Expertentalk: Wie Batteriespeicher auch künftig für Erlöse sorgen

11. März 2026

Batteriespeicher sind in der Erneuerbaren-Branche kein Nice-to-have mehr, sie sind ein Must-have: Nachdem die rechtlichen Grundlagen für ihren Einsatz mittlerweile gegeben sind, müssen nun konkrete Rahmenbedingungen folgen – und zwar so schnell wie möglich, wie Energiewirtschaftsexperte Lukas Stühlinger fordert.

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Ohne Batteriespeicher (BESS) keine Energiewende. Dass dies kein leerer Stehsatz der Energiebranche ist, davon zeigen sich Experten wie Lukas Stühlinger überzeugt. Der Gründer und Managing Partner von FINGREEN, einem Beratungsunternehmen für Green Finance und Green Tech Investement, blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Finanzierung grüner Projekte und Technologien zurück. Er nimmt im Enery-Gespräch zu den Chancen und Herausforderungen von BESS Stellung – in Österreich und darüber hinaus.

Welche Rolle spielen Batteriespeicher aktuell in Österreich?

Lukas Stühlinger: In Österreich stecken BESS noch in den Kinderschuhen. Es sind 2025 viele Projekte entwickelt und eingereicht worden, bisher kam aber nur eine Handvoll davon zur Umsetzung. Da die ganze Branche hier erst am Anfang steht, waren Netzbetreiber und Behörden nämlich mit den Einreichungen regelrecht überfordert. Und jetzt trennt sich die die Spreu vom Weizen: Unternehmen, die das energiewirtschaftliche Know-how haben, die Branche kennen, die rechtlichen Grundlagen sowie die Fragen der Energievermarktung beherrschen, werden eine entscheidende Rolle am Markt spielen.

Wenn man am Anfang steht, sind die Möglichkeiten derzeit doch besonders groß, zu reüssieren?

Natürlich, und diese Möglichkeiten gehen in zwei Richtungen. Einerseits in Richtung Standalone-Projekte, also Speichersysteme, die direkt an den Umspannwerken errichtet werden, und andererseits Co-Location-Projekte: Das Zubauen einer PV- oder Windkraftanlage zum Batteriespeicher. Die große Welle an Projekten ist bereits im Anrollen, – die Umsetzung wird aber noch ein wenig dauern.

Warum?

Das hat mit der legistischen Umsetzung zu tun. Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) spielt dabei natürlich eine wesentliche Rolle, es setzt den Rahmen neu und legt dadurch fest welche Projekte dann zur Umsetzung kommen und welche nicht. Es sind aber noch viele Detailthemen offen, die von der E-Control als zuständige Behörde in Verordnungen gegossen werden müssen. Dabei geht es insbesondere um die Frage der Befreiung von den Netzentgelten. Das ElWG sieht diese Möglichkeit für Batteriespeicher – generell für Energiespeicher, aber speziell für BESS – vor. Wenn der Speicher systemdienlich ist, wird der Strombezug unter gewissen Voraussetzungen netzentgeldbefreit sein. Die E-Control als zuständige Behörde ist gerade dabei, die Definition der Systemdienlichkeit auszuformulieren, erste Vorschläge liegen bereits vor und werden heiß diskutiert. Welche Projekte wirtschaftlich umsetzbar sind, wird sich dann daraus definieren.

Mit welchen Erlösen kann man dann rechnen?

Die Vermarktung basiert auf drei Säulen. Das eine ist der Day-Ahead-Markt, der tägliche Markt. Zu Mittag, wenn viel Photovoltaik-Strom erzeugt wird, sind die Preise niedrig, am Abend höher. Somit verbleibt der Strom zu „billigen“ Zeiten im Speicher, wenn er teurer wird, wird er ins Netz eingespeist. Damit hat man eine natürliche Logik, wie man den Speicher befüllt und entleert. Dann gibt es die Intraday-Vermarktung, bei der man entlang der gleichen Ladekurve untertags viele kleine Differenzennutzen kann. Das ist deutlich kleinteiliger, aber man kann auf kurzfristige Preisspitzen reagieren. Vermarktungsmöglichkeit drei ist der Regelenergiemarkt. Hier geht es im Wesentlichen um das Ausgleichen von Differenz zwischen der prognostizierten und der tatsächlichen Erzeugung. Und nun wird die Frage sein: Wie wirkt sich die Regulierung der E-Control auf diese drei Säulen aus? 

Zur Co-Location: Werden BESS in Verbindung mit Photovoltaik den PPA-Markt retten?

Ich würde es nicht als Rettung bezeichnen. Photovoltaik-PPAs kämpfen mit der Problematik der volatilen Preise – und da kann man mit Speichern gegensteuern. Stelle ich BESS zu meiner Photovoltaikanlage, erhöht sich einerseits der Wert meiner Erzeugung. Andererseits kann ich beispielsweise auch ganz gezielt Preisspitzen vorbeugen, weil ich eben die zusätzliche Flexibilität habe. Das heißt, ich habe viel mehr Optionen als mir Photovoltaik allein bieten kann. Dadurch steigt das Interesse an hybriden Lösungen stark an. Man sieht bereits in anderen Ländern, dass das Thema Fahrt aufnimmt, um damit auch die PPAs attraktiver zu machen.

Wie ist die Situation in CEE?

In Ländern wie Bulgarien oder Rumänien gibt es eine richtige Speicherstrategie. Da ist man einfach viel weiter als in Österreich, da werden die ganz großen Projekte bereits gebaut. Enery ist hier ja ganz vorne mit dabei – mit Großprojekten in Bulgarien, Rumänien oder Estland. Es herrscht in CEE ein ganz anderer Schwung, den wir aber auch in Österreich haben werden. Wir sehen das schon in der Projektentwicklung, wir sehen es noch nicht am Feld, aber es kommt.

Damit dieser Schwung kommt: Was wünschst sich der Experte abseits der ElWG?

Das ElWG ist in Ordnung, es beinhaltet alles, was für den Ausbau benötigt wird. Worauf es jetzt wirklich ankommt: Wie schnell und wie präzise die E-Control jetzt in den Verordnungen und den Folgegrundlagen die notwendigen Weichen stellt. Das ist jetzt entscheidend. Viele Projekte sind in den Startlöchern – und wenn man sich jetzt bis Zeit lässt, die Rahmenbedingungen festzulegen, dann werden diese Projekte nicht zeitnah umgesetzt. Es braucht Speicherprojekte aber, weil wir einen erhöhten Flexibilitätsbedarf in Österreich haben.

Und in Richtung Regulatorik?

Regulatorik ist gerade in Österreich immer langsamer als die tatsächliche Entwicklung, sie braucht zwei, drei Jahre, um Entwicklungen wieder zu korrigieren. Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt hierzulande. Die österreichische Energiegesetzgebung bedarf einer Zweidrittelmehrheit im Parlament, das heißt sie braucht Zeit – und Kompromisse; in Deutschland geht das mit einfacher Mehrheit viel schneller. Das alte ElWOG stammt aus dem Jahr 2010; und wenn ein neues Gesetz mehr als 15 Jahre braucht, dann ist das bei der dynamischen Entwicklung des Energiebereichs einfach zu langsam. Natürlich kann man weniger Regulierung fordern, ich denke aber, es geht vor allem darum, schneller reagieren zu können.

Wie ist die Situation über Österreich hinaus?

Es finden gerade die Verhandlungen zum European Grids Package statt. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage der Verteilung der Kosten beim Netzausbau zwischen den Staaten. Die Vision ist „One Grid. One Price“, aber das wird wohl noch ein wenig dauern.

Ein Blick in die Zukunft: Wo steht Österreich energietechnisch in fünf Jahren?

Für mich steht fest, dass es in fünf Jahren keine erneuerbare Energieanlage ohne Speicher gibt. Die Frage ist nur, ob man dann auch Lösungen findet, um saisonale Differenzen auszugleichen. Aber ich bin lange genug in der Energiewirtschaft, um zu sehen, dass die Entwicklung viel zu dynamisch – und immer wieder überraschend – ist, um konkrete Szenarien vorhersagen zu können. Vor zwei Jahren beispielsweise haben noch wenige das Thema Batteriespeicher im Fokus gehabt, weil die Systeme noch zu teuer waren und die Volatilitäten im Strommarkt so nicht absehbar waren. Man kann am Energiesektor eigentlich immer nur schauen, Lösungen für aktuelle Themen zu finden.

TEXT: MICHI REICHELT
FOTOS: ENERY, FINGREEN/Marlene Rahmann