Sono Motors: pure Sonnenkraft auf vier Rädern?

Das Münchner Start-up Sono Motors wird mit dem Sion ein neues E-Auto auf den Markt bringen – und dieses könnte die Mobilitätsbranche völlig revolutionieren. Denn der Tank für den Sion kommt nicht nur aus der Steckdose, sondern auch direkt von der Sonne. Vollgas für die Umwelt!

Die Automobilbranche steht gerade vor einer Verkehrswende. Immer mehr Menschen möchten in Zukunft auf die Verbrenner verzichten und lieber in die grünen Pedale treten. Kein Wunder also, dass die Zahl der angebotenen E-Fahrzeuge von Jahr zu Jahr steigt. Doch neben Tesla und Co. konnte sich auch ein deutsches Unternehmen auf dem grünen Automarkt etablieren – und zwar mit einer einzigartigen Mobilitätsvision. Die Rede ist vom Münchner Start-up Sono Motors, gegründet von drei jungen Menschen mit einer ganz klaren Vision: Sie wollen mehr Platz für Nachhaltigkeit in der Autobranche schaffen – und mit dem neuen Sion schickt Sono Motors auch ein ganz besonders Fahrzeug auf die Straßen. Denn von einem gewöhnlichen Elektrofahrzeug kann hier kaum mehr die Rede sein. Der Sion ist nämlich das erste serienmäßige E-Auto, das seine Batterie nicht nur über das grüne Stromnetz, sondern auch über direkte Sonneneinstrahlung laden kann.

Eingebaute Solarzellen sorgen für Antrieb

Solar statt Lack: Gemäß diesem Motto wird das Exterieur des Sions vollständig mit Solarpanelen verkleidet. Die patentierte Technologie ist in die schwarze Oberfläche des Autos verbaut – also kaum sichtbar. Die Solarzellen befinden sich somit nicht nur auf dem Dach, sondern auch am Heck, auf den Türen, den Kotflügeln und auch in der Motorhaube.

Damit ergibt sich eine Gesamtfläche der sonnigen Zellen von sechs Quadratmetern. Diese nahtlose Integration von Solarzellen in die Karosserie sorgt für eine innovative Ladelösung. Bei sonnigem Wetter tanken sie den Sion quasi während der Fahrt auf. Das sorgt für bis zu 34 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Tag – 5.800 Kilometer pro Jahr. Mithilfe der Solarzellen können auch an leicht bewölkten Tagen einige Zusatzkilometer zurückgelegt werden; genau genommen sind es sogar bis zu zwölf Kilometer. Und das alles vollkommen emissions- und kostenfrei.

Sono Motors setzt auf Interieur mit gewissen Extra

Das Innenleben wurde von Sono Motors ganz absichtlich ohne viel Schnickschnack konzipiert. Das Wesentliche sollte stets im Blick der/des Fahrerin/Fahrers liegen. Somit zeichnet sich das Interieur durch ein schlichtes und gut durchstrukturiertes Design aus. Ein besonderes Highlight lenkt jedoch alle Blicke auf sich: das natürliche Luftfiltersystem breSono. Hier sorgt Islandmoos für ein angenehmes Klima und filtert bis zu 20 Prozent Feinstaub aus der Luft. Nachhaltigkeit spiegelt sich in diesem Fahrzeug also wirklich an allen Ecken wider.

Ein weiteres Feature ist die Sion Carsharing-App. Mit ein paar Klicks kann jede/r FahrerIn ihren/seinen Sion mit anderen ElektrofreundInnen teilen. So könnte in Zukunft die Zahl der Autos auf den Straßen verringert und der Umwelt geholfen werden. Sharing is caring.

Sono Motors
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Noch keine 100 Prozent solarer Strom

Natürlich hört sich dieses Konzept erst einmal super an, jedoch heißt es noch: warten. Denn ganz so grün wie gewünscht ist der Sion derzeit noch nicht: Auch er holt sich wie jedes andere E-Auto die benötigte Energie aus der Steckdose. Doch in Zukunft wird das ganz anders ausschauen, und das Solarauto braucht weder Kraftstoff noch irgendwelche Ladestationen.

Der Sion kann an jeder öffentlichen Ladestation in Europa aufgeladen werden, aber auch an der heimischen Garagensteckdose oder an einem anderen Sion. Richtig gehört: Der Sion beherrscht die Fähigkeit des bidirektionalen Ladens. Somit kann er seinen eigenen Strom zum Aufladen anderer Elektrokollegen nutzen.

Sion steht kurz vor der Realisierung

Für eine zeitnahe Umsetzung des Solarautos arbeitet Sono Motors gerade tatkräftig an dessen Marktreife. Sonos zufolge befindet man sich gerade in der finalen Phase auf dem Weg zur Zulassung. Die Solarautos könnten also wirklich schon bald die Straßen erobern. Natürlich muss die patentierte Solartechnologie noch auf Herz und Nieren geprüft werden.

Gemeinsam mit Fraunhofer ISE werden dazu zahlreiche Tests und Probedurchläufe durchgeführt – alles für die Gewährleistung von Sicherheit und Zuverlässigkeit. Harry Wirth, Bereichsleiter Photovoltaik, Module und Kraftwerke beim Fraunhofer ISE, bestätigt das Potenzial der Sonnenenergie in der Automobilbranche. „Die Integration von Solarmodulen in Fahrzeugen ist eine Schlüsseltechnologie für die CO2-arme Mobilität der Zukunft“, so Wirth. Die Produktion des Sions soll laut jetzigem Stand 2022 starten. Dann stellt sich heraus, ob sich die Solarautos wirklich auf der Überholspur befinden. Wir sind gespannt.

✅ TEXT: SANDRA RAINER
✅ FOTOS: SONO MOTORS

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