ist stärkere Elektrifizierung. Sprich: dass man mehr Kilowattstunden hat, auf die man umlegen kann. Elektrifizierung von Mobilität, Wärme und Industrie, die im Zusammenhang mit stärkerer Kontrolle und geringerer Importabhängigkeit so wichtig ist. Weil wir damit von Kohle, Öl und Gas auf Energieträger wechseln, die wir selbst erzeugen können. In Österreich, in Europa.
Und dann kann man sich mittelfristig auch die Frage nach alternativen Finanzierungskonzepten stellt: Die Netzkostenfinanzierung für institutionelle Anleger und Private zu öffnen, die nicht nur Kapital bereitstellen, sondern das vielleicht auch zu besseren Konditionen tun.

Wie relevant ist Systemdienlichkeit?

Das ElWG definiert diesen Begriff, die E-Control legt die Kriterien fest. Im Zusammenhang mit Großspeichern ist das sehr relevant, denn es geht um Befreiung von den Systemnutzungsentgelten über den Zeitraum von 20 Jahren. Das lässt den einen oder anderen Business Case sterben oder leben. Es gibt nach aktuellem Stand eine Reihe von Kriterien, die kumulativ erfüllt sein müssen – und die in Summe sehr restriktiv sind. Das heißt, die Anzahl jener Speicher, die im engsten Sinne als systemdienlich gelten, dürfte gering sein. Man ist eben vorsichtig, wenn man bestimmte Assets für 20 Jahre von der Netzkostenfinanzierung entbindet.
Andererseits sind diese systemdienlichen Großspeicher auch relevant dafür, zukünftige Netzkostensteigerungen zu dämpfen beziehungsweise insgesamt zu reduzieren. Wie zuerst erwähnt: Um den Erneuerbaren-Ausbau zu beschleunigen, muss man den Möglichkeitsraum stark öffnen. Batterien sind wichtig, und das ist bei der Definition von Systemdienlichkeit zu berücksichtigen. Aber, es gibt mit zeitvariablen Netzentgelten, Netzentgelten für regelbare Leistung, die Vermeidung von Netzanschlusskosten und – allem voran – dynamischen Tarifen, auch abseits der Systemdienlichkeitsdefinition große Anreize pro Flexibilisierung und Batteriespeicher.

Wie nimmt man die Menschen dabei mit?

Trotz so mancher Verunsicherungskampagne und Stimmungsmache gegen Elektromobilität, gegen Wärmepumpen, gegen Erneuerbare, geht es gut voran. Wenn wir es hinbekommen, die Debatte wieder zu ent(partei)politisieren, dann können wir das schaffen. Die Energiewende ist kein grünes oder ideologisch motiviertes Projekt. Sie ist grundvernünftig und deswegen wäre es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Dass auch Unternehmen ihre Stimme erheben und sagen, was sie brauchen. Bei der Windkraft funktioniert das momentan sehr schlecht. Da schafft es diese Politisierung, die Mobilisierung, dieser Kulturkampf gut, für Verunsicherung zu sorgen, vor allem im Regionalbereich.
Aber, der Wind dreht sich jetzt wieder. Mit dem Irankrieg. Mit der Einsicht, dass wir wieder stärker auf uns selbst schauen müssen. Uns nicht darauf verlassen können, dass Energie eh permanent fließt, auch durch die Straße von Hormus. Und weil diese Einsicht jetzt wieder stärker zurückkommt, bleibe ich absolut optimistisch.


Zur Person:

Mag. (FH) Christoph Dolna-Gruber, BSc ist Energieexperte und leitet die Stabsstelle Strategie & Business Development bei der Österreichischen Energieagentur (Austrian Energy Agency). Seit mehr als 15 Jahren beschäftigt er sich mit zentralen Fragen der Energiezukunft, der Transformation des Energiesystems, der Dekarbonisierung und der Umsetzung der Energiewende in Österreich und Europa.

  • Funktion: Leiter der Stabsstelle Strategie & Business Development, Österreichische Energieagentur (AEA)

  • Expertise & Schwerpunkte:

    • Energiesystemanalysen und Szenarien zur Klimaneutralität (u. a. im Rahmen des Projekts „Unsere Energiewelt 2040“)

    • Transformation und Dekarbonisierung von Industrie, Wärme und Mobilität

    • Verringerung fossiler Importabhängigkeiten, Energieeffizienz und strategische Energieautonomie

    • Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) im Energiemanagement

  • Ausbildung: FH Burgenland (Diplomstudium, Internationale Wirtschaftsbeziehungen), EHSAL Management School Brüssel (International Management), FH Technikum Wien (B.Sc., Urbane Erneuerbare Energietechnologien)

  • Tätigkeit: Erstellung wissenschaftlich fundierter Analysen, Strategiekonzepte und Entscheidungsgrundlagen für Politik, Ministerien und Wirtschaft zur Erreichung der österreichischen und europäischen Klimaziele.

INTERVIEW: MICHI REICHELT
FOTO: ÖSTERREICHISCHE ENERGIEAGENTUR

Enery: Abdecken der kompletten Bandbreite

Die europäische Energiewende ist längst keine theoretische Zukunftsversion mehr. Sie wird Stück für Stück in den Landschaften Zentral- und Osteuropas (CEE) Realität. Insbesondere Rumänien hat sich zu einem Vorzeigeland für diese Transformation entwickelt. In diesem dynamischen Umfeld hat Enery sein Projekt Titu erfolgreich auf den Weg gebracht. Diese im Süden des Landes gelegene Photovoltaikanlage ist weit mehr als nur eine Erweiterung des regionalen Stromnetzes – sie stellt den Höhepunkt von Enerys Kernmission dar: die Bereitstellung von zuverlässiger, erschwinglicher und langfristig verfügbarer grüner Energie durch einen vollständig integrierten Ansatz.

Bei Projekt Titu handelt es sich um Enerys erste Projektentumsetzung in Rumänien, die vollständig die Entwicklung, den Bau und den Betrieb umfasst. Für Alberto Martinez, Head of Construction & Operations bei Enery, hat dieses Projekt eine ganz besondere Bedeutung. „Unser erstes vollständig entwickeltes Projekt in Rumänien, bei dem wir die gesamte Bandbreite aus Entwicklung, Bau und Betrieb abdecken, spiegelt Enerys DNA wider, wenn es darum geht, Grünstrom für das europäische Netz zu liefern“, erklärt er. Den kompletten Entwicklungsprozess eines solchen Projekts umsetzen zu können, unterscheidet das Unternehmen in einem stark umkämpften Markt vom Mitbewerb und stellt sicher, dass Qualität und Nachhaltigkeit in jeder Phase eines Projekts fest verankert sind.

Vollständige Projektentwicklung

Die Umsetzung eines solch komplexen Systems ist jedoch keine  einfache Aufgabe. Der Bau begann im Februar 2025, und das Team stand vor der Herausforderung, zahlreiche Komponenten in einem engen Zeitrahmen zu koordinieren.

Construction Manager Asen Asenov betont die Intensität der Bauphase: „Aus baulicher Sicht ist Titu PV ein äußerst anspruchsvolles Projekt, das eine enge Koordination zahlreicher Subunternehmer und eine präzise Ausführung der Arbeiten am Umspannwerk erfordert, bei dem sowohl die Errichtung als auchSolarpark in Rumänien  der Netzanschluss erhebliche Herausforderungen darstellen.“ Für Asenov ist die erfolgreiche Inbetriebnahme im März 2026 ein beruflicher Höhepunkt, der beweist, dass selbst die komplexesten Netzanschlussprozesse durch fachkundiges Management und technische Präzision gemeistert werden können.

Rückblickend betrachtet Projektmanager Manuel Maier das Projekt als einen Triumph der Zusammenarbeit. „Was das Projekt Titu zu einem Erfolg macht, sind – trotz aller technischen Hürden, die wir während der Bauphase überwunden haben – die Kooperation und das Zusammenspiel aller Partner, Auftragnehmer und Interessengruppen, die in den gesamten Prozess involviert waren“, sagt er. Diese Zusammenarbeit hat es dem Projekt ermöglicht, die Testphase positiv zu absolvieren und nun in den uneingeschränkten kommerziellen Betrieb zu starten.

Mit Beginn der jährlichen Lieferung von 80 GWh an Grünstrom setzt das Projekt Titu ein klares Signal dafür, was machbar ist, wenn technische Expertise auf die gemeinsame Vision einer saubereren und widerstandsfähigeren Energiezukunft für Rumänien und die gesamte CEE-Region trifft. Dieses Projekt ist ein Beweis für die Kraft strategischer Partnerschaften und technischem Know-how.

PV in Titu, RomaniaEnerys PV-Anlage in Titu, Kreis Dâmbovița, im Süden Rumäniens.

Technische Spezifikationen des Projekts Titu

Die Dimensionen des Projekts Titu sind beeindruckend. Um die erwartete Jahresproduktion von 80 GWh zu erreichen, hat Enery auf modernste Technologie von Branchenführern gesetzt.

Wichtigste technische Daten:

  • DC-Leistung: 54,28 MWp
  • AC-Leistung: 42,60 MWac
  • Erwartete Jahresproduktion: 80 GWh
  • Solarmodule: 88.270 hocheffiziente Module von Longi Solar
  • Wechselrichter: 142 Huawei-Wechselrichter und spezialisierte Mittelspannungsstationen
  • Nachführsystem: Einachsige Tracker von Nextracker
  • Baubeginn: Februar 2025
  • Netzanschluss/Inbetriebnahme: März 2026

Die einachsigen Tracker von Nextracker ermöglichen es den Solarmodulen, dem Lauf der Sonne präzise zu folgen, sodass die Anlage ihren Energieertrag maximieren kann.

Stärkung der lokalen Gemeinschaft

Der technische Erfolg des Projekts Titu ist jedoch nicht das Ende der Geschichte, sondern vielmehr ihr Anfang. Der Standort wurde zukunftsorientiert konzipiert und beinhaltet eine geplante PV-Erweiterung von etwa 10 MWp. Abgesehen von den ins Netz eingespeisten Megawatt fühlt sich Enery der sozialen Dimension seiner Projekte verpflichtet. In Titu wird der Übergang zu grüner Energie für die lokale Gemeinschaft durch gezielte soziale Infrastrukturprojekte direkt spürbar. Nachhaltigkeit muss nach Ansicht von Enery integrativ sein. Als Teil der Wertschöpfung des Projekts hat Enery eine 10-kWp-PV-Anlage auf dem Dach des Kindergartens in Potlogi sowie eine 8-kWp-Anlage auf dem Gemeindezentrum in Titu installiert.

Diese Installationen bewirken weit mehr, als nur die Betriebskosten lokaler Einrichtungen zu senken. Sie dienen als pädagogische Instrumente, die die nächste Generation befähigen. Darüber hinaus erhielten 45 bedürftige Kinder ein komplettes Set an Winterkleidung und Zubehör.  Das Projekt wird in Partnerschaft mit XNatura auch ein Pilotprojekt zum Biodiversitätsmonitoring durchführen. Das Gelände wird mit zwei akustischen IoT-Sensoren zur Überwachung von Bestäubern und anderen Fluginsekten sowie einem Sensor zur Vogelbeobachtung ausgestattet, um Daten über messbare Veränderungen der biologischen Vielfalt im Laufe der Zeit zu liefern.

Indem Solartechnologie direkt in den Alltag von Bürgern und Kindern integriert wird, fördert das Projekt ein tieferes Verständnis für erneuerbare Energien und deren Vorteile. Es handelt sich hierbei um einen „Smart Community“-Ansatz, der sicherstellt, dass die Energiewende nicht nur irgendwo auf einem abgelegenen Feld stattfindet, sondern auch sichtbare, positive Veränderungen in der direkten Nachbarschaft schafft.

Partnerschaft mit Nokian Tyres

Einer der überzeugendsten Aspekte des Projekts Titu ist seine direkte Auswirkung auf die Dekarbonisierung der Industrie. In einer Zeit, in der unternehmerische ESG-Ziele zunehmend zur Voraussetzung für die Geschäftstätigkeit („Licence to operate“) werden, war die Rolle von Stromabnahmeverträgen (Power Purchase Agreements, PPAs) noch nie so entscheidend wie heute.

Das Projekt Titu ist ein Paradebeispiel für diese Entwicklung – durch ein langfristiges PPA mit Nokian Tyres. Dieser Vertrag stellt die Lieferung von jährlich 61 GWh an Nokian Tyres sicher und unterstützt damit insbesondere deren bahnbrechende Produktionsstätte in Oradea. Diese Fabrik gilt als die weltweit erste Reifenfabrik mit null CO2-Emissionen. Eine Leistung, die durch den Verzicht auf fossile Brennstoffe in den Produktionsprozessen und die vollständige Umstellung auf CO2-freie Energie erreicht wurde.

Indem sich Nokian Tyres sauberen Strom aus Titu sichert, schützt sich das Unternehmen aber nicht nur vor Marktvolatilität. Es leistet auch einen greifbaren Beitrag zur grünen Transformation Europas. Diese Partnerschaft veranschaulicht, wie Enery als strategischer Wegbereiter für Industrieführer fungiert und ihnen dabei hilft, bis 2050 Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen und gleichzeitig ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Photovoltaik (PV)?
Photovoltaik (PV) bezeichnet die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie mithilfe von Solarzellen. In einer PV-Anlage erzeugen Solarzellen aus einfallendem Sonnenlicht durch den photoelektrischen Effekt zunächst reinen Gleichstrom (DC). Ein Wechselrichter wandelt diesen anschließend in nutzbaren Wechselstrom (AC) um, damit der Strom im Haushalt verbraucht, gespeichert oder in das öffentliche Netz eingespeist werden kann.

Wie viel grünen Strom wird das Projekt Titu produzieren? 
Es wird erwartet, dass das Projekt Titu, Enerys 54-MW-Solarpark in Rumänien, jährlich 80 GWh an grünem Strom erzeugt. Das entspricht umgerechnet dem Stromverbrauch von mehr als 47.000 Haushalten.

Wie unterstützt das Projekt Titu die Dekarbonisierung der Industrie? 
Das Projekt Titu wird durch einen langfristigen Stromabnahmevertrag mit Nokian Tyres untermauert, der jährlich 61 GWh liefert, um die CO2-emissionsfreie Reifenfabrik des Unternehmens in Oradea zu versorgen.

Wie profitiert die lokale Gemeinschaft vom Projekt Titu? 
Enery hat PV-Anlagen auf dem Kindergarten in Potlogi und dem Gemeindezentrum in Titu installiert. 45 bedürftige Kinder wurden mit Winterkleidung versorgt und ein Pilotprojekt zum Biodiversitätsmonitoring mit XNatura geplant.

TEXT: MICHI REICHELT
FOTOS: ENERY

Strategische Wirkung: Ein Meilenstein für Rumäniens Energiewende

Rund 762 Megawattpeak installierte Leistung. Mehr als 1 Gigawattstunde Speicherkapazität. Das Projekt Ogrezeni, eine Grünstrom-Hybridanlage im Kreis Giurgiu im Südosten Rumäniens, wird mit seiner Inbetriebnahme zu einem Meilenstein für die rumänischen Ziele bei Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit. Gelegen im Kreis Giurgiu, setzt das Projekt bereits in seiner Entwicklungsphase neue Maßstäbe für Größenordnung, lokale Wertschöpfung und technologische Integration.

Vorzeigeprojekt: Lokale Wertschöpfung und umfassende Umsetzung

Ein Projekt dieser Größenordnung vom Reißbrett in die Praxis umzusetzen, stellt eine gewaltige Aufgabe dar. Der offizielle Baubeginn erfolgte im März 2026 in Zusammenarbeit mit der Enevo Group, einem rumänischen EPC-Unternehmen. Das gesamte Projekt – einschließlich der PV-Anlage, des Netzanschlusses und des Batteriespeichersystems (BESS) – wird somit vollständig innerhalb der lokalen Wertschöpfungskette errichtet. Durch den Einsatz regionaler Ingenieurs- und Baufachkräfte vermeidet das Projekt zudem viele der üblichen Engpässe in den globalen Lieferketten.

Die Teams vor Ort verfolgen einen äußerst ambitionierten Zeitplan und streben die Fertigstellung sowie die Inbetriebnahme für das zweite Quartal 2026 an. Manuel Maier, Enerys Projektmanager für Ogrezeni, erläutert die operativen Realitäten vor Ort: „Projekt Ogrezeni ist nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Umsetzung ein Vorzeigeprojekt: Wir werden die PV-Anlage mit hochwertigen Komponenten führender Anbieter der Branche errichten, ein Team ausgewiesener Experten für die Umsetzung aufstellen und mit bewährten, erfahrenen Partnern zusammenarbeiten.“

Ogrezeni construction startBaustart des Hybridprojekts in Ogrezeni im Mai 2026.

Technische Spezifikationen der Hybridanlage Ogrezeni

Die logistische Koordination über ein derart weitläufiges Areal hinweg ist außerordentlich anspruchsvoll. „Trotz seiner Größe und der Verteilung auf 24 Cluster über eine Fläche von nahezu 1.000 Hektar wird die größte Herausforderung in der Bauphase darin bestehen, sämtliche Arbeitsabläufe bis zur Inbetriebnahme zu koordinieren“, so Manuel Maier. Und er fügt hinzu: „Das definitive Highlight dieses Projekts wird die 400-kV-Netzinfrastruktur mit zwei 300-MVA-Transformatoren sowie dem vor Ort installiertem BESS mit 534 MW / 1.068 MWh sein, wodurch Ogrezeni tatsächlich zu einem einzigartigen Projekt wird.“

Der Standort kombiniert großflächige Solarstromerzeugung, Batteriespeicherung und Hochspannungs-Netzinfrastruktur in einer integrierten Hybridanlage. Um dem Sonnenverlauf zu folgen und den täglichen Ertrag zu optimieren, werden die PV-Module auf einachsigen Nachführsystemen (Trackern) von Nextracker montiert. Währenddessen übernimmt Chint Power die komplexe Umwandlung in netzkonformen Strom durch Wechselrichter und Mittelspannungsstationen.

Gesellschaftliche Wirkung: Lokale Vorteile über Ökostrom hinaus

Enerys Eckpfeiler in der Projektphilosophie ist die Überzeugung, dass die Energiewende den Menschen und der Umwelt vor Ort aktiv zugutekommen muss. Das Projekt Ogrezeni geht daher weit über die bloße Erzeugung von Ökostrom hinaus. Um integrative, gerechte und vielfältige Gemeinschaften zu fördern, umfassen die bis dato initiierten Projekte beispielsweise die Renovierung des örtlichen Fußballplatzes an der Oberschule „Aurel Solacolu“. Zu den weiteren geplanten Maßnahmen gehört die Installation von lokalen Gemeinschafts-PV-Anlagen, womit sichergestellt wird, dass auch die unmittelbare Nachbarschaft direkt von den Vorteilen der Solarenergie profitiert.

Darüber hinaus legt das Projekt Ogrezeni einen starken Fokus auf langfristige Bildung im Bereich Nachhaltigkeit. Es ist geplant, an Grund- und weiterführenden Schulen Bildungsprogramme zu initiieren, die Themen wie erneuerbare Energien, allgemeine Gesundheit und Sicherheit – mit besonderem Augenmerk auf Verkehrs- und Straßensicherheit – sowie Artenvielfalt behandeln.

Biodiversität, Renaturierung und Agri-PV-Potenzial

Aus ökologischer Sicht ist das Projekt darauf ausgelegt, mit dem lokalen Ökosystem im Einklang zu stehen. Die Strategie zur Förderung der Biodiversität und zur Renaturierung umfasst systematische Überwachung sowie ein ehrgeiziges Projekt zur Wiederherstellung von Lebensräumen, das auf langfristig positive Effekte für die Artenvielfalt abzielt. Im Hinblick auf innovative Konzepte der Doppelnutzung von Flächen wird das Gelände zudem ein Agri-PV-Pilotprojekt beinhalten, welches die landwirtschaftliche Nutzung mit der Solarenergiegewinnung kombiniert, um den Nutzen der Fläche zu maximieren, ohne dabei regionale, traditionelle Landwirtschaft zu verdrängen.

Grüne Finanzierung und regionale Versorgungssicherheit

Unterstützt durch eine grüne Projektfinanzierung in Höhe von 460 Millionen Euro, die kürzlich mit einem Konsortium internationaler Banken abgeschlossen wurde, stellt Ogrezeni einen gewaltigen Sprung nach vorn für die regionale Energiesicherheit und die Modernisierung des Stromnetzes dar.

Wichtige technische Daten:

  • Installierte Leistung: 762 MWp
  • Batteriespeicherkapazität: über 1 GWh
  • Flächenaufteilung: 24 Cluster auf fast 1.000 ha
  • Netzinfrastruktur: 400-kV-Netzinfrastruktur mit zwei 300-MVA-Transformatoren
  • PV-Module: 1.160.000 PV-Module (650/655/660 Wp) des Herstellers Longi Solar
  • Nachführsysteme: einachsige Nachführsysteme (Tracker) von Nextracker
  • Wechselrichter: 1.697 Wechselrichter (350 kVA)
  • Mittelspannungsstationen: 80 Mittelspannungsstationen von Chint Power
  • Erwartete jährliche Produktion: 1.100 GWh pro Jahr
  • Versorgte Haushalte: ca. 651.326 Haushalte
  • Jährliche Emissionseinsparungen: rund 288.375 Tonnen CO2-Äquivalente

FAQ

Wie groß ist das Hybridprojekt Ogrezeni?
Das Projekt umfasst rund 762 MWp installierte Leistung und mehr als 1 GWh Batteriespeicherkapazität, was es zu einem der größten Hybridprojekte Europas macht.

Wie viel Ökostrom wird das Projekt Ogrezeni erzeugen?
Es wird eine jährliche Produktion von 1.100 GWh erwartet, was ausreicht, um etwa 651.326 Haushalte zu versorgen, während jährlich rund 288.375 Tonnen CO2-Äquivalente an Emissionen eingespart werden.

Wie unterstützt das Projekt Ogrezeni die lokale Gemeinschaft? 
Das Projekt unterstützt die Gemeinde vor Ort durch frühe soziale Initiativen, geplante Gemeinschafts-PV-Anlagen, Bildungsprogramme und Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität.

TEXT: MICHI REICHELT
FOTOS: ENERY

Strategische Bedeutung: Stabilität für Bulgariens Stromnetz

Mit der Inbetriebnahme des Batteriespeichersystems (BESS) Nova Zagora setzt Enery einen wichtigen Schritt für ein flexibleres und stabileres Energiesystem in Bulgarien. Die Anlage stärkt die Stabilität des Stromnetzes und schafft neue Möglichkeiten für die Integration erneuerbarer Energien in Bulgarien.

Im Südosten Bulgariens ist in den vergangenen Monaten ein Projekt entstanden, das für das Energiesystem des Landes eine neue Dimension eröffnet. In Nova Zagora hat Enery, Key Player in der bulgarischen Energiewende, ein großes Batteriespeichersystem in Betrieb genommen – ein Projekt, dessen Bedeutung für zuverlässige, leistbare Stromlieferung gerade in volatilen Zeiten wie diesen enorm ist. Mit der Inbetriebnahme des Speichers im März 2026 setzt Enery somit einen weiteren bedeutenden Schritt beim Ausbau erneuerbarer Energien in Bulgarien – und darüber hinaus.

Technische Daten des Batteriespeichers Nova Zagora

Die Anlage in Nova Zagora wurde als eigenständiger Batteriespeicher konzipiert. Damit wird sie zum größten BESS-Projekt im gesamten CEE-Raum – und zu einem der größten in Europa.

Zentrale technische Daten:

  • Gesamtkapazität: 601,8 MWh
  • Leistung: 150 Megawatt
  • Infrastruktur: 120 Container mit jeweils 5,015 Megawattstunden Speicherkapazität
  • Netzanbindung: bestehende 33/110-kV-Umspannanlage am Standort
  • Transformatorleistung: 150 MVA mit 30 Transformatorstationen mit jeweils 5,140 MVA Leistung

Die Netzanbindung erfolgt über eine bestehende Umspannanlage am Standort mit einer Spannungsebene von 33/110 kV und einer installierten Transformatorleistung von 150 MVA, wodurch die direkte Integration in das Übertragungsnetz ermöglicht wird. Die Anlage umfasst 30 Transformatorstationen mit jeweils 5,140 MVA Leistung, die die notwendige Spannungsumwandlung und Netzanbindung für die Batteriecontainer gewährleisten.

„Die Umsetzung des BESS Nova Zagora erfordert eine präzise Koordination der baulichen und elektronischen Arbeitsabläufe, von der Installation der Batteriecontainer und Transformatorstationen bis hin zur Integration in die 33/110-kV-Umspannanlage am Standort“, erklärt dazu Dimcho Dimov, Site Manager und Head of Monitoring Control Room. „Es ist ein technisch anspruchsvolles Projekt, aber genau das macht es so spannend. Zu sehen, wie die verschiedenen Komponenten zu einer vollständig funktionierenden Speicheranlage zusammenfinden, die zur Netzstabilität und zur Integration erneuerbarer Energien beiträgt, ist ein gutes Gefühl.“

Innovative grüne Finanzierung und strategische Partnerschaften

Auch wirtschaftlich steht das Projekt auf einem soliden Fundament. Für die Umsetzung konnte Enery ein Green-Financing-Paket mit der DSK Bank AD sichern. Die Finanzierung unterstützt gezielt Investitionen in nachhaltige Energieinfrastruktur und unterstreicht die strategische Bedeutung des Projekts. Ein weiterer zentraler Bestandteil der kommerziellen Struktur ist ein Virtual Power Purchase Agreement (VPPA) mit dem internationalen Energieunternehmen Vitol. Diese Vereinbarung schafft zusätzliche Planungssicherheit und unterstützt die langfristige wirtschaftliche Stabilität des Projekts.

Neben seiner Bedeutung für das Energiesystem hat das Projekt auch eine starke regionale Dimension. Während der Bauphase arbeiteten zahlreiche lokale Unternehmen und Fachkräfte an der Umsetzung der Anlage. Gleichzeitig stärkt die neue Infrastruktur die Energieversorgung der Region langfristig.

Energiewende in Zentral- und Osteuropa vorantreiben

Für Enery ist das Projekt Teil einer größeren Vision: den Ausbau erneuerbarer Energien in Zentral- und Osteuropa aktiv voranzutreiben und gleichzeitig innovative Lösungen für die Integration und Optimierung anzubieten.

Stoyan Petrov, Leiter O&M bei Enery Bulgarien, sieht darüber hinaus in Projekten wie dem BESS Nova Zagora einen wichtigen Schritt zur Stärkung des operativen Enery-Portfolios in Bulgarien. „Aus Sicht von O&M bringen großskalige Batteriespeicher eine neue Dimension in Energieanlagen: Sie ergänzen nicht nur die erneuerbare Stromerzeugung, sondern verbessern gleichzeitig die Flexibilität des Netzes. Während unser Portfolio im Land weiter wächst, wird die Integration fortschrittlicher Technologien wie BESS eine zentrale Rolle dabei spielen, eine zuverlässige, effiziente und zukunftsfähige Energieinfrastruktur sicherzustellen.“

Mit der Inbetriebnahme im März 2026 wird das BESS Nova Zagora somit zu einem wichtigen Knotenpunkt für Flexibilität im bulgarischen Stromnetz. Projekte wie dieses belegen, wie Speichertechnologien das Energiesystem stärken und die Energiewende beschleunigen können, wie Projektmanager Valentin Valkov betont: „Nova Zagora ist deshalb ein so spannendes Projekt, weil es die Zukunft der Energiesysteme repräsentiert. Als Projektmanager habe ich die Möglichkeit, mit interdisziplinären Teams zu arbeiten – von Engineering und Beschaffung über Bau bis hin zur Netzintegration – und gleichzeitig ein Projekt umzusetzen, das eine zentrale Rolle beim Ausgleich der erneuerbaren Stromerzeugung spielen wird. Teil eines Projekts zu sein, das technische Komplexität, Innovation und einen echten Beitrag für den Energiesektor vereint, ist eine ganz besondere Motivation.“

FAQ

Was ist der größte Batteriespeicher in CEE?
Das BESS Nova Zagora in Bulgarien, entwickelt von Enery, ist mit 601,8 MWh Kapazität derzeit das größte Batteriespeichersystem im CEE-Raum.

Wie unterstützt BESS die Energiewende?
Battery Energy Storage Systems (BESS) stabilisieren das Stromnetz, indem sie überschüssige erneuerbare Energie speichern und bei hoher Nachfrage wieder abgeben. Dadurch wird die Integration erneuerbarer Energien erleichtert und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduziert.

Wann ging das BESS Nova Zagora in Betrieb?
Die Anlage wurde im März 2026 vollständig in Betrieb genommen.

TEXT: MICHI REICHELT
FOTO: ENERY

Während die globalen Öl- und Gasmärkte empfindlich auf geopolitische Krisen reagieren, vollzieht sich in den europäischen Stromsystemen ein tiefgreifender Wandel. Trotz massiv gestiegener Gaspreise haben sich die Strommärkte als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen – was vor allem auf den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien zurückzuführen ist, die als Puffer gegen externe Krisen fungieren.

Als Mitbegründer und CEO von Enery treibt Richard König die Energiewende in Zentral- und Osteuropa bereits seit Jahren maßgeblich voran. In diesem Expertentalk* thematisiert er die Entkoppelung der Energiepreise von fossilen Brennstoffen sowie die dringende Notwendigkeit, bürokratische Hürden bei der Elektrifizierung abzubauen. Zudem erläutert er, wie Enery das regional größte Portfolio an Batteriespeichern (BESS) nutzt, um Industriekunden in CEE rund um die Uhr mit Grünstrom zu versorgen.

Welche Auswirkungen sehen Sie – abgesehen von Preissteigerungen – aufgrund der Lage am Golf auf den Energiemärkten?

Die jüngsten geopolitischen Spannungen haben einmal mehr die Resilienz der europäischen Strommärkte unterstrichen. Selbst als die Gaspreise dramatisch angestiegen sind und sich zeitweise verdoppelt haben, fielen die Erhöhungen bei den Strompreisen mit etwa 25 bis 30 % deutlich moderater aus. Diese Entkopplung ist maßgeblich auf den bereits hohen Anteil erneuerbarer Energien im System zurückzuführen.

Auch wenn dieser Konflikt nicht von Dauer sein sollte: Was ist das entscheidende Signal, insbesondere für das stark von Öl- und Gasimporten abhängige Europa? Und wie werden sich die Energiepreise entwickeln, da man aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energien eigentlich mit sinkenden Kosten gerechnet hatte?

Die zentrale Botschaft für Europa ist eindeutig: Der forcierte Ausbau erneuerbarer Energien hat nicht nur aufgrund des Klimas Priorität, sondern ist eine strategische Notwendigkeit für Energiesicherheit und Preisstabilität. Solar- und Windkraft sowie wachsende Speicherkapazitäten fungieren als Puffer gegen äußere Einflüsse und verringern die Abhängigkeit von volatilen fossilen Brennstoffmärkten. Insgesamt werden künftige Erschütterungen des Stromsystems dank der im letzten Jahrzehnt geschaffenen Kapazitäten und der geplanten Speicherinvestitionen wahrscheinlich geringere Auswirkungen haben als in der Vergangenheit.

Richard König, CEO EneryRichard König, CEO Enery

Obwohl wir bereits zwei Kriege erleben, die massiven Einfluss auf die Energiepreise haben, ist aber auf europäischer Ebene kein Rückgang des Verbrauchs fossiler Brennstoffe zu verzeichnen, und die Elektrifizierung scheint zu stagnieren. Welche Lösungen sehen Sie hier, auch für den lokalen Markt?

Aus unserer Sicht mangelt es nicht an Lösungen, sondern an der Umsetzungsgeschwindigkeit. Der Verbrauch fossiler Brennstoffe bleibt hoch, weil die Elektrifizierung, der Netzausbau und die Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien aufgrund hoher bürokratischer Hürden noch immer zu langsam vorangehen. Der politische Wille und die Umsetzung einer „elektrifizierten“ Industrie sind nicht entschlossen genug. Die Priorität muss darauf liegen, den Ausbau erneuerbarer Energien durch vereinfachte Genehmigungen und einen gesicherten Netzzugang zu beschleunigen, während gleichzeitig die Elektrifizierung in der Industrie, im Wärmesektor und im Verkehr aktiv unterstützt wird. Parallel dazu sind Investitionen in Speicher und Netzinfrastruktur essenziell, um die nötige Flexibilität zu gewährleisten.

Auf lokaler Ebene bedeutet dies, sich auf bereits rentable Projekte zu konzentrieren – insbesondere im Bereich Solar und Speicher – und sich dabei an die Netzbedingungen und regulatorischen Vorgaben anzupassen. Letztlich sind erneuerbare Energien der effektivste Weg, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Die zentrale Herausforderung besteht nun darin, deren Skalierung zu beschleunigen.

Beobachten Sie im aktuellen geopolitischen Kontext eine steigende Nachfrage nach Erneuerbaren-Projekten?

Wir verzeichnen ein wachsendes Interesse an integrierten Projekten, insbesondere an solchen, die die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen mit Speicherlösungen kombinieren. Der aktuelle geopolitische Kontext unterstreicht die Notwendigkeit von Energiesicherheit und Planbarkeit in jeder Hinsicht – sowohl bei der Erzeugung als auch bei den Preisen. Dies schlägt sich in einem verstärkten Interesse der Industriekunden an langfristigen Verträgen nieder. Diese Dynamik bestätigt den Marktwandel hin zu anspruchsvolleren Modellen, bei denen die Portfolio- und Produktionsoptimierung essenziell werden und reine Photovoltaik-Projekte allein oft nicht mehr ausreichen.

Apropos Speicherlösungen: Welche Pläne verfolgt Enery in Bezug auf Batteriespeichersysteme in Mittel- und Osteuropa?

Wir haben derzeit etwa 700 MWh an eigenen Batterien in Betrieb und rund 4 GWh an Batterien von Drittanbietern zur Portfoliooptimierung unter Vertrag. Damit betreiben und handeln wir bereits heute das größte Batterieportfolio in Zentral- und Osteuropa. In den kommenden Monaten errichten wir zwei weitere Großprojekte mit einer Kapazität von insgesamt 1,8 GWh und bauen unser Geschäft mit der Portfoliooptimierung für Dritte weiter aus. Batterien sind entscheidend für die Energiesicherheit, die Netzstabilität und die Senkung der Systemkosten. Zudem helfen sie dabei, Kunden rund um die Uhr mit erneuerbarer Energie zu erschwinglichen Preisen zu versorgen. Unser Batterieportfolio ermöglicht es uns, unser Angebot für Kunden konsequent weiterzuentwickeln.

*Ein Teil dieses Interviews erschien zuerst in Ziarul Financiar (https://www.zf.ro/).

TEXT: MICHI REICHELT
FOTOs: ENERY

Wenn Enery erklärt, dass die Mitarbeitenden das wichtigste Kapital des Unternehmens sind, ist das keine leere Floskel: Mit über 30 vertretenen Nationalitäten spiegelt Enery die integrative und globale Unternehmenskultur wider und lebt tagtäglich die Expertise und Leidenschaft dieses diversen Teams. Niemand weiß das besser als Tuba Ersoy. Durch ihre mehr als 20-jährige internationale Führungserfahrung im Bereich Human Resources (HR) die sie branchenübergreifend in international tätigen Unternehmen gesammelt hat, erkennt die Personalchefin von Enery die weitreichende Bedeutung von Green Jobs. Sie weiß, welche Fähigkeiten erforderlich sind, um das kommende Jahrzehnt im Bereich der erneuerbaren Energien erfolgreich zu gestalten. In diesem Expertentalk erläutert Tuba Ersoy, wie es Enery gelingt, Nachhaltigkeit fest in der Unternehmenskultur zu verankern, die besten Köpfe zu finden und über alle Grenzen hinweg schlagkräftige Teams aufzubauen.

Wie wichtig sind Green Jobs heutzutage, insbesondere in Mittel- und Osteuropa?

Tuba Ersoy: Green Jobs bilden das Herzstück der Energiewende. Sie verwandeln Herausforderungen im Klima- und Energiebereich in konkrete Projekte mit messbarem Nutzen; ohne qualifizierte Fachkräfte ist diese Transformation schlichtweg nicht machbar. Vor allem in der CEE-Region sind erneuerbare Energien weit mehr als nur ein Umweltthema geworden. Vielmehr handelt es sich mittlerweile um eine strategische Priorität, die eng mit Energieunabhängigkeit, Resilienz und langfristiger Wettbewerbsfähigkeit verknüpft ist. Dies verleiht Green Jobs zudem eine tiefe Sinnhaftigkeit. Die Mitarbeitenden wissen um die Bedeutung ihrer Arbeit, und diese gemeinsame Mission schafft einen starken Zusammenhalt über Teams, Ländergrenzen und Abteilungen hinweg. Das ist einer der Gründe, warum das Interesse an Nachhaltigkeit über alle Altersgruppen und unterschiedliche Berufsfelder hinweg stetig wächst.

Welche Fähigkeiten sind notwendig und welche werden in den kommenden Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnen?

Heute erfordert der Erfolg im Bereich der erneuerbaren Energien eine Kombination aus technischem Fachwissen, Projektmanagement, einem profunden Verständnis für regulatorische Rahmenbedingungen sowie kaufmännischem Bewusstsein. Ebenso wichtig sind Kooperationsfähigkeit und die Kompetenz, funktionsübergreifend in einem internationalen, dynamischen Umfeld zusammenzuarbeiten. Mit Blick auf die Zukunft wird das Anforderungsprofil noch vielschichtiger: Hybride Systeme, Batteriespeicher und digitale Lösungen erfordern ein ausgeprägtes Systemdenken anstelle von isoliertem Fachwissen. Datenkompetenz, Automatisierung und das digitale Anlagenmangement werden zunehmend an Relevanz gewinnen, während gleichzeitig Anpassungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung sein wird. Da sich Technologien, Märkte und Vorschriften rasant weiterentwickeln, werden kontinuierliches Lernen, Umschulung und die Übernahme von Verantwortung über traditionelle Rollengrenzen hinweg die wahren Leistungsträger von morgen auszeichnen.

Sinnstiftung und Nachhaltigkeit werden im Sektor der erneuerbaren Energien oft hervorgehoben. Wie stellst du sicher, dass diese Werte im Arbeitsalltag auch tatsächlich gelebt werden?

Bei Enery ist Nachhaltigkeit weder ein abstraktes Konzept noch eine reine Kommunikationsmaßnahme; sie ist integraler Bestandteil unserer täglichen Arbeit, den wir in klare Erwartungen und messbare Maßnahmen übersetzen. Nachhaltigkeitsbezogene Ziele sind fest in unseren Leistungskennzahlen (KPIs) verankert, wodurch unsere übergeordnete Mission direkt an Leistung, Verantwortlichkeit und Eigeninitiative gekoppelt ist. Dies macht das Thema zu einer gemeinsamen unternehmerischen Verantwortung, anstatt es nur einem einzigen Unternehmensbereich zu überlassen. Darüber hinaus haben wir stets ein offenes Ohr für unsere Belegschaft: Unsere regelmäßigen Mitarbeiterbefragungen zeigen, dass die Angestellten diese Werte in ihrem Arbeitsalltag sehr deutlich spüren.

Das Portfolio von Enery umfasst Photovoltaik, Windkraft und Hybridprojekte mit Batteriespeichern. Wie wirkt sich dies auf Recruiting, Weiterbildung und Personalplanung aus?

Wir müssen weit über klassische Rollendefinitionen hinausdenken: Da Solar-, Wind- und Hybridsysteme jeweils spezifische technische, regulatorische und betriebliche Herausforderungen mit sich bringen, suchen wir nach Fachkräften, die fundierte Expertise mit einer Aufgeschlossenheit für interdisziplinäre Zusammenarbeit vereinen. Bei der Rekrutierung legen wir daher sowohl auf Fachwissen als auch auf ausgeprägte Soft Skills großen Wert. Wir benötigen Fachleute für Ingenieurwesen, Netzintegration, Speichertechnologien und digitale Systeme; gleichzeitig schätzen wir Menschen, die den gesamten Lebenszyklus eines Projekts – von der Entwicklung bis zur Anlagenmanagement – verstehen. Aus personeller Sicht ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung unerlässlich: Mit der zunehmenden Bedeutung hybrider Lösungen wird die Personalplanung strategischer, da wir nicht nur für den heutigen Bedarf einstellen, sondern auch ganz gezielt nach den Kompetenzen suchen, die für unsere nächste Wachstumsphase erforderlich sind.

Enerys Teams vereinen zahlreiche Nationalitäten, Fachdisziplinen und kulturelle Hintergründe. Wie prägt diese Diversität die Führung, die Zusammenarbeit und die Entscheidungsfindung bei Enery?

Diversität ist eine unserer größten Stärken. Heute arbeiten in unserem Unternehmen Kolleginnen und Kollegen aus 33 verschiedenen Nationen, was unsere Sichtweise auf Herausforderungen und Chancen ganz natürlich erweitert. Dies erfordert eine integrative Führung, Transparenz und eine starke länderübergreifende Kommunikation; Führungskräfte müssen ein Umfeld schaffen, in dem unterschiedliche Perspektiven gefördert werden und ein Konsens durch offenen Dialog entsteht. Vielfalt steigert die Qualität der Zusammenarbeit und der Entscheidungsfindung: Wenn operative, kaufmännische und strategische Teams dieselbe Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten, werden Entscheidungen in der Regel fundierter, zukunftsorientierter und belastbarer. Professionell gemanagt, ist dieser Perspektivenmix ein echter Wettbewerbsvorteil.

Apropos Wettbewerb: Wie positioniert sich Enery als attraktiver Arbeitgeber?

Im Bereich der erneuerbaren Energien reicht das Gehalt allein niemals aus: Die Menschen wollen den gesellschaftlichen Wert ihrer Arbeit verstehen, und genau das ist einer der größten Pluspunkte von Enery. Unsere Angestellten können klar erkennen, wie ihr Beitrag die Energiewende und die Energiesicherheit in Europa fördert. Zudem bieten wir Wachstumschancen, Eigenverantwortung und internationale Perspektiven. Als schnell wachsendes Unternehmen, das in verschiedenen Märkten und mit diversen Technologien agiert, bietet Enery seinen Mitarbeitenden die Möglichkeit, an komplexen Projekten mitzuwirken und schon früh echte Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig ist Glaubwürdigkeit von immenser Bedeutung: Arbeitnehmende suchen nach transparenter Führung, klaren Werten und einer Unternehmenskultur, der sie vertrauen können. In diesem Sinne basiert unsere Positionierung als Arbeitgeber auf einer Kombination aus Sinnhaftigkeit, beruflicher Entwicklung und unternehmerischer Energie.

Mittel- und Osteuropa ist eine äußerst vielfältige Region. Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich daraus für die Personalbeschaffung, die Führung und die Unternehmenskultur?

Die CEE-Region zeichnet sich durch eine enorme wirtschaftliche, kulturelle und regulatorische Vielfalt aus, was sowohl Komplexität als auch große Chancen mit sich bringt. Da jeder Markt sein eigenes Entwicklungstempo, spezifische Merkmale im Talentpool und eigene geschäftliche Erwartungen aufweist, müssen Einstellungsstrategien und Führungsansätze lokal angepasst werden. Was in einem Land funktioniert, lässt sich nicht blind auf ein anderes übertragen; gleichzeitig ist diese Vielfalt ungemein bereichernd. Sie vergrößert unseren Talentpool, stärkt die interkulturelle Zusammenarbeit und erhöht die Resilienz der Organisation. Eine unserer wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Konsistenz nicht mit Uniformität verwechselt werden darf. Ein starkes Arbeitgeberversprechen („Employer Value Proposition“) benötigt einen klaren gemeinsamen Kern, muss aber auch ausreichend Flexibilität aufweisen, um lokalen Gegebenheiten gerecht zu werden.

Was macht Enery aus Ihrer Sicht zu einem herausragenden Arbeitgeber, und wie erleben die Mitarbeitenden das Unternehmen heute?

Was Enery wirklich auszeichnet, ist die gelungene Verbindung aus einer kraftvollen Mission und außergewöhnlichen Menschen. Unsere Teams werden oft als leidenschaftlich, intelligent, hilfsbereit, ergebnisorientiert und hoch motiviert beschrieben. Wie unsere internen Umfragen zeigen, erleben die Mitarbeitenden Enery als eine dynamische, kooperative und schnell wachsende Organisation, in der Eigeninitiative gefördert wird und neue Ideen rasch umgesetzt werden können. Sie schätzen den Handlungsspielraum, der ihnen eingeräumt wird, die unternehmerische Geschwindigkeit bei der Entscheidungsfindung sowie eine unterstützende Unternehmenskultur, die auf offenem Feedback und Inklusion basiert. Viele erwähnen zudem unsere starke regionale Präsenz in Mittel- und Osteuropa, unsere solide Finanzkraft sowie effektive Technologien als wichtige Erfolgsfaktoren. Alles in allem schafft dies ein Arbeitsumfeld, in dem talentierte Fachkräfte sinnvolle Beiträge leisten und gleichzeitig gemeinsam mit der Organisation wachsen können.

Abschließend: Warum begeistert es Sie persönlich, mit und für Enery zu arbeiten?

Was mich am meisten motiviert, ist die Möglichkeit, in einem dynamischen und unternehmerischen Umfeld zu etwas Bedeutungsvollem beizutragen. Enery verbindet starke wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit einer Arbeit, die eine echte, langfristige Wirkung erzielt. Außerdem finde ich es überaus inspirierend, an der Seite von außergewöhnlichen Menschen aus vielen verschiedenen Nationen und mit diversen Hintergründen zu arbeiten, die allesamt Energie, Fachwissen und neue Perspektiven einbringen. Für mich als HR-Expertin ist es unglaublich erfüllend, ein so talentiertes und zielstrebiges Team zu unterstützen und gleichzeitig am Aufbau einer Organisation mitzuwirken, die in der gesamten Region stetig wächst. Dies in einem Unternehmen tun zu dürfen, dessen Mission wirklich von Bedeutung ist, empfinde ich als ein ganz besonderes Privileg.

TEXT: MICHI REICHELT
FOTO: ENERY

Ohne Batteriespeicher (BESS) keine Energiewende. Dass dies kein leerer Stehsatz der Energiebranche ist, davon zeigen sich Experten wie Lukas Stühlinger überzeugt. Der Gründer und Managing Partner von FINGREEN, einem Beratungsunternehmen für Green Finance und Green Tech Investement, blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Finanzierung grüner Projekte und Technologien zurück. Er nimmt im Enery-Gespräch zu den Chancen und Herausforderungen von BESS Stellung – in Österreich und darüber hinaus.

Welche Rolle spielen Batteriespeicher aktuell in Österreich?

Lukas Stühlinger: In Österreich stecken BESS noch in den Kinderschuhen. Es sind 2025 viele Projekte entwickelt und eingereicht worden, bisher kam aber nur eine Handvoll davon zur Umsetzung. Da die ganze Branche hier erst am Anfang steht, waren Netzbetreiber und Behörden nämlich mit den Einreichungen regelrecht überfordert. Und jetzt trennt sich die die Spreu vom Weizen: Unternehmen, die das energiewirtschaftliche Know-how haben, die Branche kennen, die rechtlichen Grundlagen sowie die Fragen der Energievermarktung beherrschen, werden eine entscheidende Rolle am Markt spielen.

Wenn man am Anfang steht, sind die Möglichkeiten derzeit doch besonders groß, zu reüssieren?

Natürlich, und diese Möglichkeiten gehen in zwei Richtungen. Einerseits in Richtung Standalone-Projekte, also Speichersysteme, die direkt an den Umspannwerken errichtet werden, und andererseits Co-Location-Projekte: Das Zubauen einer PV- oder Windkraftanlage zum Batteriespeicher. Die große Welle an Projekten ist bereits im Anrollen, – die Umsetzung wird aber noch ein wenig dauern.

Warum?

Das hat mit der legistischen Umsetzung zu tun. Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) spielt dabei natürlich eine wesentliche Rolle, es setzt den Rahmen neu und legt dadurch fest welche Projekte dann zur Umsetzung kommen und welche nicht. Es sind aber noch viele Detailthemen offen, die von der E-Control als zuständige Behörde in Verordnungen gegossen werden müssen. Dabei geht es insbesondere um die Frage der Befreiung von den Netzentgelten. Das ElWG sieht diese Möglichkeit für Batteriespeicher – generell für Energiespeicher, aber speziell für BESS – vor. Wenn der Speicher systemdienlich ist, wird der Strombezug unter gewissen Voraussetzungen netzentgeldbefreit sein. Die E-Control als zuständige Behörde ist gerade dabei, die Definition der Systemdienlichkeit auszuformulieren, erste Vorschläge liegen bereits vor und werden heiß diskutiert. Welche Projekte wirtschaftlich umsetzbar sind, wird sich dann daraus definieren.

Mit welchen Erlösen kann man dann rechnen?

Die Vermarktung basiert auf drei Säulen. Das eine ist der Day-Ahead-Markt, der tägliche Markt. Zu Mittag, wenn viel Photovoltaik-Strom erzeugt wird, sind die Preise niedrig, am Abend höher. Somit verbleibt der Strom zu „billigen“ Zeiten im Speicher, wenn er teurer wird, wird er ins Netz eingespeist. Damit hat man eine natürliche Logik, wie man den Speicher befüllt und entleert. Dann gibt es die Intraday-Vermarktung, bei der man entlang der gleichen Ladekurve untertags viele kleine Differenzennutzen kann. Das ist deutlich kleinteiliger, aber man kann auf kurzfristige Preisspitzen reagieren. Vermarktungsmöglichkeit drei ist der Regelenergiemarkt. Hier geht es im Wesentlichen um das Ausgleichen von Differenz zwischen der prognostizierten und der tatsächlichen Erzeugung. Und nun wird die Frage sein: Wie wirkt sich die Regulierung der E-Control auf diese drei Säulen aus? 

Zur Co-Location: Werden BESS in Verbindung mit Photovoltaik den PPA-Markt retten?

Ich würde es nicht als Rettung bezeichnen. Photovoltaik-PPAs kämpfen mit der Problematik der volatilen Preise – und da kann man mit Speichern gegensteuern. Stelle ich BESS zu meiner Photovoltaikanlage, erhöht sich einerseits der Wert meiner Erzeugung. Andererseits kann ich beispielsweise auch ganz gezielt Preisspitzen vorbeugen, weil ich eben die zusätzliche Flexibilität habe. Das heißt, ich habe viel mehr Optionen als mir Photovoltaik allein bieten kann. Dadurch steigt das Interesse an hybriden Lösungen stark an. Man sieht bereits in anderen Ländern, dass das Thema Fahrt aufnimmt, um damit auch die PPAs attraktiver zu machen.

Wie ist die Situation in CEE?

In Ländern wie Bulgarien oder Rumänien gibt es eine richtige Speicherstrategie. Da ist man einfach viel weiter als in Österreich, da werden die ganz großen Projekte bereits gebaut. Enery ist hier ja ganz vorne mit dabei – mit Großprojekten in Bulgarien, Rumänien oder Estland. Es herrscht in CEE ein ganz anderer Schwung, den wir aber auch in Österreich haben werden. Wir sehen das schon in der Projektentwicklung, wir sehen es noch nicht am Feld, aber es kommt.

Damit dieser Schwung kommt: Was wünschst sich der Experte abseits der ElWG?

Das ElWG ist in Ordnung, es beinhaltet alles, was für den Ausbau benötigt wird. Worauf es jetzt wirklich ankommt: Wie schnell und wie präzise die E-Control jetzt in den Verordnungen und den Folgegrundlagen die notwendigen Weichen stellt. Das ist jetzt entscheidend. Viele Projekte sind in den Startlöchern – und wenn man sich jetzt bis Zeit lässt, die Rahmenbedingungen festzulegen, dann werden diese Projekte nicht zeitnah umgesetzt. Es braucht Speicherprojekte aber, weil wir einen erhöhten Flexibilitätsbedarf in Österreich haben.

Und in Richtung Regulatorik?

Regulatorik ist gerade in Österreich immer langsamer als die tatsächliche Entwicklung, sie braucht zwei, drei Jahre, um Entwicklungen wieder zu korrigieren. Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt hierzulande. Die österreichische Energiegesetzgebung bedarf einer Zweidrittelmehrheit im Parlament, das heißt sie braucht Zeit – und Kompromisse; in Deutschland geht das mit einfacher Mehrheit viel schneller. Das alte ElWOG stammt aus dem Jahr 2010; und wenn ein neues Gesetz mehr als 15 Jahre braucht, dann ist das bei der dynamischen Entwicklung des Energiebereichs einfach zu langsam. Natürlich kann man weniger Regulierung fordern, ich denke aber, es geht vor allem darum, schneller reagieren zu können.

Wie ist die Situation über Österreich hinaus?

Es finden gerade die Verhandlungen zum European Grids Package statt. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage der Verteilung der Kosten beim Netzausbau zwischen den Staaten. Die Vision ist „One Grid. One Price“, aber das wird wohl noch ein wenig dauern.

Ein Blick in die Zukunft: Wo steht Österreich energietechnisch in fünf Jahren?

Für mich steht fest, dass es in fünf Jahren keine erneuerbare Energieanlage ohne Speicher gibt. Die Frage ist nur, ob man dann auch Lösungen findet, um saisonale Differenzen auszugleichen. Aber ich bin lange genug in der Energiewirtschaft, um zu sehen, dass die Entwicklung viel zu dynamisch – und immer wieder überraschend – ist, um konkrete Szenarien vorhersagen zu können. Vor zwei Jahren beispielsweise haben noch wenige das Thema Batteriespeicher im Fokus gehabt, weil die Systeme noch zu teuer waren und die Volatilitäten im Strommarkt so nicht absehbar waren. Man kann am Energiesektor eigentlich immer nur schauen, Lösungen für aktuelle Themen zu finden.

TEXT: MICHI REICHELT
FOTOS: ENERY, FINGREEN/Marlene Rahmann

Der rapide Ausbau erneuerbarer Energien verändert die Strommärkte grundlegend. Photovoltaik und Windkraft liefern saubere Energie nicht immer dann, wenn sie gebraucht wird; diese Volatilität führt zu starken Preisschwankungen. „Das Stromsystem in ganz Europa braucht daher flexible Speicherlösungen“, erklärt Raphaela Hein, Enerys Power Market Expert & BESS Project Manager. Lösungen, die Enery über seine Enery Portfolio Optimization (EPO) anbietet, dem Expert:innenteam für Erneuerbaren-Optimierung und -Handel. „Unser Portfolio erstreckt sich von Profit-Share zwischen Batteriebesitzer und Enery als Betreiber bis zum Tolling, bei dem der BESS-Besitzer eine fixe Gebühr erhält, kombiniert mit einer Beteiligung an zusätzlichen Markterlösen, so Raphaela Hein. Für Investoren und Banken schafft das planbare Cashflows, während gleichzeitig Upside-Potential erhalten bleibt.

Know-how & Flexibilität

Darüber hinaus vereint EPO Dienstleistungen wie Optimierung der Ausgleichsenergie, PPA-Beratung, Energiehandel, Asset-Management oder datenbasierte Marktanalyse. Rund 660 Megawatt erneuerbare Energieanlagen, etwa 735 Megawattstunden Batteriespeicher sowie mehr als 780 Gigawattstunden grüner Stromlieferungen werden derzeit durch EPO optimiert oder vermarktet. „Dazu zählen Anlagen unterschiedlicher Typen und Größen, von 5 MWh bis hin zu einem der größten Batteriespeichersysteme Europas, verteilt auf drei Märkte“, so Petya Dimova, Head of EPO. „Zusätzlich haben wir weitere 3 GWh Speicherkapazität bereits vertraglich gesichert, deren Inbetriebnahme bis Juni 2026 erfolgen wird.“ Die Aktivitäten des Teams erstrecken sich über verschiedene CEE-Märkte, darunter Österreich, Bulgarien, Rumänien, Tschechien und Estland. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, wie Raphaela Hein betont: „Wir haben früh Erfahrung in internationalen Märkten gesammelt, die heute als Referenz für Speicheroptimierung gelten. Das hilft uns, neue Projekte schneller wirtschaftlich stabil zu machen. Zudem können wir flexibel auf individuelle Kundenwünsche eingehen. Das hebt uns vom Mitbewerb ab.“

Raphaela Hein, Petya Dimova, EPOPetya Dimova (l.), Head of EPO, und Rapahela Hein, Power Market Expert & BESS Project Manager.

„Mit leistungsbasierten Erlösen, bankfähigen Tolling-Modellen sowie hybriden und Spread-Hedging-Vereinbarungen – mit Laufzeiten von einem bis sieben Jahren – gilt EPO in unseren Märkten als bevorzugter und verlässlicher Optimierungspartner“, so Petya Dimova. „Unsere BESS-Plattform ermöglicht eine vollständig automatisierte, marktübergreifende Optimierung rund um die Uhr auf Spot- und Regelenergiemärkten. Dadurch lassen sich attraktive Margen für die Anlagen erzielen.“

Höhere Erlöse & reduziertes Risiko

Technologisch setzt Enery auf automatisiertes Multi-Market-Trading. Batteriespeicher werden parallel in verschiedenen Marktsegmenten eingesetzt, etwa im Day-Ahead-Markt, im Intraday-Handel sowie in den Regelenergiemärkten aFRR, mFRR und FCR. Unterstützt wird dies durch KI-basierte Prognosemodelle, die unter anderem Preisentwicklungen, Lastverläufe und Netzsituationen analysieren. Handelsalgorithmen optimieren anschließend rund um die Uhr den Einsatz der Speicher. Für Betreiber bedeutet das nicht nur höhere Erlöse, sondern auch eine deutliche Reduktion operativer Risiken.

Darüber hinaus gewinnt die Kombination von Batteriespeichern mit erneuerbaren Energieanlagen zunehmend an Bedeutung. Besonders im Kontext von Power Purchase Agreements (PPAs) können Speicher wirtschaftliche Stabilität schaffen. „Eine große Sorge bei Photovoltaik-PPAs ist ja, dass die Capture Rates weiter nachgeben. Speichersystem können das ausgleichen”, so Raphaela Hein. Nachsatz: “PV und Batterie sind ein natürlicher Hedge“. Dadurch lassen sich erneuerbare Projekte besser finanzieren, während Abnehmer von stabileren Preisen profitieren. Hybridlösungen aus Solar-, Wind- und Speicherprojekten gehören deshalb zu den wachstumsstärksten Bereichen im EPO-Portfolio.

Professionalität & Wirtschaftlichkeit

Auch regulatorisch entwickelt sich der Markt dynamisch. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen, klarere Definitionen für Batteriespeicher und angepasste Netzentgelte verbessern vielerorts die Investitionssicherheit. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb zu. „Die Goldrausch-Zeit mit extrem hohen Margen geht langsam vorbei“, sagt Hein. „Aber mit professioneller Optimierung bleiben Speicher wirtschaftlich sehr attraktiv.“ Entscheidend wird daher künftig das Know-how, Speicher intelligent in verschiedene Märkte und Geschäftsmodelle zu integrieren.

BESS Enery, Container„Mit professioneller Optimierung bleiben Speicher wirtschaftlich sehr attraktiv“, so Raphaela Hein.

Gleichzeitig verändert sich die Rolle von Batteriespeichern grundsätzlich. Sie sind nicht mehr nur Backup-Technologie oder Netzstabilisator, sondern entwickeln sich zu aktiven Marktinstrumenten. Mit zunehmender Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Wärme steigt der Bedarf an Flexibilität weiter. Batteriespeicher können Lastspitzen ausgleichen, erneuerbare Energien besser integrieren und zusätzliche Einnahmen aus Systemdienstleistungen generieren. Professionelle Optimierung wird damit zu einem zentralen Erfolgsfaktor.

„Speicher sind ein zentraler Baustein der Energiewende“, fasst Hein zusammen. „Mit der richtigen Optimierungsstrategie lassen sich wirtschaftlicher Erfolg und Systemnutzen verbinden.“ Für Betreiber bedeutet das eine klare Perspektive: Wer seine Speicher aktiv und professionell vermarktet, kann langfristig stabile Erlöse erzielen und gleichzeitig zur Transformation des Energiesystems beitragen.

TEXT: MICHI REICHELT
FOTOS: ENERY


Die Senkung Ihrer Kosten und CO2-Emissionen kann eine große Herausforderung darstellen. Mit einem virtuellen Stromabnahmevertrag (VPPA) können Sie jedoch jahrelang kostengünstige erneuerbare Energie sichern und eine nachhaltigere Zukunft gestalten. Für jedes Unternehmen, das einen Stromabnahmevertrag nutzen möchte, bietet ein VPPA eine langfristige Preisstabilität und unterstützt Projekte für erneuerbare Energien, die in das Stromnetz einspeisen.

In einer Ära von Rekordinflation, Energieknappheit und rapide steigenden Preisen für fossile Brennstoffe suchen Unternehmen in Mittel- und Osteuropa nach neuen Wegen zur Kostenreduzierung. Gleichzeitig setzen viele Unternehmen Dekarbonisierung und Netto-Null-Emissionen als ESG-Ziele (Environmental, Social & Governance), was den Bedarf an einem besseren Zugang zu sauberem Strom vorantreibt.

Eine sich in der Entwicklung befindliche Lösung ist der virtuelle Stromabnahmevertrag (VPPA) für Unternehmen, auch bekannt als finanzieller PPA.

Was ist ein virtueller Stromabnahmevertrag (VPPA)?

Ein Virtueller Stromabnahmevertrag (VPPA) ist ein langfristiger Stromkaufvertrag (typischerweise 10–25 Jahre) zwischen einem Erzeuger erneuerbarer Energie und einem Unternehmen (dem Abnehmer).

Im Gegensatz zu einem physischen Stromabnahmevertrag (PPA) liefert ein virtueller PPA den Strom nicht direkt vom Erzeuger an den Abnehmer. Sie müssen nicht dasselbe Stromnetz teilen und können je nach Regulierung und Energiemarkt sogar in einem anderen Land angesiedelt sein.

Ein Beispiel für einen VPPA:

Enery entwickelt für Unternehmen einen virtuellen Stromabnahmevertrag (VPPA), in dessen Rahmen erneuerbare Energie in Bulgarien für einen Abnehmer in Rumänien erzeugt wird. Diese Vereinbarung ermöglicht es unseren Kunden in Rumänien, sich eine deutlich sauberere Energieversorgung zu sichern, die andernfalls nicht verfügbar gewesen wäre, und unterstützt somit die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens.

Bei einem virtuellen PPA wird der Strom zu Marktpreisen am Spotmarkt gekauft und verkauft und anschließend zum vereinbarten Referenzpreis abgerechnet. Hier ist ein weiteres Beispiel-Szenario:

  • Ihr Unternehmen unterzeichnet mit uns, Enery, einen virtuellen PPA zu einem Fixpreis von 70 € pro Megawattstunde (MWh).
  • Wenn wir unseren Ökostrom um 80 €/MWh auf dem Markt verkaufen und Ihr Unternehmen den Strom ebenfalls zu 80 €/MWh einkauft, erstatten wir Ihnen im Rahmen der Abrechnung 10 €/MWh zurück.
  • Auf ähnliche Weise zahlt Ihr Unternehmen die Differenz an Enery, falls Ihr Marktpreis unter den PPA-Preis fällt, was einen finanziellen Schutz vor Marktvolatilität gewährleistet.

Die VPPAs von Enery für Unternehmen sind zertifizierte Verträge für erneuerbare Energie. Jede Megawattstunde (MWh) an sauberem Strom wird mit einem Herkunftsnachweis geliefert, die den Käufern volle Transparenz bietet und ihre Ziele zur Emissionsreduzierung unterstützt.

Was sind die Vorteile eines virtuellen Stromabnahmevertrags (VPPA)?

Ein virtueller PPA verschafft Ihrem Unternehmen Zugang zu sauberer Energie zu kalkulierbaren Kosten, ohne dass Kapital im Voraus erforderlich ist. Enery übernimmt die Verantwortung für die Entwicklung, den Bau und den Betrieb der Anlage. Diese Vereinbarung ermöglicht es Ihrem Unternehmen, erneuerbare Energien effizient zu implementieren, und bietet die folgenden operativen und strategischen Vorteile:

  1. Stabile Energiepreise: Ein VPPA mit Fixpreis schützt Ihr Unternehmen vor Marktvolatilität und unerwarteten Schwankungen der Stromkosten.
  2. Keine Infrastrukturmodifikationen erforderlich: Die saubere Energie wird virtuell bezogen, wodurch keine Änderungen an bestehenden elektrischen Systemen notwendig sind.
  3. Unterstützung von Nachhaltigkeitszielen: Erleichtert den Fortschritt bei ESG-Verpflichtungen, Netto-Null-Zielen und umfassenderen Nachhaltigkeitsstrategien des Unternehmens.
  4. Beitrag zur Entwicklung erneuerbarer Energien: Virtuelle PPAs finanzieren neue Solar- und Windprojekte und unterstützen damit den Netzausbau sowie die breitere Umstellung auf nachhaltige Energie.

Warum ist ein virtueller PPA eine kluge Wahl für Ihr Unternehmen?

Da ein virtuelles PPA kein gemeinsames Stromnetz mit einer Anlage für saubere Energie erfordert, kann Ihr Unternehmen auf erneuerbare Energie zugreifen, unabhängig davon, wo Sie sich befinden.

VPPAs sind auch ideal für große Organisationen mit mehreren Standorten, einschließlich Unternehmen mit mehreren Lagern und Fabriken oder Restaurantketten, die über verschiedene Regionen verteilt sind. Statt an jedem Standort eine Anlage für erneuerbare Energien zu installieren oder mehrere physische PPAs abzuschließen, bündelt ein virtueller PPA die finanziellen und ökologischen Vorteile in einem einzigen Vertrag und bietet Schutz vor Preisschwankungen.

Enery hat kürzlich einen virtuellen PPA mit dem Bierunternehmen Asahi Europe & International unterzeichnet. Dieser wird rumänische Brauereien mit sauberer Energie aus einem neuen 50-MW-Solar-PV-Park versorgen. Die Vereinbarung ist ein entscheidender Schritt in der Mission des Unternehmens, seine 19 europäischen Brauereien bis 2030 klimaneutral zu gestalten.

Ein grüner PPA verbessert zudem Ihr Unternehmensimage und demonstriert Ihr Engagement für einen gesünderen Planeten. Da immer mehr Kunden, Mitarbeitende und Stakeholder Unternehmen mit starken Umweltwerten suchen, bietet ein PPA eine Lösung, die Ihnen einen Vorteil im globalen Wettbewerb verschafft.

Die Vorteile einer Kooperation mit einem Produzenten von sauberer Energie

Der Aufbau einer langfristigen Branchenpartnerschaft mit einem Entwickler erneuerbarer Energien erschließt zusätzliche finanzielle und umwelttechnische Vorteile. Hat Ihr Unternehmen keine Dachfläche für eine Solar-PV-Anlage zur Verfügung oder befindet es sich in einer Region mit begrenzter Sonneneinstrahlung? Ein virtueller PPA für Unternehmen liefert saubere Energie aus einem größeren, effizienteren Energieprojekt mit höherer Produktion.

Enery realisiert Projekte an spezifischen geografischen Standorten. Dieser Ansatz minimiert die Kosten für jede gelieferte Megawattstunde (MWh) und stellt sicher, dass der PPA-Vertrag einen Mehrwert für das Unternehmen liefert und gleichzeitig die langfristigen Nachhaltigkeitsziele unterstützt.

Unsere Projekte für saubere Energie unterstützen zudem eine vielfältige Palette von Gemeinschafts- und Biodiversitätsinitiativen. Sie stellen sicher, dass Ihr PPA einen größeren Mehrwert für Mensch und Umwelt schafft und eine bessere Welt für künftige Generationen gestaltet, indem Ihr Unternehmen aktiv in grüne Energie investiert.

Durch die Zusammenarbeit mit einem vertrauenswürdigen Anbieter wie Enery erhält Ihr Unternehmen Zugang zu verlässlichen Stromlieferungen und profitiert von den folgenden Vorteilen:

  • Niedrigere langfristige Energiekosten
  • Reduzierter CO2-Fußabdruck
  • Stabile Preisgestaltung
  • Stärkere Nachhaltigkeitsnachweise
  • Unterstützung des Ausbaus erneuerbarer Energien

Bereit für eine nachhaltige Zukunft? Sprechen Sie mit den PPA-Experten von Enery

Der virtuelle PPA macht die Umstellung auf nachhaltigen Strom einfach und erschwinglich, allerdings nur mit dem richtigen Branchenpartner.

Enery ist einer der führenden Entwickler von Projekten für erneuerbare Energien in Mittel- und Osteuropa. Wir verfügen über ein wachsendes Portfolio von Null Emission Projekten, darunter Solar-PV, Windkraft, Wasserkraft und Batteriespeicher.

Gemeinsam können wir eine maßgeschneiderte Vereinbarung erstellen, die Ihre finanziellen und Nachhaltigkeitsziele erfüllt und gleichzeitig eine zuverlässige Lösung für die Beschaffung von sauberem Strom bietet. Wenn Sie mehr über einen virtuellen PPA erfahren möchten, kontaktieren Sie unser Team, um zu erfahren, wie Ihr Unternehmen profitieren kann.