Solaranlagen hauchen Plastikabfall neues Leben ein

Das in Luxemburg ansässige Unternehmen DuPont Teijin Films verfolgt das Ziel, eine gut funktionierende Kreislaufwirtschaft in der Solarbranche zu schaffen, sodass Nachhaltigkeit und Ökobilanz weiter verbessert werden. Mit einer innovativen Modul-Rückseitenfolien aus recycelten Kunststoffabfall soll genau das funktionieren.
nachhaltige Rückseitenfolie

Ein Leben ohne Plastik ist in unserer modernen Welt kaum vorstellbar. Kunststoff ist leicht, billig und zudem auch langlebig. Doch genau das ist das Problem: Plastik wird nicht abgebaut, es muss vielmehr von Wind und Wellen zermahlen werden – und das dauert. Besonders lange halten sich etwa Plastikflaschen, die häufig erst nach 450 Jahren zerkleinert sind. Dass in Österreich jede Menge des langlebigen Produkts im Umlauf ist, verdeutlichen folgende Zahlen: 2015 lag der Bedarf an Kunststoffen hierzulande bei rund 1,03 Mio. Tonnen, etwa ein Drittel davon wurde nur für Verpackungen verwendet. Besonders häufig verwendete Kunststoffprodukte sind die bekannten Plastiksackerl und PET-Flaschen. Nun soll letzteres auch in der Solarbranche Einsatz finden.

Denn der Hersteller von Folien aus Polyethylenterephthalat (PET) und Polyethylennaphthalat (PEN) DuPont Teijin Films hat eine echt nachhaltige Rückseitenfolien namens „Mylar UVHPET“ für Solarmodule entwickelt. Diese soll bis zu 33 Prozent aus recyceltem Material bestehen – und zwar aus PET-Flaschen. Diese zukunftsweisende Solartechnik wurde bei der Preisverleihung des Intersolar AWARD im Zuge der The smarter E Industry Days im Juli 2021 nicht nur mit viel Lob belohnt, sondern auch mit dem Flagship Award der Solarindustrie selbst. Wir haben uns die Rückseite effektiver Solaranlagen darum genauer angesehen.

Nicht unbekannt, aber dennoch ganz neu

Die Wiederverwendung von recyceltem Kunststoff ist nicht ganz neu. Derzeit entstehen immer mehr Anwendungsfelder für die sinnvolle Wiederverwendung, etwa für mechanisch recycelte Materialien wie Verpackungen und Fasern. Warum zieht die Photovoltaik also erst jetzt nach? Ganz einfach: „Der Einsatz von recyceltem Material in anspruchsvollen Anwendungen, wie z. B. flexiblen Elektronik- und Photovoltaik-Folien, war bislang aufgrund der Verschlechterung der optischen, physikalischen und mechanischen Eigenschaften durch das mechanische Recycling nicht möglich“, erklärt Steve Davis, PV Market Manager bei DuPont Teijin Films.

Das Unternehmen setzt mit dem entwickelten Monomer-Recyclingprozesses bei genau diesem Problem an. Und so läuft’s ab: PET-Abfälle werden bei dem einzigartigen Verfahren abgebaut und zurück in die Einheit Bis(2-hydroxyethyl)terephthalat oder BHET umgewandelt – ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von PET. Die Eigenschaften des BHET sind nach Firmenangaben absolut identisch mit herkömmlichen Rückseitenfolien. Sprich: Ertragseinbußen sind demnach nicht zu befürchten.

nachhaltige Rückseitenfolie
Unzähliger solcher PET-Flaschen könnten schon bald Teil der nachhaltigen Stromerzeugung werden.

Völlig nachhaltige Solarbranche

Die Backsheet-Folien, so werden nachhaltige Rückseitenfolien auch genannt, sind laut Steve Davis, PV Market Manager bei DuPont Teijin Films, eine halogenfreie und kohlenstoffarme Alternative zu fluorierten Backsheets. Zudem soll die Folie mit recyceltem Inhalt den CO2-Fußabdruck maßgeblich reduzieren und vor allem dem Einweg-Kunststoffabfall einen weiteren Lebenszweck geben. Und eben genau diese nachhaltige Verwendung von Kunststoffabfällen passt zu den „Nachhaltigkeitsstrategien vieler Unternehmen sowie zu den ehrgeizigen Zielen von Gesetzgebern auf der ganzen Welt, die den Einsatz von recyceltem Material erhöhen wollen“, wie es vonseiten des Unternehmens heißt.

Denn trotz der offensichtlichen Umweltvorteile, die die Solarindustrie mit sich zieht, gibt es bis heute noch Herausforderungen bei der Nachhaltigkeitsbilanz und Entsorgung einiger Materialien. Mylar-Folien überzeugen im Vergleich zu anderen Rückseitenmaterialien bereits bei der Bereitstellung mit einem deutlich geringeren Kohlenstoff-Fußabdruck. Die Verwendung von 33 Prozent recyceltem Material reduziert laut DuPont Teijin Films diesen um weitere zehn Prozent. Darüber hinaus bietet der Einsatz des recycelten Materials eine hochwertige Anwendung für minderwertige Kunststoffabfälle. Sie landen also nicht einfach auf dem Müllberg, sondern eben auf Grünstromerzeugern. Für eine 1-Megawatt-Anlage können demnach über 16.000 PET-Flaschen wiederverwertet werden.

Eine begeisterte Jury

„Das System hat das Potenzial, zu einem geschlossenen Recyclingkreislauf für Solarmodule beizutragen, bei dem das Material gebrauchter Rückseitenfolien aufbereitet und wiederverwendet wird“, so die internationale Fachjury bei der Preisverleihung begeistert. Und auch ein Blick in die Zukunft verspricht Positives. Denn das Ziel des Unternehmens ist es, die Verwendung von recyceltem Material auf das gesamte Backsheet-Sortiment auszudehnen. Unabhängig von der Modultechnologie oder dem PV-Design soll die nachhaltige Rückseitenfolie in Zukunft im gleichen Preis- und Leistungsbereich wie konventionell hergestellte Rückseitenfolien liegen – und sich zusätzlich noch positiver auf Umwelt und Gesellschaft auswirken. Und wie heißt es doch: Auch ein schöner Rücken kann entzücken. In diesem Fall stimmen wir zu.

✅ TEXT: SANDRA RAINER
✅ FOTOS:  UNSPLASH /Biel MorroUNSPLASH / Jonathan Chng
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