„Wir wollen grünen Strom leistbar machen!“

Um die Energiewende zu schaffen, müssen wir auf Photovoltaik setzen. Aber was bedeutet das? Ferdinand Trauttenberg ist Österreich-Chef des in Europa agierenden Grünstromerzeugers Enery. Und der Mann hat eine klare Vision.
Ferdinand Trauttenberg

Man liest und hört derzeit viel über erneuerbare Energiegewinnung. Ihr setzt auf Photovoltaik. Was macht ihr genau?

Ferdinand Trauttenberg: Wir sind ein Stromproduzent, der aus erneuerbaren Energiequellen Strom generiert. Dabei liegt unser Fokus auf Photovoltaik. Und hier in Österreich arbeiten wir derzeit mit Hochdruck daran, Photovoltaik-Projekte zu entwickeln. Das heißt, wir suchen nach Flächen, um auf diesen großflächige Photovoltaik-Anlagen errichten und ans Netz bringen zu können. Diese müssen alle gewissen Kriterien entsprechen: schlechte Böden, vorbelastete Lagen, also an Autobahnen, Bahngleisen oder Deponien zum Beispiel.

Das heißt, wenn ich zehn Hektar brachliegendes Ackerland habe, ist das für Enery womöglich interessant?

Ferdinand Trauttenberg: So ist es. Wenn ich als Landwirt etwa Land habe, das nicht mehr ausreichend Ertrag liefert, können wir dabei helfen, dieses wieder nutzbar zu machen. Den Eigentümer sozusagen zusätzlich zum Energiewirt zu machen. Das heißt, wir pachten das brachliegende Land und zahlen dafür eine wesentlich höhere Pacht als üblicherweise für landwirtschaftliche Böden bezahlt wird. Oder der Grundbesitzer beteiligt sich selbst an der Anlage und verdient auch am produzierten Strom mit. Da bieten wir sehr individuelle Modelle an. Je nach Wunsch.

Wie lange wird dieses Land dann für die Stromernte genutzt?

Ferdinand Trauttenberg: Unsere Pachtverträge laufen zumindest 30 Jahre. Das ist die ungefähre Lebensdauer einer solchen Anlage. Dabei ist der Wartungsaufwand gering, den übernehmen wir auch zur Gänze. Das immer auch mit dem Ziel, dass die Anlage sogar noch länger gewinnbringend läuft.

Was heißt gewinnbringend? Geht es da im Hintergrund in Wahrheit um Förderungen?

Ferdinand Trauttenberg: Ich höre oft, dass dem so sei. Aber wir verfolgen da ein anderes Ziel: Wir wollen die besten Projekte entwickeln! Und das bedeutet für uns, dass sie ohne jegliche Förderung rentabel sind. Also: Nein, wir bauen auch ohne Förderung. Und wir bauen, weil wir davon überzeugt sind, dass das Produkt „Grüner Strom“ auf dem freien Markt richtig zu verkaufen ist. Aber das unterscheidet uns gewiss von allen anderen.

Viele Menschen fürchten sich vor großen Anlagen, die die Natur verschandeln würden. Was sagen Sie dazu?

Ferdinand Trauttenberg: Wenn wir davon reden, die besten Projekte machen zu wollen, bedeutet das auch, dass wir an genau diese Aspekte denken. Uns ist es ganz wichtig, dass kein Wildwuchs passiert und überall kleine Solarparks herumstehen. Deshalb haben wir ein eigenes Programm entwickelt, das uns dabei hilft, Flächen zu identifizieren, die schon von vornherein schwer einsehbar sind. Und natürlich alle anderen Kriterien erfüllen. Außerdem haben wir clevere Systeme etabliert, die dabei helfen, die Anlage zu verbergen. Spezielle Zäune etwa oder Hecken, die sich an den lokal vorhandenen Baumbestand anpassen.

Ferdinand Trauttenberg
Freiflächenanlagen entpuppen sich als Hotspot für bestäubungsfreundliche Pflanzen. Sprich: Kleine Bienen fühlen sich inmitten eines Solarparks sehr wohl.

Es wird immer wieder auch davon gesprochen, Photovoltaik und Landwirtschaft miteinander zu verbinden. Eine Option?

Ferdinand Trauttenberg: Diese Kombination macht aus unserer Sicht sehr viel Sinn. Schafe etwa lassen sich zwischen Solar-Paneelen wunderbar halten. Solche Anlagen betreiben wir bereits in Tschechien. Wir haben in Bulgarien eine eigene Bienenzucht in einem Solarpark und erzeugen unseren eigenen Honig. Eine Kombination mit dem Ackerbau ist etwas schwieriger, mit einer Beerenzucht etwa aber schon heute zielführend. Grundsätzlich lässt sich für alle Freiflächenanlagen aber eines sagen: Sie helfen der Umwelt nicht nur, weil sie sauberen Strom erzeugen!

Wie meinen Sie das genau?

Ferdinand Trauttenberg: Dass sich Flora und Fauna in diesen abgeschotteten Arealen erholen! Dazu muss man erwähnen, dass solche Anlagen von uns sehr gut strukturiert und auf die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Da gibt es Wildkorridore und Wasserstellen für Tiere – das gesamte Gebiet wird zu einem geschützten Biotop für Tiere und Pflanzen. Eine große Studie ist in Deutschland zu dem Ergebnis gekommen, dass die Biodiversität nicht nur steigt, sondern dass sich in der betroffenen Gegend bedrohte Arten wieder ansiedeln.

Bei diesen vielen Vorteilen stellt sich eine Frage: Warum haben wir nicht längst mehr Photovoltaik-Anlagen in Österreich?

Ferdinand Trauttenberg: Derzeit klemmt die Sache tatsächlich noch bei den Genehmigungsverfahren. Schon beim ersten Schritt – der Umwidmung der Flächen – wird die Sache schwierig. Das ist jeweils Landessache und unterliegt überall anderen Regeln. Aber auch der Anschluss ans Netz ist noch mit vielen Fragezeichen versehen. Hier muss Österreich wirklich Lösungen suchen und finden, um es Unternehmen wie Enery zu ermöglichen, Projekte schneller und vor allem richtig realisieren zu können.

Apropos: Der Slogan von Enery lautet „We do the right things right“. Sehen Sie sich als Weltverbesserer?

Ferdinand Trauttenberg: Am Ende schon (lacht). Wir wollen einen Beitrag leisten, um die Klimaziele zu erreichen. Wir wollen leistbare, grüne Energie erzeugen. Vor allem aber sind wir überzeugt davon, dass wir die Welt innerhalb der wirtschaftlichen Möglichkeiten verbessern können.

✅ INTERVIEW: Johannes Stühlinger
✅ FOTOS: ENERY; UNSPLASH/Hansjörg Keller
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