„Es braucht Öko-Industriezonen, um für die Industrie günstigen Strom erzeugen zu können!“

Die hohen Strompreise machen der heimischen Industrie immer mehr zu schaffen. Regional erzeugter Grünstrom könnte langfristig für Entlastung sorgen und gleichzeitig Unternehmen unabhängig machen. Doch dazu braucht es Öko-Industriezonen, fordert Enery-CEO Richard König.
Öko-Industriezonen

Es sind ernüchternde Zahlen, die kürzlich präsentiert wurden. Zusammengefasst besagen sie: Der Preis für Strom steigt in Österreich im Mai 2022 gegenüber dem Vormonat um 19,6 Prozent. Die Strompreise im Großhandel steigen somit ungebremst weiter und sind auch für Mai auf einem Rekordhoch. Wer also geglaubt hat, die Strompreisspirale sei bereits auf ihrem Höhepunkt angelangt, der irrt sich offenbar gewaltig.

Doch auch wenn diese Entwicklung die einzelnen Haushalte in Bedrängnis bringen kann, schlägt die Teuerung in der Industrie noch viel heftiger auf. So ist die Herstellung von Gütern wie Papier so teuer, dass manche Betriebe die Produktion vorläufig eingestellt haben. Kürzlich erst hat die Wellpappenbranche Alarm geschlagen: Hohe Energiekosten und Rohstoffknappheit bringen die Wellpappenindustrie ans Limit. „Diese Situation fordert all unsere Kräfte“, sagt etwa Stephan Kaar vom Forum Wellpappe Austria in einer aktuellen Presseaussendung.

Zeit für Öko-Industriezonen

Es ist also höchste Zeit, konkret an Lösungen zu arbeiten, meint Richard König, CEO des heimischen Grünstromerzeugers Enery. Sein Unternehmen betreibt in ganz Europa Photovoltaikparks in großem Stil und kann schon jetzt Grünstrom um gut ein Viertel günstiger anbieten, als es herkömmlichen Stromerzeugern gelingt. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, die heimische Industrie kompetitiv zu halten“, so der Enery-Chef. Schließlich seien die günstigen Grünstromtarife langfristige Preismodelle, die für Industriebetriebe somit auch über längere Zeiträume kalkulierbar sind.

Großes Aber: Die Zulieferung von Grünstrom aus ganz Europa geht zu Lasten der Netze und ist zudem bloß der Tatsache geschuldet, dass die österreichische Bürokratie großen Photovoltaikanlagen bis dato nicht sonderlich wohlgesonnen war. Daher schlägt König nun ein neues, für Politik und Anrainer*innen vielleicht leichter annehmbareres Konzept vor. Konkret fordert er sogenannte Öko-Industriezonen, also eigens gewidmete Flächen im Umfeld von Industriebetrieben, auf denen ausschließlich, aber schnell Grünstrom erzeugt werden darf.

Öko-Industriezonen
Das Unternehmen von Lukas Nemec und Richard König betreibt in ganz Europa Photovoltaikparks in großem Stil und kann schon jetzt Grünstrom um gut ein Viertel günstiger anbieten, als es herkömmlichen Stromerzeugern gelingt.

Schnell und günstig zu Grünstrom

Mit solchen Öko-Industriezonen könnten in der Tat auf einen Schlag mehrere Steine aus dem Weg geräumt werden. So würden die Unternehmen natürlich sehr schnell zu sauberem und günstigem Strom kommen. Außerdem würden die auf diese Art für Photovoltaikparks genutzten Flächen in Regionen angesiedelt sein, die so oder so schon allein durch die vorhandenen Industriegebäude optisch vorbelastet sind. „Das Argument, die Anlagen würden das Landschaftsbild beeinträchtigen, wäre dann auch vom Tisch“, sagt König.

Vor allem aber würde der Strom damit regional erzeugt werden, was bedeutet, dass keine Stromnetze genutzt werden müssen. „Die oft ins Treffen geführte mögliche Überlastung der Netze durch Grünstrom wäre damit ebenso obsolet“, betont König und verweist darauf, dass selbst bei einem Überschuss kein Strom eingespeist werden muss. „Wenn eine Einspeisung nicht möglich ist, können moderne Speichersysteme das Überangebot auffangen.“ Zumal im Industriebetrieb dieser Fall eher selten eintritt.

Öko-Industriezonen
Wussten Sie, dass in Enery-Solarparks Bienenvölker angesiedelt werden? Neben Grünstrom, wird hier also auch süßer Honig produziert.

Nun ist die Politik gefragt

Wenn die politischen Weichensteller*innen bei der Realisierung solcher Öko-Industriezonen rasch in die Gänge kommen, könnte man laut Enery-CEO Richard König sofort mit der Realisierung von großen Photovoltaikparks in unmittelbarer Nähe von Industriebetrieben loslegen und diese damit rasch entlasten. Schließlich ist so eine Anlage in der Größenordnung von 20 Hektar in nur vier Wochen errichtet– sofern alle Genehmigungen vorliegen. Das würde 20 Megawatt Leistung bedeuten. König geht in seinen Berechnungen allerdings noch weiter. Er sagt: „Man könnte die gesamten für Österreich geplanten 10.000 Megawatt binnen weniger Monate errichten.“ Enery und seine Marktbegleiter hätten längst ausreichend Flächen gesichert. Woran es hapert, sind die notwendigen Netzanschlüsse – und vor allem die Genehmigungen.

✅ TEXT: Johannes Stühlinger
✅ FOTOS: ENERY
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