Immer mit im Gepäck: das mobile Photovoltaik-Prüflabor

Regelmäßige Wartungen verlängern nicht nur die Lebensdauer von Solaranlagen, sondern verbessern auch deren Energieausbeute. Ein deutsches Unternehmen entwickelte nun das erste mobile Labor namens „PV TravelLab“ zur weltweiten Überprüfung von Photovoltaikmodulen.

Photovoltaikanlagen gelten als Energieträger der Zukunft. Die Naturstromerzeuger sind umweltschonend, äußerst robust und produzieren knapp 40 Jahre lang saubere Energie. Für den langfristig wirtschaftlichen Erfolg einer Photovoltaikanlage ist aber freilich die Qualität der Solarmodule ausschlaggebend. Daher gilt: Egal, ob bei der Errichtung, dem Erwerb oder der Wartung eines Solarkraftwerkes, eine detaillierte und regelmäßige Überprüfung der kompletten Anlage ist schlichtweg ein Muss. Erst dann kann eine Anlage ihre Dienste tatsächlich für viele Jahre erfolgreich erbringen.

Das Unternehmen MBJ Solutions GmbH gilt seit Jahren als Spezialist für Vorort-Prüfungen von Solarmodulen. Das Serviceunternehmen geht nun aber noch einen Schritt weiter: Gemeinsam mit TÜV Rheinland entwickelten die Expertinnen und Experten aus Deutschland das erste vollwertige und vollständig zerlegbare PV-Labor. Dieses soll Photovoltaikanlagen auf Herz und Nieren prüfen – und zwar überall. Denn das sogenannte „PV TravelLab“ wurde laut Entwickler*innen für den weltweiten Einsatz gefertigt. Reisefertig passt das mobile Labor immerhin in sieben Transportkoffer. Also: Es kann einfach als Reisegepäck im Frachtraum eines Flugzeugs transportiert werden.

 

Regelmäßiger Check-up empfehlenswert

 

Eine Solarstromanlage gilt grundsätzlich als wartungsarm. Warum sollten Anlagenbesitzer*innen die Grünstromerzeuger also überhaupt regelmäßig durchchecken lassen? Ganz einfach: Module sind tagein, tagaus dem jahres- und tageszeitbedingten Wechsel von Temperatur und Wetter ausgesetzt. Niederschlag, Wind und Schmutz können die Funktionstüchtigkeit und Leistung der Anlage beeinträchtigen. Dabei spielt vor allem der Standort der Anlage eine wichtige Rolle. Sind die Module etwa stärkeren Umwelteinflüssen ausgesetzt, ist eine Wartung potenziell häufiger nötig. Das ist zum Beispiel bei nahegelegenen Wäldern, Industrieanlagen, stark befahrenen Straßen, Baustellen oder Bauernhöfen der Fall.

Und bereits kleine Risse oder Zellabbrüche auf der Moduloberfläche können den Ertrag des Stromerzeugers maßgeblich mindern. Wartungsmitarbeiter*innen nehmen den Zustand der Technik folglich genau unter die Lupe, tauschen Verschleißteile aus und achten auf mögliche Beschädigungen. Auf diese Weise lassen sich Einbußen im Ertrag rechtzeitig erkennen. Wer ab und an für seine Solaranlage eine Wartung beauftragt, kann also langfristig Geld sparen und die Laufzeit der Technik maximieren.Der beste Zeitpunkt für diese Prüfung ist laut Expert*innen übrigens im Frühjahr – also genau jetzt.

 

PV TravelLab sorgt weltweit für funktionierende Anlagen

 

Doch was macht das neuartige Prüfverfahren von MBJ Solutions so besonders? Mit dem PV TravelLab hat der TÜV Rheinland ein Photovoltaik-Labor in Betrieb genommen, das nach Angaben der Prüfungsorganisation das erste vollständig zerlegbare und dennoch vollwertige PV-Labor weltweit ist. Mithilfe des zukunftsweisenden Systems sind Anlagenbesitzer*innen in der Lage,die Prüfung von Solarmodulen nach entsprechenden Normen direkt vor Ort durchzuführen, sei es bei der Anlieferung, kurz vor der Installation oder in bereits bestehenden Solarparks. Aufwendige Modul-Transporte zu ortsgebundenen Prüfstationen sind also überflüssig.

 

PV TravelLab
Mithilfe des mobilen PV TravelLab sollen sogar kleinste Risse und Zellbrüche identifiziert werden können.

Die Technik dahinter

 

Herzstück des mobilen Prüflabors ist der integrierte Rechner, der über eine Hardware gesteuert wird. Auf diesem läuft die ausgeklügelte Auswertungssoftware völlig autonom. Benötigte Ergebnisse stehen daher auch bereits vor Ort für eine detaillierte Überprüfung zur Verfügung.  Einzige Voraussetzung ist ein abdunkelbarer Prüfraum, beispielsweise ein leerer Fracht- oder Bürocontainer.

Das PV TravelLab ist jedenfalls für die Überprüfung von 150 bis 200 Modulen pro Tag ausgerichtet. Ganz besonders stolz ist MBJ Solutions auf die angewendete Messtechnologie. Der integrierte, nach neuestem Normen zertifizierte LED-Sonnensimulator sorgt für Messungen, die einem „normalen“ Testlabor gewiss in nichts nachstehen. Diese Lichtquelle soll für Leistungsmessungen mit sehr geringer Messunsicherheit sorgen – auch bei neuen Modul-Technologien. Mit einem Messbereich von 0 bis 250 Volt und 0 bis 20 Ampere können dem TÜV Rheinland zufolge sowohl hocheffiziente kristalline Module als auch Dünnschichtmodule gemessen werden.

 

Finde den Fehler

 

Die sogenannte Elektrolumineszenz-Messung, kurz EL-Messung, ist bei einer PV-Überprüfung nicht mehr wegzudenken. Mithilfe dieser können Produktionsfehler oder Defekte in bestehenden Solarmodulen schnell und kostengünstig identifiziert werden. Erst im Elektrolumineszenzbild werden sogenannte Micro-Cracks, also kleinste Risse und Zellbrüche, tatsächlich sichtbar. Diese sind mit bloßem Auge zweifellos nicht mehr zu erkennen.

Das entsprechende Modul wird bei der EL-Messung im PV TravelLabin dem auf Rollen gelagerten Messrahmen über die EL-Kameras geschoben. Zwei Kameras mit fünf Megapixeln erzeugen anschließend ein Gesamtmodulbild, in dem sich mögliche Beschädigungen schnell finden lassen. Sind erstmal alle Module geprüft, können Grünstromerzeuger auch weiterhin hoheErträge einfahren.

 

Fazit

 

Wir halten fest: Einmal im Jahr ist es Zeit für einen gründlichen Check-up – das gilt für die persönliche Gesundheit und eben auch für die eigene Photovoltaik-Anlage. Denn nur wenn die Kollektoren sauber und intakt sind, kann die Anlage die größtmögliche Strommenge produzieren. Und mit dem PV TravelLab hat das deutsche Unternehmen MBJ Solutions ein Reisegepäck der ganz besonderen – und ganz besonders praktischen – Art entwickelt, das genau dafür sorgt.

 

✅ TEXT: SANDRA RAINER
✅ FOTOS: UNSPLASH / SCIENCE IN HD ; MBJ SOLUTIONS GMBH
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