Weil der Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt!

Kohle, Gas, Sonne oder Wind: Strom kann heutzutage aus unterschiedlichsten Quellen gewonnen werden. Doch inwiefern unterscheiden sich diese? Und worauf muss besonders geachtet werden?

Ohne Strom wäre unsere technologisch geprägte Gesellschaft, salopp gesagt, aufgeschmissen. Er istzwarunsichtbarund unauffällig,aber dennoch von großer Bedeutung. Schließlich wird elektrische Energie heutzutage überall genutzt. Im Beruf, im Haushalt und natürlich auch im öffentlichen Leben. Doch woher kommt der Strom, der durch unsere Leitungen fließt?

Die Antwort auf diese Frage wirkt auf den ersten Blick einfach: Kraftwerke dienen uns natürlich als Energiequellen! Dass es diese gibt, weiß zwar jede*r. Dann ist aber auch schon bald Schluss mit der Erleuchtung. Wagen wir also kurz einmal einen Blick in die Fachliteratur. Da steht zu lesen: Als Energiequelle wird in der Energiewirtschaft und Energietechnik ein Energieträger oder ein Energiewandler bezeichnet. Dieser dient zur Gewinnung von Nutzenergie. Sprich: Aus diesen Quellen kann elektrischer Strom gewonnen werden. Grundlegend unterscheidet man zwischen zwei Arten der Energieerzeugung, jener aus konventionellen Brennstoffen und jener aus erneuerbaren Energieträgern. Und das heißt jetzt was? Eben. Also haben wir die einzelnen Bereiche unter die Lupe genommen.

Arten der Energieerzeugung: Erneuerbare Energiequellen

Die österreichische Energieerzeugungslandschaft befindet sich derzeit im Wandel. Nicht zuletzt deshalb, weil die Nachfrage nach elektrischer Energie stetig wächst, die Ressourcen jedoch begrenzt sind. Erneuerbare Energiequellen scheinen die Lösung für dieses Problem zu sein. Denn, wie der Name bereits verrät, versteht man unter sogenannten regenerativen Quellen Energieträger, die unendlich zur Verfügung stehen. Sprich: Energien, die sich entweder kurzfristig von selbst erneuern oder deren Nutzung nicht zur Erschöpfung der Quelle beiträgt. Also: Sie stehen uns unendlich zur Verfügung. 

Zu den Erneuerbaren zählen Solar- und Windenergie,Wasserkraft, Biomasse und Geothermie. Bereits heute leisten diese einen wesentlichen Beitrag zur heimischen Stromerzeugung. Mit einem Anteil von rund drei Viertel erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt die heimische E-Wirtschaft unangefochten an der Spitze. Zumindest im EU-Vergleich. Daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern. Schließlich bringt das Erreichen der langfristigen Klimastrategie einen massiven Ausbau des Erneuerbaren-Sektors mit sich. Das Ziel:  eine vollständige Emissionsneutralitätbis 2050, laut Expert*innen nur mit einem raschen Erneuerbaren-Ausbau erreichbar. Und: Diese auf den ersten Blick guten Zahlen muss man auch mit Vorsicht genießen! Sie resultieren nämlich vor allem aus der Tatsache, dass Österreich seit jeher auf Wasserkraft setzt – und diese eben auch eine erneuerbare, aber noch lange nicht umweltschonende Form der Energiegewinnung darstellt. Geht es etwa um das Thema Photovoltaik, hinkt Österreich im EU-Vergleich ziemlich hinten nach. 

Vorteile

Ganz klarer Vorteil der sauberen Stromerzeuger: Sie leisten einen wesentlichen Teil zum Schutz unseres Klimas. Schließlich sind sie zentral bei der Bekämpfung des Klimawandels und für die Gestaltung einer nachhaltigen Energiepolitik. Außerdem kann mithilfe der Erzeugung von Ökostrom die Versorgungssicherheit nachhaltig aufrechterhalten werden. Denn: Die Abhängigkeit von Rohstofflieferanten aus dem Ausland sinkt und die Wertschöpfung im Land steigt. Das ist auch gut so. Letztlich ist die Energieautarkie ein erklärtes Ziel des österreichischen Wirtschaftsministeriumsfür Energiepolitik.

Erneuerbare Anlagen tragen also nicht nur zum Klimaschutz, sondern eben auch zur Stärkung der heimischen Wirtschaftskraft bei. Saubere Energien sind weltweit vorhanden und müssen demnach keine langen Wege zu Verbraucher*innen zurücklegen. Außerdem wird durch die Installation sauberer Anlagen das Bewusstsein für Umweltschutz und Energiewende geschaffen. Aktuelles Stimmungsbarometer: hoffnungsvoll. Denn die österreichischen Klimaschutzambitionen treffen vermehrt auf Akzeptanz in der Bevölkerung. Bereits mehr als drei Viertel stehen dem grünen Umschwung zu erneuerbaren Energien sehr positiv gegenüber.

Nachteile

Als größter Nachteil erneuerbarer Energien galten lange Zeit die Kosten. Diese waren je Kilowattstunde (kWh) höher als bei fossilen Energieträgern. Außerdem müssen Anlagen errichtet und das Stromnetz an neue Formen der Energiegewinnung angepasst werden. Großes Aber: Die solare Stromerzeugung ist bereits heute die günstigste Möglichkeit, Strom zu erzeugen. Unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit sind erneuerbare Energien derzeit noch ein wenig komplizierter zu handhaben als konventionelle. Schließlich können einige erneuerbare Energien nicht rund um die Uhr bedarfsgerecht Strom liefern. Beispiel: Photovoltaik-Anlagen. Wenn keine Sonne scheint, produzieren sie keinen Strom. Ähnlich die Sache bei Windkraft-Anlagen: Wenn kein Wind weht, sieht hier die Sache ebenfalls eher düster aus. Doch auch diesem Problem kann leicht entgegengesteuert werden: Immer günstigere und größere Speichersysteme können diese Versorgungslöcher sehr einfach stopfen.

Österreich produziert zwar vermehrt Ökostrom, dennoch kann der inländische Bedarf nicht zu 100 Prozent gedeckt werden. Sprich: Der aktuelle Energiemix besteht auch aus importiertem Strom, der zusätzlich aus fossilen und teilweisen nuklearen Quellen stammt. Derzeit liegt der Anteil erneuerbarer Energie bei knappen 33 Prozent. In Zukunft muss noch viel mehr sauberer Strom erzeugt werden. 

Arten der Energieerzeugung: Konventionelle Energiequellen

Die klassische Form der Stromerzeugung erfolgt mithilfe konventioneller Energiequellen. Darunter versteht man Abbauproduktevon Tieren und Pflanzen, die bereits vor Millionen von Jahren gestorben sind. Für die Erzeugung von Strom werden diese konventionellen Brennstoffe schlichtweg verbrannt. Die dabei freigesetzte Energie wird in elektrischen Strom umgewandelt. Der Haken: Im Gegensatz zu regenerativen Energien sind Vorräte an konventionellen Quellen endlich. Sprich: Sie sind limitiert und können nicht wiederhergestellt werden. Konventionelle Energieträger werden innerhalb der nächsten 200 Jahre erschöpft sein, darin sind sich Expert*innen einig. Zu den sogenannten nicht erneuerbaren Quellen zählen Kohle, Erdgas und Erdöl, aber auch nukleare Brennstoffe wie Uran.

Was der Menschheit einst für die industrielle Revolution und den technischen Forstschritt brauchte, scheint heute jedoch immer mehr an Bedeutung zu verlieren. Konventionelle Energieträger können mit den Chancen und Möglichkeiten der erneuerbaren Stromerzeuger einfach nicht Schritt halten. 

Vorteile

Der Vorteil fossiler Brennstoffe liegt vor allem im Preis. Grund dafür ist die langjährige Nutzung und Weiterentwicklung dieser Technologie. Darum sind sie kostengünstig, gut gefördert und optimal aufbereitet. Außerdem können sie einfach über ganze Kontinente zu Endverbraucher*innen weitergeleitet werden. Ein weiterer großer Vorteil ist die kaum vergleichbare Versorgungssicherheit. Denn konventionell hergestellter Strom kann im Gegensatz zu erneuerbaren Energien völlig wetterunabhängig produziert werden. Eine lückenlose Stromversorgung ist folglich zu jeder Tages- und Jahreszeit möglich.

Nachteile

Gegen die Verwendung fossiler Brennstoffe spricht freilich der negative Einfluss auf das Klima und unsere Umwelt. Denn alle fossilen Brennstoffe enthalten Kohlenstoff. Dieser verbindet sich beim Verbrennungsprozess mit Sauerstoff, und das schädliche Treibhausgas Kohlendioxid (CO2)tritt als Resultat in die Atmosphäre ein. Die konventionelle Stromerzeugung trägt also Mitschuld an der globalen Erderwärmung. Die schmutzigste Energiequelle ist übrigens – trara! – Kohle. Doch auch immer wieder auftretende Ölkatastrophen, unter denen Meeresregionenjahrelangleiden, lassen an konventionellen Energieträgern zweifeln.

Ein weiterer Nachteil ist die Abhängigkeit der heimischen Stromversorger von Rohstofflieferanten aus dem Ausland. Interessante Info: 2019 wurden rund 8,59 Millionen Tonnen Rohöl nach Österreich importiert. Und das kostet natürlich. Im Jahr 2019 zahlte Österreich gesamt mehr als elf Milliarden Euro für den Import von fossilen Energieträgern. Geld, das besser für den Erneuerbaren-Ausbau genutzt werden kann.

Fazit

Zwar kann Österreichs Strombedarf derzeit noch nicht vollständig mit reinem Grünstrom gedeckt werden, dennoch steuern wir auf eine wirklich saubere Zukunft zu. Denn bereits 2020 lag der Anteil von Wind, Sonne und Wasserkraft an der Stromproduktion in Europa bei 38 Prozent, fossile Energieträger hingegen kamen nur auf 37 Prozent. Saubere Energien haben in Europa also erstmals Kohle und Gas abgehängt. Ein gutes Zeichen für die Energiezukunft.

✅ TEXT: SANDRA RAINER
✅ FOTOS: UNSPLASH / DHAHI ALSAEEDI

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