Komplett solarbetrieben: Das ist das erste Solardorf in Indien 

Das im indischen Bundesstaat Gujarat gelegene Dorf Modhera lässt mit einem ganz besonderen Konzept der Stromversorgung aufhorchen: Das Dorf erzeugt mithilfe neu installierter Photovoltaikanlagen genügend saubere Energie, sodass alle Bewohner:innen völlig kostenlos mit grünem Strom versorgt werden können.
Solardorf Indien

Am Ufer des Flusses Pushpawati liegt der Jahrhunderte alte Sonnentempel von Modhera. Ein architektonisches Meisterwerk, das der Sonnengottheit Surya gewidmet ist. Da ist es nun allzu passend, dass die rund 1.300 Haushalte in diesem Dorf gänzlich mit Solarenergie versorgt werden. Der Umstieg auf erneuerbare Energien soll nicht nur das Leben in der Gemeinde verändern, sondern auch den Klimawandel bekämpfen. Der Bundesstaat und die nationale Regierung Indiens haben sich dabei zusammengetan, um Modhera zum ersten vollständig mit Photovoltaik ausgestatteten Dorf Indiens aufzurüsten. Dieses Vorhaben soll laut UN-News rund 9,7 Millionen US-Dollar gekostet haben.

In diesem Solardorf in Indien gibt’s Grünstrom für alle

Für eine grüne Stromversorgung wurden demnach Solarzellen auf die Dächer der Häuser der Bewohner:innen, der staatlichen Schulen, Bushaltestellen, Versorgungsgebäude, auf Parkplätze und sogar auf das Gelände des berühmten Sonnentempels gepflanzt. Genauer gesagt, wurde jedes private Gebäude mit einer 1-Kilowatt-PV-Anlage auf dem Dach ausgestattet. Dazu kommen 316 KW Solaranlagen auf verschiedenen Regierungsgebäuden und ein sechs Megawatt starkes bodenmontiertes Solarkraftwerk im nahegelegenen Dorf Sujjanpura.

Nicht zu vergessen das zusätzliche Batterie-Energiespeichersystem, das ebenfalls im Dorf Sujjanpura installiert ist. Sonnenstrom, der tagsüber produziert, aber erst in den Nachtstunden benötigt wird, wird hier zwischengespeichert. Da das Solardorf in Indien aber nur etwa ein Megawatt Strom verbraucht, speist das Dorf überschüssig produzierte Energie in das öffentliche Stromnetz ein – und beteiligt die Anwohner:innen an dem Gewinn. Sprich: Anstatt hohen Stromkosten ausgesetzt zu sein, können diese nun Geld durch die Einspeisung des Stroms verdienen.

„Früher, als es noch keine Solarenergie gab, musste ich einen riesigen Betrag für die Stromrechnung bezahlen – fast 2.000 Rupien. Aber mit der Installation der Solaranlage ist meine Stromrechnung jetzt null. In meinem Haus läuft jetzt alles vom Kühlschrank bis zur Waschmaschine mit Solarenergie. Ich bezahle jetzt nicht einmal eine Rupie Stromrechnung“, erklärt eine Bewohnerin des Dorfes ganz stolz.

Solardorf Indien
Das Solardorf ist vor allem für den Sonnentempel von Modhera bekannt. Neben genau diesem wurden solarbetriebene Straßenlaternen aufgestellt und Ladestationen für E-Autos angelegt.

Zu Ehren des Sonnengottes

„Die Idee hinter diesem Projekt ist, dass der Modhera-Tempel der Tempel des Sonnengottes ist und daher die gesamte Energie dieser Stadt und Gemeinde aus Solarenergie stammen sollte“, so Mamta Verma, Hauptsekretärin für Energie und Petrochemie in der Regierung von Gujarat.

Nahe dem religiösen Gebäude aus dem 11. Jahrhundert wurden solarbetriebene Straßenlaternen aufgestellt und Ladestationen für E-Autos angelegt. Außerdem findet beim Tempel jeden Tag eine 3D-Lichtshow zu Ehren des Sonnengottes statt – natürlich wird diese vollständig durch kostenlosen Sonnenstrom ermöglicht.

Weitere solarbetriebene Orte

Auch in einem Neubaugebiet in Austin, Texas in den USA entsteht gerade ein sehr ähnliches Projekt. Dabei handelt es sich um eine Siedlung mit dem passenden Namen „Sunhouse“, die exklusiv mit Solardächern, Powerwalls und Energiespeichern von Tesla ausgerüstet ist, um sich selbst mit Strom zu versorgen. Das einzigartige Selbstversorgerpaket ist aber kein Muss, sondern kann beim Kauf eines Hauses als Zusatzpaket gekauft werden. Die Häuser dort sollen zwischen 510.000 und 626.000 US-Dollar kosten. Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie eine unabhängige Energiegewinnung in Zukunft  funktionieren kann.

✅ TEXT: Sandra Rainer
✅ FOTOS: Unsplash | Anuj Yadav; Unsplash | Hardik Joshi
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